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Frisches Geld steht bereit : Staatseinstieg bei TUI wahrscheinlich

Hier lang, lieber Staat: TUI-Maschine auf dem Flughafen von Kos. Bild: Reuters

Nach Informationen der F.A.Z. ist der Bund im Prinzip bereit, TUI weiteres Geld zu geben – und zwar wahrscheinlich nicht nur geliehen. Bei Thyssen-Krupp bahnt sich Ähnliches an. Was werden die Konditionen sein?

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          Die Kanaren sind dem Reisekonzern TUI geblieben. Dort können Urlauber noch hin, von diesem Sonntag an allerdings auch nur mit einem negativen Corona-Test. Andernorts sieht es noch schlechter aus für Europas größten Touristikanbieter. Reisewarnungen, Auflagen und die Angst der Kunden vor dem Virus sorgen dafür, dass bei TUI schon wieder das Geld knapp wird. Rund 3 Milliarden Euro an Krediten hat das Unternehmen schon vom Staat bekommen, jetzt wird über weitere Finanzhilfen verhandelt. Die Rede ist von bis zu 1,8 Milliarden Euro. Auch der Industriekonzern Thyssen-Krupp hofft auf einen Kapitalspritze vom Staat.

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Nach Informationen der F.A.Z. ist der Bund im Fall von TUI im Prinzip bereit, dem Konzern mit den rund 70.000 Mitarbeitern frisches Geld zur Verfügung zu stellen. Dem Vernehmen nach gibt es aber zwischen dem SPD-geführten Finanzministerium und dem CDU-geführten Wirtschaftsressort noch Diskussionen, ob der Bund sich direkt an TUI beteiligen soll oder ob neue Kredite ausreichen. Wegen der jetzt schon hohen Verschuldung des Unternehmens gilt ein Staatseinstieg als wahrscheinlich.

          Die Opposition verfolgt das mit Argusaugen – und fordert ein grundsätzliches Umdenken in der Rettungspolitik. „Die Bundesregierung braucht endlich eine echte Beteiligungsstrategie, die beschreibt, wann und wie große Kredite und Rekapitalisierungsmaßnahmen vergeben werden“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der F.A.Z. Aktuell fließe ein erheblicher Teil der Corona-Hilfen in Unternehmen, die mit fossilen Energieträgern arbeiteten. So werde der Strukturwandel verschleppt. „Staatliche Hilfen für TUI sind nur sinnvoll, wenn sie an klare Vorgaben zum Klima- und Beschäftigtenschutz geknüpft werden. Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen muss zumindest für einen Übergangszeitraum vereinbart werden.“ Hofreiter fordert zudem einen Austausch der Flugzeugflotten und Vorgaben für CO2-arme Reisen.

          Der Reisekonzern hat indes schon ein Programm aufgelegt, das den Abbau von 8000 Arbeitsplätzen vorsieht. Schon als der Bund Ende Mai bei der Lufthansa einstieg, entbrannte eine Diskussion über mögliche Auflagen für die staatliche Hilfe. Die SPD lehnte den geplanten Stellenabbau ab, die Grünen wollten, dass der vom Bund gestützte Konzern weniger Inlandsflüge anbieten dürfe. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wies diese Forderungen zurück. Der Bund mische sich nicht in die Geschäftspolitik ein. Ziel müsse es sein, dass die Unternehmen schnell wieder profitabel würden, sagte er.

          Nach einer internen Aufstellung des Bundeswirtschafts- und des Bundesfinanzministeriums haben die Unternehmen in Deutschland bislang gut 95.000 Anträge für Kredite der staatlichen KfW-Bank gestellt, das Volumen beläuft sich auf knapp 58 Milliarden Euro. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) stützt bislang fünf Unternehmen mit 6,5 Milliarden Euro, der Großteil davon entfällt auf die stille Einlage und das zwanzigprozentige Aktienpaket an der Lufthansa.

          „Schon für die Hilfen jetzt hätte der Bund die gesamte TUI kaufen können“

          TUI hatte im April einen ersten Hilfskredit der KfW von 1,8 Milliarden Euro bekommen. Später wurde die Kreditlinie um 1,05 Milliarden Euro erhöht. Zudem zeichnete der Bund eine Wandelanleihe über 150 Millionen Euro, die er, vereinfacht gesagt, in bis zu 9 Prozent der Aktien tauschen kann. Über das dritte Paket wird seit Oktober verhandelt. Grund ist, dass nach der kurzen Erholung des Geschäfts im Frühsommer die Krise mit voller Wucht zurückgekehrt ist. Für das derzeit laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (Oktober bis September) rechnet TUI jeden Monat mit einem Mittelabfluss „im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich“.

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