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Wegen hoher Spritpreise : Mittelstand warnt vor „veritabler Wirtschaftskrise“

  • Aktualisiert am

Hohe Spritpreise, auch an dieser Tankstelle in Hildesheim Bild: dpa

Diesel hat einen Rekordpreis erreicht, auch Superbenzin nähert sich dem Allzeithoch. Deshalb fordert der Mittelstandsverband jetzt, die Mineralölsteuern zu senken und die Pendlerpauschale zu erhöhen – und warnt die Gewerkschaften.

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          Angesichts des neuen Rekordhochs beim Dieselpreis hat der deutsche Mittelstand vor drastischen Folgen für Wirtschaft und Verbraucher gewarnt. Die Corona-Krise drohe zum Jahresende „nahtlos von einer veritablen Wirtschaftskrise abgelöst zu werden, während sich um uns herum andere Staaten Europas wirtschaftlich erholen“, sagte Hans-Jürgen Völz, Chefvolkswirt des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagsausgaben). 

          „Die Preisexplosion bei Treibstoffen stellt eine massive Belastung der Wirtschaft dar, die Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand gefährdet“, erklärte Völz. Schon jetzt sei erkennbar, dass zeitverzögert an die Verbraucher weitergegebene Mehrkosten für Transport, Heizen und Material zu höheren Lohnforderungen führen werden. „Aus Sicht des Mittelstands sollte die Mineralölsteuer temporär gesenkt und die Pendlerpauschale spürbar erhöht werden.“

          „Lohn-Preis-Spirale ist schon in Gang gesetzt.“

          Der Dieselpreis war am Sonntag auf ein Allzeithoch gestiegen. Autofahrer mussten nach Angaben des ADAC im bundesweiten Durchschnitt 1,555 Euro je Liter zahlen und damit mehr als je zuvor. Auch der Benzinpreis stieg stark an, Superbenzin nähert sich seinem Allzeithoch. Ein großer Teil des Spritpreises sind Steuern und Abgaben. Die Energie- beziehungsweise Mineralölsteuer macht bei Superbenzin 65,45 Cent pro Liter aus, bei Diesel sind es 47,07 Cent. Dazu kommt die Mehrwertsteuer.

          Für die Entwicklung der Kraftstoffpreise sind der Rohölpreis und der Wechselkurs von Dollar und Euro ausschlaggebend. Der Rohölpreis ist derzeit zwar niedriger als 2012, der Dollar ist jedoch deutlich stärker als vor neun Jahren. Das verteuert Ölimporte nach Europa. 

          Eine Rolle spielt außerdem die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe, die sich nach ADAC-Angaben in diesem Jahr beim Tanken mit rund sieben bis acht Cent pro Liter auswirkt. Beim Diesel sorgt zusätzlich die im Herbst steigende Nachfrage nach Heizöl für eine Verteuerung an den Zapfsäulen.

          Mittelstands-Ökonom Völz sorgt sich auch davor, dass Gewerkschaften höhere Tarifabschlüsse durchsetzen könnten. „Schon jetzt ist erkennbar, dass zeitverzögert an die Verbraucher weitergegebene Mehrkosten für Transport, Heizen und Material zu höheren Lohnforderungen führen werden“, sagte er. „Die Lohn-Preis-Spirale jedenfalls ist schon in Gang gesetzt.“

          Währungshüter sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Zweitrundeneffekt“: Wenn steigende Inflation zu höheren Tarifabschlüssen und damit Lohnkosten führt, kann dies wiederum die Teuerung anheizen.

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