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F.A.Z. exklusiv : Spitzentreffen zur Börsenfusion

Der Sitz der Deutschen Börse in Eschborn Bild: dpa

Auf höchster Ebene soll kommende Woche in Wiesbaden die Standortfrage diskutiert werden. Auch EZB-Präsident Draghi äußert sich zur Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange.

          In die zuletzt immer umstrittenere geplante Großfusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange (LSE) kommt Bewegung. Im Streit über den künftigen Hauptsitz wollen die beiden Unternehmen nun offenbar auf das Land Hessen zugehen. Zum ersten Mal sollen sich am nächsten Dienstag in Wiesbaden alle wesentlichen Entscheider der beiden Börsenbetreiber mit den hessischen Spitzenpolitikern treffen, wie die F.A.Z. am Donnerstag aus Finanzkreisen erfuhr.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Auf Seiten der Landesregierung nehmen der Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) teil, der als oberster Börsenaufseher ein Veto zu der Fusion einlegen könnte. Von der Deutschen Börse kommen der Vorstandsvorsitzende Carsten Kengeter und Aufsichtsratschef Joachim Faber, und auch die LSE ist mit den Spitzen des Vorstands und des Aufsichtsrats vertreten.

          Der Plan der beiden Unternehmen, die Holding der fusionierten Börse in London anzusiedeln, ist durch die Austrittsbestrebungen Großbritanniens aus der EU zuletzt auf zunehmenden Widerstand gestoßen. Am Finanzplatz Frankfurt befürchtet man einen schwindenden Einfluss auf die Weiterentwicklung des heimischen Börsenplatzes. Am Donnerstagmorgen hatte sich Al-Wazir vor Journalisten noch sehr gelassen zu dem Fusionsplan geäußert. Erst müsse die EU ihre kartellrechtliche Prüfung abschließen, dann könne sein Ministerium darüber entscheiden. Das geplante Treffen am Dienstag gilt dem Vernehmen nach auch eher als Antasten der Beteiligten. Konkrete Beschlüsse werden an dem Tag noch nicht erwartet.

          Neben den EU-Wettbewerbsbehörden und der hessischen Börsenaufsicht hat nun auch der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, ein Auge auf das Vorhaben geworfen. Da beide Fusionspartner Tochtergesellschaften mit Banklizenzen hätten, könne der Zusammenschluss zu einem Eignerwechsel bei einer Bank aus der Eurozone führen, schrieb Draghi in einem Brief an die französische EU-Parlamentarierin Pervenche Berès, den die EZB veröffentlichte. Dies müsste die Zentralbank dann sorgfältig prüfen.

          Auch Draghi verwies auf den angestrebten Austritt Großbritanniens aus der EU. Denn durch den Brexit könnte die EZB-Aufsicht über zentrale britische Marktakteure geschwächt werden. „Daher wird es wichtig sein, Lösungen zu finden, die das aktuelle Niveau an Aufsicht und Kontrolle wenigstens aufrechterhalten oder idealerweise sogar verbessern“, schrieb Draghi. In Notenbankkreisen wurde der Vorstoß heruntergespielt. Es sei Usus, dass die EZB als Bankaufseherin bei einem Eigentümerwechsel draufschaut, ob die Lizenz gegeben werde. An der EZB werde die Fusion aber höchstwahrscheinlich nicht scheitern. „Die Entscheidung liegt bei der Hessischen Landesregierung, die könnte die Fusion stoppen.“

          Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte am Donnerstag: „Eine Verlagerung von Arbeitsplätzen nach London geht aus unserer Sicht nicht“. Allerdings sehe er bei den beiden Börsenunternehmen auch schon größere Abweichungen von den ursprünglichen Plänen. Als Beispiel nannte er Überlegungen der Börse, zwei Hauptquartiere parallel zu betreiben.

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