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Datenschützer sehen Verstöße : Spitzel-Affäre bringt H&M-Chefin ins Schwimmen

Bild: H und M

In der Nürnberger Kundenzentrale des schwedischen Modeunternehmens H&M wurden systematisch Mitarbeiter ausspioniert. Während Datenschützer schwere Verstöße sehen, gibt sich die neue Vorstandsvorsitzende Helena Helmersson unwissend.

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          Die Affäre ums Bespitzeln von Mitarbeitern in der Nürnberger Kundenzentrale des Modeunternehmens H&M weitet sich aus und erreicht jetzt die Konzernspitze in Schweden. Nicht nur, dass es neue Vorwürfe gibt, wie der im Oktober aufgrund eines F.A.Z.-Berichts bekannt gewordene Fall intern vom regionalen Management aufgeklärt wird. Vielmehr fällt die gerade erst ernannte Vorstandsvorsitzende der gesamten H&M-Gruppe, Helena Helmersson, in einem Interview mit dem schwedischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender SVT mit ausweichenden Aussagen auf. Sie gibt sich darin zudem unwissend. Sie kenne nicht alle Details, antwortet sie auf eine Frage, ob höchstpersönliche Informationen zu Mitarbeitern überhaupt gesammelt werden sollten. Zuvor war Helmersson im Unternehmen unter anderem auch für den Bereich soziale Verantwortung zuständig.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der F.A.Z. liegt die gesamte Aufzeichnung des Gesprächs des Senders SVT mit ihr vor. Die zentrale Frage ist: Sieht H&M es nur als falsch an, dass die hochsensiblen Daten durch ein internes Versehen an einen breiten Mitarbeiterkreis durchsickerten? Oder sieht man es auch als Fehler, dass das Unternehmen die Daten überhaupt erhob? Hier fällt die ausweichende Reaktion des schwedischen Konzerns auf – einschließlich seiner neuen Vorstandschefin. Wiederholt befragte der SVT-Reporter Helmersson danach.

          „Selbstverständlich sollen wir aber alle Regeln befolgen“

          „Das war wirklich unglücklich“, sagt sie nach der ersten entsprechenden Frage. „Im Moment führen wir einen Dialog mit den Behörden, die wir so schnell wie möglich informiert haben.“ Als der Journalist unterbricht und die Frage wiederholt, sagt Helmersson: „Besprechen Sie das bitte mit anderen. Ich kenne nicht alle Details.“

          Karl-Johan Persson und Helena Helmersson

          Auf die Frage, ob nach Helmerssons Meinung solche Personalakten mit Daten über Krankheiten, Menstruationszyklen und anderem angelegt werden sollten, sagt sie: „Ich finde es sehr schwierig, die Sache an sich zu diskutieren. Selbstverständlich sollen wir aber alle Regeln befolgen, damit die Kunden und unsere Angestellten das Gefühl haben, dass wir Daten sicher handhaben.“

          „Klima der Angst“ im Nürnberger Kundenzentrum

          Der schwedische Journalist hat nach eigenen Worten mit einer Dame gesprochen, die lange in der Hauptverwaltung gearbeitet habe. Ihre Akte habe 40 bis 50 Seiten umfasst und Daten enthalten wie Schwangerschaften oder Familienberatung. Helmersson wurde Ende Januar mit sofortiger Wirkung zur neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt. Ihr Vorgänger Karl-Johan Persson, der das Unternehmen zehn Jahre lang führte, wechselt in den Aufsichtsrat. Er ist der Enkel des H&M-Gründers.

          Eine Sprecherin der deutschen H&M-Gesellschaft geht weiterhin auf Bitten um ein Gespräch nicht ein, sie antwortet stets nur schriftlich. „Da sich der Vorfall nach wie vor in juristischer Prüfung befindet, bitten wir Sie um Verständnis, dass wir uns zum aktuellen Zeitpunkt nicht weiter äußern können“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme. Der Vorfall sei ein Einzelfall, man nehme ihn sehr ernst und bedaure, dass „Kolleg*innen“ betroffen seien. Direkte Fragen an Helmersson wurden abgelehnt.

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