https://www.faz.net/-gqe-3xd2

Sportbusiness : Bundesligisten suchen kreative Finanzierungswege

  • Aktualisiert am

Schöne teure Fußballwelt: Arena AufSchalke Bild: dpa

Börsengang, strategische Partnerschaft oder Anleihe bei ausländischen Investoren sind Beispiele, wie Bundesligisten an Geld kommen können.

          Sinkende TV-Einnahmen, hohe Spielergehälter, stagnierende Sponsoring-Gelder, ehrgeizige Stadion-Projekte: Um den Finanzbedarf bei den Fußball-Bundesligisten zu decken, ist auf der Suche nach Geldquellen mehr denn je Kreativität gefordert.

          „Ich glaube, dass zukünftig im Profifußball noch bisher nicht genutzte Wege der Finanzierung beschritten werden“, sagt Christian Müller, für Finanzen und Lizenzierung zuständiger Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL).

          Börsengang, Partnerschaft, Anleihe

          Der Börsengang von Borussia Dortmund vor zwei Jahren, die „strategische Partnerschaft“ des FC Bayern München mit dem Sportartikelkonzern adidas oder zuletzt die 85-Millionen-Euro- Anleihe des FC Schalke 04 bei ausländischen Investoren waren Neuland für den Bundesliga-Markt.

          Ingo Süßmilch von der Düsseldorfer WGZ-Bank, Experte für den Fußball-Markt, sieht letztlich in den Maßnahmen aber nichts Innovatives: „All dies gehört eben zu der reichlichen Anzahl von Finanzierungs-Instrumenten.“ Durch die Umwandlung der Fußball- Abteilungen in Kapitalgesellschaften stehen den zu Unternehmen gewandelten Bundesligisten diese Instrumente nun auch zur Verfügung.

          „Wie finanziert sich ein Unternehmen?“

          „Ob es aber nun um Anleihen, strategische Partnerschaften oder Börsengänge geht. Die Frage ist doch immer die selbe: Wie finanziert sich ein Unternehmen?“, sagte Süßmilch. Bei der DFL befasse man sich intensiv mit Vorhaben wie dem des FC Schalke 04 und müsse in diesem Zusammenhang auch die Regeln des Verbands ständig weiterentwickeln, so Geschäftsführer Müller.

          „Wir wollen und können der Fantasie und Kreativität kluger Köpfe auch in Fragen der Finanzierung des Profi-Fußballs keine Grenzen setzen“, äußerte sich Müller. „Entscheidend ist für uns, rechtzeitig und offen über pfiffige neue Konstruktionen informiert zu werden und sie auf Einklang mit unseren für die Funktionsfähigkeit des Ligabetriebs erlassenen Statuten überprüfen zu können.“

          Wer über seine Verhältnisse lebt, wird bestraft

          Nach Auffassung von Dieter Hundt, dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden des VfB Stuttgart, haben viele Vereine über ihre Verhältnisse gelebt haben. „Ich kann mit einer mittelständischen Unternehmensgruppe nicht die gleichen Investitionen tätigen wie ein Großkonzern“, sagte Hundt: „Das wird sofort bestraft - und diese Gesetze gelten genauso im Profifußball.“

          Mit Blick auf die in Kaiserslautern angedachte Vorfinanzierung einer möglichen Transferentschädigung für den Stürmer Miroslav Klose durch die Lotto Rheinland-Pfalz GmbH mahnte Müller den Grundsatz an, „dass das durch die Ausbildung von Fußball-Lehrlingen zu Meistern verdienbare Geld im Fußball bleibt und sich nicht einige Investoren nur die Perlen herauspicken können“.

          Genuss-Scheine auf Bundesliga-Vereine

          Der Fall Klose ist laut Süßmilch allerdings nichts Besonderes. „Da ist doch nichts anderes passiert, als dass ein Kredit über den Wert eines Spielers abgesichert wurde.“ Interessanter ist da schon der Vorschlag von Jürgen L. Born, Vorstandsvorsitzender des SV Werder Bremen. „Man könnte als Bundesligist einen Genuss-Schein mit einem festen Zins ausgeben und darüber hinaus Prämien zahlen, wenn man zum Beispiel das DFB-Pokal- Endspiel oder eine bestimmte Zuschauerzahl erreicht“, erklärte der Werder-Chef das Angebot, das sich an Großanleger richten soll.

          Für WGZ-Banker Süßmilch ist so ein Wertpapier „eine Art Geldanlage mit Wette auf sportlichen Erfolg“. Süßmilch zeichnet einen weiteren, bisher noch nicht beschrittenen Weg für die Bundesliga auf. „Warum sollte ein Fußball-Unternehmen nicht eine Wandelanleihe ausgeben?“ Der Anleger zahlt einem Bundesligisten den Preis für die Anleihe und bekommt dafür über die Laufzeit einen geringen Zins. Am Laufzeitende kann er dann entscheiden, ob er den Preis zurück erhält oder Aktien in einem vorher fest vereinbarten Umtauschverhältnis.

          „Börsengänge sind zurzeit nicht sehr beliebt“

          Doch in der Bundesliga könnte bisher nur Meister Borussia Dortmund als einziger an der Börse notierter deutscher Club diese Möglichkeit nutzen. Nachahmer gab es angesichts des schwierigen Börsenumfeldes in den vergangenen zwei Jahren nicht. „Börsengänge sind zurzeit nicht sehr beliebt“, weiß Thomas Priese von der Dortmunder Sparkasse, die die Borussia mit an die Börsen begleitete.

          Priese kann sich stattdessen vorstellen, dass ein Verein eine Anleihe für Privatanleger anbietet. Diese müsste dann aber einen entsprechenden Reiz haben. „Vorstellbar wäre eine normale Verzinsung und eine Bonus- Prämie, wenn der Verein besonderen Erfolg hat“, sagte er.

          Weitere Themen

          Das deutsche Klima-Experiment

          FAZ Plus Artikel: Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

          Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?

          Topmeldungen

          Vorwürfe im Vorwahlkampf : Trumps zwielichtiges Telefonat

          Donald Trump soll den ukrainischen Präsidenten aufgefordert haben, Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Konkurrenten Joe Biden anzuschieben. Ging es auch um die Erpressung mit amerikanischen Finanzhilfen?
          Wer mit Thomas Cook auf Reisen geht, macht womöglich Quartier in der Casa Cook

          Touristik : Thomas Cook bemüht sich um Staatshilfe

          Der älteste Touristikkonzern der Welt kämpft ums Überleben. An diesem Vormittag ist der Verwaltungsrat zusammengekommen, um nach Möglichkeiten zu suchen, die Insolvenz zu vermeiden. Auch Staatshilfen sind im Gespräch.
          Kanzlerin Angela Merkel stellt mit ihrem Klimakabinett die Ergebnisse eines Kompromisses zum Klimapaket vor.

          Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

          Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.