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Staatshilfen : Landesbanken prüfen Annahme des Rettungspakets

  • Aktualisiert am

Die Landesbanken melden möglicherweise gemeinsam Bedarf an Bild: ddp

Die sieben deutschen Landesbanken beraten bei einem Treffen die gemeinsame Anspruchnahme des Rettungspaketes der Bundesregierung. Voraussichtlich als erste Bank wird die gebeutelte BayernLB Hilfen in Anspruch nehmen.

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          Die sieben deutschen Landesbanken prüfen die gemeinsame Anspruchnahme des Rettungspaketes der Bundesregierung für die Kreditwirtschaft. Dies verlautete am Montag aus mit der Sache vertrauten Kreisen. Vor allem die BayernLB und die WestLB hätten sich dafür ausgesprochen. Andere Geldinstitute erwägen einen ähnlichen Schritt, befürchten aber einen Ansehens- und Bonitätsverlust, falls ihre Finanzprobleme öffentlich würden. Es gebe aber auch Widerstand gegen ein gemeinsames Vorgehen.

          Der Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes kommt am Montag Nachmittag in Berlin zu Beratungen über das Rettungspaket zusammen. Das Gremium mit rund 50 Mitgliedern vertritt unter anderen 446 Sparkassen, sieben Landesbanken und zehn Landesbausparkassen.

          Bayern LB nimmt als Erster die Staatshilfe in Anspruch

          Die Eigentümer der Bayern LB hatten bereits am Wochenende angekündigt, dass die Bank den von der Bundesregierung aufgelegten Eigenkapitalfonds nutzen wird. Damit soll der Kapitalbedarf der Bayern LB, die je zur Hälfte dem Freistaat und den bayerischen Sparkassen gehört, gedeckt werden. Er wird in Sparkassenkreisen inzwischen auf 3 bis 5 Milliarden Euro taxiert.

          Am Dienstag tagt in München der Verwaltungsrat. Dort soll der seit März 2008 amtierende Vorstandsvorsitzende Michael Kemmer neue Bilanzzahlen vorlegen. Bisher hat die Bayern LB unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Kemmer den Abbau von 400 Arbeitsplätzen bekannt gegeben. Die Sparkassen plädieren für eine Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg.

          LBBW und Helaba sehen keinen Bedarf

          Ein Sprecher der Landesbank Baden-Württemberg bekräftigte in Stuttgart auf AP-Anfrage, dass das Institut keine Gelder aus dem Rettungsfonds in Anspruch nehmen wolle. Vorstandschef Siegfried hatte am Mittwoch erklärt: „Die LBBW steht in punkto Liquidität und Eigenkapital im Branchenvergleich sehr gut da und sieht keinen Bedarf, das Paket der Bundesregierung in Anspruch zu nehmen.“ Die LBBW ist Deutschlands größte Landesbank. Ein Sprecher der HSH Nordbank erklärte, sein Institut prüfe das Rettungspaket.

          Auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hatte schon gesagt, dass sie auf Hilfen verzichten werde. Dies muss jedoch nicht das letzte Wort sein. Roland Koch, Hessens Ministerpräsident (CDU) hat Sympathie dafür gezeigt, dass alle Landesbanken zumindest die staatlichen Garantien für die Bankenanleihen in Anspruch nehmen sollten. Auch in Sparkassenkreisen findet dieser Vorschlag Unterstützung. Schließlich gehe es darum, Vertrauen in das gesamte Finanzsystem zurückzubringen, heißt es.

          Die mehrheitlich den Sparkassen gehörende Helaba musste nach früheren Angaben von Januar bis Ende Juni infolge der Finanzmarktkrise 224 Millionen Euro Belastungen verarbeiten. Für das Gesamtjahr 2007 hatte die Bank die Belastungen auf 300 Millionen Euro beziffert. An ihrer Gewinnprognose für 2008 hält die Helaba nach letzten Angaben trotz der eskalierender Finanzmarktkrise fest: Das Institut strebt ein Vorsteuerergebnis von „gut 300 Millionen Euro“ an. Im Jahr 2007 hatte der Konzern vor Steuern allerdings noch 407 Millionen Euro erzielt, ein Jahr zuvor sogar rund 500 Millionen Euro.

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