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Sportwirtschaft : Machtkampf unter den Organisatoren der Formel 1

Alle fahren im Kreis, Schumacher gewinnt in Rot Bild: dpa

Bernie Ecclestone und Max Mosley streiten über die Zukunft des „schnellen Kreisverkehrs". Die Automobilhersteller drohen mit einer eigenen Rennserie. Die Rennställe wollen mehr Geld. Die Formel 1 fährt wieder.

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          „Lassen Sie uns über den Sport reden", sagt Norbert Haug, der Sportchef von Daimler-Chrysler, und schaut hoffnungsfroh in die Runde. Wenn das so einfach wäre. Selbst zwei Tage vor dem ersten Saisonrennen der Formel 1 an diesem Sonntag in Melbourne dreht sich das Hauptthema mehr um die langfristige Zukunft des „schnellen Kreisverkehrs" als um die Frage nach dem Sieger von morgen. Obwohl beides miteinander verwoben ist.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Wird die Formel 1 noch mehr Teams verlieren? Kann Ecclestone der Chefmanager bleiben? Wollen die beteiligten Automobilkonzerne wirklich eine eigene Rennserie aufbauen? Ist die lähmende Dominanz von Ferrari zu brechen? Allein schon an diesem Fragenkatalog läßt sich ablesen, daß sich der PS-Zirkus in einer heiklen Lage befindet.

          Max Mosley, als Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) oberster Regelhüter, sprach zuletzt von „langweiligen Rennen", von „Geldverschwendung" und einer Finanzpolitik, die „dem Sport schade". Deshalb hat er Mitte Januar mit einem bedenklichen Kniff das komplizierte Abstimmungsprozedere für kurzfristige Regeländerungen ausgehebelt und wenige Wochen vor dem Start eine Art Notprogramm verordnet, damit die Formel 1 billiger und spannender wird.

          Konkurse und Ferrari-Dominanz

          Mosley sah sich zu diesem Schritt nach dem Konkurs zweier Rennställe binnen eines Jahres und aufgrund der Dominanz von Ferrari gezwungen. Die Scuderia mit Chefpilot Schumacher gewann im vergangenen Jahr 15 von 17 Rennen, was nicht jeden potentiell interessierten Sponsor begeisterte, mit seinen Millionen einen Nachzügler zu beflügeln. Während die großen Teams hinter Ferrari wie Williams und McLaren von dem Rückzug einiger Geldgeber (zum Beispiel Deutsche Post, Deutsche Telekom, Veltins, S. Oliver, ratiopharm, Mastercard) nicht empfindlich getroffen wurden, jammern die Hinterbänkler. Angeblich sind ihre Einnahmen um bis zu 30 Prozent zurückgegangen.

          Der Rennstall Jordan berichtet sogar, daß der Werbewert des Heckflügels am Boliden von elf auf fünf Millionen Dollar gefallen sei. Unter diesen Bedingungen wäre das Ende der beiden kleinsten Privatteams neben Sauber-Petronas, Jordan und Minardi, nur noch eine Frage der Zeit. Sie haben keinen der Automobilkonzerne im Rücken, die mit ihren schier unerschöpflichen Ressourcen die Budgets Jahr für Jahr steigern.

          Existenzminimum: 50 Millionen Euro

          Nach Angaben des Fachmagzins „F1-Racing" beträgt der Jahresetat aller zehn Rennställe rund 2,1 Milliarden Euro. Im Schnitt hätte also jeder Rennstall 210 Millionen Euro zur Verfügung. Jordan gibt an, mit 60 Millionen Euro über die Runden kommen zu müssen. Minardi hat nicht mal 50 Millionen Euro in der Kasse. Dabei gilt dieser Betrag inzwischen als Existenzminimum.

          Mosleys Einsatz für Minardi oder Jordan ist kein Akt der Barmherzigkeit. Ihm graut vor einer reinen Konzernmeisterschaft, deren Halbwertszeit vom Interesse der Aktionäre abhängt. Warum sollte Ford als Mutterkonzern von Jaguar mit Abermillionen über die Jahre hinweg für eine Solotour von Ferrari die Bühne bereiten? Zweifellos sind Unternehmen wie BMW, DaimlerChrysler, Ford, Honda, Renault oder Toyota in erster Linie an der Formel 1 als Plattform für ihre Marketingstrategien interessiert und nicht bereit, aus lauter Lust an der großen Sause jedes Jahr tief in die Tasche zu greifen.

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