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Sportwetten : Betandwin unter Beschuß

  • Aktualisiert am

Betandwin benennt sich gerade in Bwin um Bild: AP

Kurz vor der neuen Bundesligasaison hat sich der Streit um das Geschäft mit Sportwetten verschärft. Das sächsische Innenministerium prüft derzeit, ob es juristisch gegen Betandwin vorgeht.

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          Wenige Tage vor Beginn der neuen Fußball-Bundesligasaison hat sich der Streit um das ertragreiche Geschäft mit Sportwetten in Deutschland verschärft. Das sächsische Innenministerium plane in Abstimmung mit den anderen Landesregierungen, dem deutschen Ableger des internationalen Toto-Anbieters Betandwin spätestens am Donnerstag die Konzession zu entziehen, berichtete am Mittwoch die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf das Ministerium.

          Im sächsischen Innenministerium hieß es am Mittwoch, die Landesregierung nehme zu dem Bericht derzeit nicht Stellung. Zugleich wurde für Donnerstag eine Pressekonferenz in Dresden angekündigt. Das eventuelle Eingreifen werde derzeit juristisch geprüft, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Lothar Hofner.

          Dem österreichischen Glücksspielkonzern, der sich derzeit in Bwin umbenennt, soll dem Pressebericht zufolge verboten werden, via Internet Wetteinsätze aus Deutschland anzunehmen. Betandwin wolle im Gegenzug 500 Millionen Euro Schadenersatz verlangen und das Staatsmonopol mit Hilfe des Internet unterlaufen.

          Aktie unter Druck

          Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wonach das Angebot von Sportwetten in Deutschland neu geregelt werden muß. Daraufhin hatten die Länder die Schließung der Büros privater Wettanbieter sowie eine Neuordnung der staatlichen Oddset-Wetten angekündigt.

          Die Aktie von Betandwin an der Wiener Börse fielen bereits im Frühhandel am Mittwoch um knapp 30 Prozent bis auf 23,72 Euro. Anfang Mai hatte die Betandwin-Aktie noch rund 100 Euro gekostet. Danach stürzte sie im Zusammenhang mit der Verhaftung des Chefs des amerikanischen Wettbewerbers BETonSports und nach einer Gewinnwarnung im Juli auf unter 30 Euro ab.

          Gewerbeerlaubnis aus der ehemaligen DDR

          Wie die Zeitung berichtet, habe das Innenministerium in Dresden Betandwin bereits im Juli eine Untersagungsverfügung angekündigt. Das Unternehmen arbeitet mit einer Gewerbeerlaubnis aus der ehemaligen DDR. Begründet werden soll der Konzessionsentzug mit einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts von Ende März, das ein staatliches Wettmonopol unter bestimmten Voraussetzungen für zulässig erklärt hatte.

          Betandwin hat nach „SZ“-Angaben in Deutschland rund eine Million Kunden, die für jährlich rund 500 Millionen Euro auf den Ausgang von Fußballspielen und anderen Sportereignissen tippen. Die staatliche Sportwette Oddset rechnet den Angaben zufolge in diesem Jahr mit 350 Millionen Euro Umsatz.

          Betandwin-Chef sieht gezielte Störung des Geschäfts

          Der Vorstandsvorsitzende der an der Wiener Börse notierten AG Betandwin, Norbert Teufelberger, bezeichnete den geplanten Konzessionsentzug in Deutschland der „SZ“ gegenüber als „Willkür“. Offenbar sollten die Geschäfte von Betandwin gezielt zum Start der Bundesliga gestört werden. Das vorgesehene Verbot verstoße zudem gegen europäisches Recht. Man werde via Internet und auf der Grundlage einer Lizenz aus Gibraltar weiter Wetteinsätze aus Deutschland annehmen und so das „nicht haltbare“ Oddset-Monopol unterlaufen.

          Die einzelnen Bundesländer gehen seit geraumer Zeit gegen Aktivitäten von Betandwin vor. So mußte Fußball-Zweitligist TSV 1860 München bereits die Werbung auf den Trikots unterlassen, auch kleinen Vereine wurde untersagt, Trikots mit dem Schriftzug des privaten Sportwettenanbieters zu tragen. Bundesligist Werder Bremen konnte dagegen bislang weiter für das Unternehmen werben.

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