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Sporthandel : Einstieg beim DSF soll Karstadt Quelle beflügeln

  • Aktualisiert am

Nach zehn Jahren DSF: Shopping-Show statt Fußballtalk? Bild: DSF

Jetzt ist es perfekt: Ein Konsortium unter Führung des Karstadt-Quelle-Konzerns hat von der insolventen Kirch Media den Zuschlag für die Übernahme des defizitären Sport-Fernsehkanals DSF bekommen.

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          Der Essener Handels- und Dienstleistungskonzern steigt über seine Tochtergesellschaft Karstadt Quelle New Media AG ins Sportfernsehgeschäft ein (F.A.Z. vom 14. April). Wie Peter Gerard, im Vorstand unter anderem für neue Medien zuständig, bei der Bilanzvorlage bekanntgegeben hat, beteiligt sich die Tochtergesellschaft zu 100 Prozent an einer Zwischenholding, die 77,78 Prozent der Anteile an DSF und der Onlineplattform Sport 1 übernehmen soll. Die verbleibenden 22,22 Prozent wird der schweizerische Investor Hans-Dieter Cleven direkt erwerben.

          An der Zwischenholding soll sich nach der Zustimmung des Kartellamtes zu einem späteren Zeitpunkt die EMTV-Gruppe beteiligen; Karstadt Quelle soll dann durchgerechnet 38,81 Prozent und EMTV 38,97 Prozent an dem Sportsender halten. Zum Kaufpreis wollte sich der Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban nicht präzise äußern. Er liege in einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, hieß es.

          Positiv für Sporthandel

          Die Bereiche Sport und Dienstleistungen sind wesentliche strategische Wachstumsfelder des Essener Konzerns, wie Urban erläuterte. Eine starke Medienpräsenz von Sport befruchte grundsätzlich auch den Sporthandel. Ein Fernsehsender mit einer Reichweite von 90 Prozent aller Haushalte und einer klar definierten Zielgruppe biete gute Ansätze, um weitere Dienstleistungen des Konzerns anzubieten, betonte Gerard mit Hinweis auf die ausgeprägten Werbezeiten des Senders. Als Beispiel für weitere Synergien nannte er den Verkauf von Sportreisen oder spezieller Kredit- und Kundenkarten.

          Urban hält derzeit zwar eine konkrete Umsatz- und Ergebnisprognose für das Jahr 2003 für äußerst schwierig. Gleichwohl geht er davon aus, daß die geplante Marketingoffensive sowohl im stationären Handel als auch im Versandhandel dazu beitragen wird, daß sich der Konzern besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Allein im Warenhausbereich soll das Marketingbudget Urbans Worten zufolge um rund 40 Prozent aufgestockt werden. Bisher seien die Belastungen des Konsumklimas durch die Erhöhung von Steuern und Abgaben sowie den Irak-Krieg nicht so ausgeprägt wie befürchtet, sagte er. So erwarte man für das erste Tertial einen Umsatz in Vorjahreshöhe. In den ersten drei Monaten liege der Umsatz wegen des späten Ostergeschäftes mit 3,7 Milliarden Euro um ein Prozent unter Vorjahr.

          Konzernumsatz gesunken

          Urban zeigte sich zuversichtlich, in diesem Jahr ein operatives Ergebnis von mindestens 250 Millionen Euro erreichen zu können; im Vorjahr lag der um Sonderposten bereinigte Vergleichswert bei 238 Millionen Euro. Positive Ergebniseinflüsse erwarten die Essener unter anderem aus Kosteneinsparungen aus dem laufenden Restrukturierungs- und Flexibilisierungsprogramm sowie Sondererträge im Zusammenhang mit der begonnenen Neuordnung der Altersversorgung. Dem stehen Belastungen unter anderem aus den steigenden Vertriebs- und Marketingkosten sowie außerordentlichen Kosten für Portfoliooptimierungen gegenüber.

          Im vergangenen Jahr ist der Konzernumsatz um 1,6 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro gesunken. Dabei verzeichneten die Warenhäuser und Fachgeschäfte des Konzerns eine Einbuße von mehr als 9 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Nach einem Plus von 63 Millionen Euro im Vorjahr rutschten sie mit 130 Millionen Euro deutlich ins Minus. Hingegen konnte der Versandhandel den Umsatz um 5,3 Prozent auf 8,2 Milliarden Euro steigern und dabei das Ergebnis vor Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) um 31 Prozent auf 154 Millionen Euro verbessern. Der Geschäftsbereich Dienstleistungen setzte 1,3 (Vorjahr 1,1) Milliarden Euro um und wies hier wegen des anteiligen Verlustes der im Reisegeschäft tätigen Beteiligungsgesellschaft Thomas Cook ein beträchtlich auf 22 ( 86) Millionen Euro abgeschmolzenes Ergebnis aus.

          Unveränderte Dividende

          Im Gesamtkonzern hat das Ebita um mehr als 23 Prozent auf 294 Millionen Euro nachgegeben. Trotz des um 31 Prozent auf 162 Millionen Euro gefallenen Jahresüberschusses erhalten die Aktionäre eine Dividende von unverändert 0,71 Euro. Nach den Erläuterungen Urbans drückte der scharfe Preiswettbewerb den Rohertrag, zudem belasteten Sonderaufwendungen für Personalabbau sowie Kosten der Flutkatastrophe den Ertrag.

          Deutlich gestützt wurde das Ergebnis hingegen von Kostensparprogrammen sowie Erträgen von insgesamt 236 Millionen Euro aus der Entkonsolidierung von Beteiligungen, die zu einem erheblichen Teil auf die Neuordnung der Altersversorgung zurückgehen. So wurde ein betriebsinterner Pensionsfonds gegründet, auf den als Deckungsvermögen die Gesellschaftsanteile von drei Beteiligungsgesellschaften zu Marktwerten übertragen wurden. Im Geschäftsjahr 2002 hat das Unternehmen auf diese Weise die bilanzierten Pensionsverpflichtungen von 2,6 auf 2,1 Milliarden Euro reduziert. Mittelfristig sollen insgesamt bis zu 2 Milliarden Euro an Pensionsverpflichtungen und entsprechendem Vermögen überführt werden.

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