https://www.faz.net/-gqe-a9afg

Bilanzskandal : Staatsanwälte erheben Anklage im Fall Steinhoff

Europas zweitgrößter Möbelhersteller nach Ikea hat seine Wurzeln im niedersächsischen Westerstede. Bild: dpa

Nach Scheingeschäfte soll es bei dem deutsch-südafrikanischen Möbelhersteller zu Bilanzmanipulationen in Milliardenhöhe gekommen sein. Mehrere Manager sollen sich in Oldenburg vor Gericht verantworten.

          1 Min.

          Ein Phänomen einer Informationsgesellschaft, die stetig Nachschub über das Internet bekommt, ist ihr schnelles Vergessen. Im Wirbel um Wirecard wird hierzulande oft übersehen, dass es mit dem deutsch-südafrikanischen Handelskonzern Steinhoff noch einen anderen Bilanzskandal in einer Milliarden-Größenordnung gibt. Staatsanwälte aus Oldenburg sind von 2015 an dem Verdacht der Bilanzfälschung beim einst zweitgrößten europäischen Möbelhersteller mit Wurzeln im niedersächsischen Westerstede nachgegangen.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Steinhoff hatte vor drei Jahren eingeräumt, dass in der Bilanz mehr als 6 Milliarden Euro fehlten. Am Donnerstag gab die Behörde bekannt, dass sie vor dem Landgericht Oldenburg gegen drei frühere Steinhoff-Manager wegen Bilanzmanipulation in Milliardenhöhe Anklage erhoben hat. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, von Juli 2011 bis Januar 2015 Buchgewinne aus Scheingeschäften in die Bilanzen konzernzugehöriger Gesellschaften hineingeschrieben zu haben. Nach Auffassung der Strafverfolger weisen die Bücher von Steinhoff weitere 820 Millionen Euro durch eine überhöhte Darstellung erworbenen Immobilienvermögens aus. Ein weiterer Verdächtiger soll sich wegen mutmaßlicher Beihilfe verantworten. Über die Zulassung der Anklage muss eine Strafkammer des Landgerichts noch entscheiden. Im Fall einer Verurteilung drohen den Beschuldigten bis zu drei Jahren Haft.

          Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg nannte keine Namen. Im Rahmen der Ermittlungen habe es auch Kontakt zu Behörden in Südafrika gegeben. Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher, dass es ein Auslieferungsersuchen an die dortigen Behörden, wie im jetzigen Stadium des Verfahrens üblich, noch nicht geben würde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Joe Biden und der Klimagipfel : Die beste Klimapolitik ist global

          Seit 30 Jahren wird mit ambitionierten Politiken auf Staatenebene der Eindruck vermittelt, man verzeichne Fortschritte im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Diese Suggestion gelingt nur, wenn man die entscheidende Kennziffer vernachlässigt.
          Boris Johnson am Mittwoch im Unterhaus

          Johnsons Pläne : Kommt die Covid-Pille?

          Der britische Premierminister will den Bürgern mit Hilfe von Impfpässen das Reisen erleichtern. Von Herbst an soll es darüber hinaus eine Pille gegen die Covid-Infektion geben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.