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Staatsanwaltschaft ermittelt : Schwere Vorwürfe gegen den Windreich-Gründer

  • Aktualisiert am

Willi Balz (r), Gründer des Energie-Unternehmens Windreich AG, steht zum Auftakt des Prozesses um die Insolvenz des Windpark-Projektentwicklers Windreich im Gerichtssaal. Bild: dpa

Insolvenzverschleppung und Betrug lauten die Hauptvorwürfe im Prozess gegen die Gründer der Windreich-Gruppe. Eine undurchsichtige Lage mit gewichtig besetzter Anklagebank.

          Deutsche-Bank Vorstandsmitglied Stefan Simon holt seine Vergangenheit als Anwalt wieder ein. Einst war der Fachmann für Gesellschaftsrecht und Fragen der guten Unternehmensführung und Partner der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg für den Gründer und Alleineigentümer des Windparkentwicklers Windreich, Willi Balz, tätig. Der Anwalt und sein Team sollten Möglichkeiten der Restrukturierung des in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Mittelständlers und der dazugehörigen Unternehmen prüfen. Die Kanzlei stellte dem Projektentwickler insgesamt über 1,3 Millionen Euro für Beratungsleistungen in Rechnung. Doch das Unternehmen konnte nicht zahlen.

          Simon wird voraussichtlich am 21. Oktober in Stuttgart als Zeuge vernommen. Balz ist auf Simon nicht gut zu sprechen. Ihm hatte der Schwabe unter anderem Parteiverrat und versuchte Selbstbereicherung vorgeworfen. Der Anwalt hatte die Vorwürfe öfters zurückgewiesen. Der Rechtsanwalt ist erst seit kurzem Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, zuvor war er Mitglied des Aufsichtsrats in dem Kreditinstitut.

          Der Anklagepunkt rund um das Beratermandat für die Anwaltskanzlei ist nur einer von 26 Vorwürfen, die die Stuttgarter Staatsanwaltschaft zusammengetragen hat und die Wirtschaftsstrafkammer nun verhandelt. Es ist der Beginn einer monatelangen Spurensuche, weil in dem Verfahren praktisch alles strittig ist. Angeklagt sind neben Balz sieben weitere Personen. Balz bezeichnete die Vorwürfe in einer Verhandlungspause als Quatsch. Auslöser der Insolvenz sei die Staatsanwaltschaft gewesen. Und sein Verteidiger Alexander Schork sagt, dass die Anklagebehörde bei Windreich eingefallen und deshalb ein Investor abgesprungen sei.

          Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Windreich-Gruppe schon im Frühjahr 2012 zahlungsunfähig war und der Gründer Willi Balz, der Hauptangeklagte, das wusste und vertuscht hat. Sie wirft ihm neben Insolvenzverschleppung unter anderem auch Betrug, unrichtige Darstellung in den Bilanzen und Insiderhandel vor. Das Unternehmen Windreich plante und entwickelte Windparks vor allem auf hoher See, beschaffte Genehmigungen und organisierte den Bau, um die Projekte dann an Investoren zu verkaufen – ein risikoreiches Geschäft mit Millionensummen, für das Balz teils mit Hilfe seiner sieben Mitangeklagten über die Jahre ein kompliziertes und undurchsichtiges Firmengeflecht aufgebaut hatte.

          Schon im Herbst 2011 habe die Insolvenz gedroht, spätestens Ende April 2012 sei Windreich zahlungsunfähig gewesen, sagte Ankläger Heiko Wagenpfeil. Erst im September 2013 aber sei die Insolvenz angemeldet worden. Bis zu diesem Zeitpunkt hätten Balz und seine Vorstandskollegen mit falschen Darstellungen in der Bilanz dafür gesorgt, dass Banken und Geschäftspartner nichts merken. So seien Verträge geschlossen worden, obwohl klar gewesen sei, dass Windreich selbst oder die Tochterfirmen die vereinbarten Leistungen gar nicht hätten bezahlen können. Für Kredite seien die geschönten Bilanzen und gar nicht existierende Sicherheiten vorgelegt worden.

          Mitangeklagt ist auch der damals tätige Wirtschaftsprüfer. Er soll die illegalen Geschäfte unterstützt und gedeckt haben. Er habe um die drohende Zahlungsunfähigkeit von Windreich gewusst. Zusammen mit Balz sitzt auch der baden-württembergische Ex-Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) auf der Anklagebank, der nach seiner politischen Karriere eine Zeit lang dem Aufsichtsrat und später dem Vorstand des Windparkentwicklers angehörte. Er bestreitet den Vorwurf der Insolvenzverschleppung und des Betrugs „energisch und mit Nachdruck“, wie er sagt.

          Nach dem Ausscheiden von Döring aus dem Vorstand ist er noch als Berater tätig gewesen. Er habe den Kontakt zu Politikern gepflegt. So habe er beispielsweise im Juli 2012 bei der Stallwächterparty des Landes Baden-Württemberg in Berlin den Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann angesprochen, um die Chancen auf Finanzierungshilfen auszuloten, so der Ankläger. Für 13 Termine kassierte Döring demnach ein Beraterhonorar von fast 43 000 Euro. Er habe Balz dabei unterstützt, keinen Insolvenzantrag zu stellen.

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