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Spielwarenmesse : Das Smartphone im Kinderzimmer

Traditionsmoderne: Eisenbahn mit iSteuerung Bild: dapd

Spielwaren und Telefone mit Touchscreen stehen vor einer Symbiose: Erste Hersteller sehen mit sogenannten iToys ein neues Marktsegment entstehen. Noch sind die Händler aber skeptisch.

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          Man kann nie früh genug anfangen. Aus Sicht der Spielwarenhersteller gilt das besonders für den Umgang mit Smartphones und Tablet-Computern. Die Branche hat die flachen Geräte mit berührungsemfindlichem Bildschirm für sich entdeckt und bringt - in Anlehnung an Apple - Produkte mit vorangestelltem kleinen „i“ auf den Markt. „Das Thema iToys ist der Senkrechtstarter der Messe“, prognostiziert Idee+Spiel-Geschäftsführer Otto E. Umbach. Vor allem die Apple-Geräte hätten international eine bislang kaum vorstellbare Begehrlichkeit geweckt.

          Ein Smartphone für jeden Grundschüler?

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nachdem über Jahre Spielekonsolen-Hersteller wie Nintendo und Sony den Branchengrößen der Spielwarenwelt Umsatzanteile streitig machten, wollen viele Anbieter am Beginn der Smartphone-Welle nicht zurück bleiben. Der Barbie-Hersteller Mattel setzt bei besonders jungen Nutzern an und stellt einen Griffring vor, damit auch Kleinkinder sicher ein Smartphone fassen können. Fällt das Gerät dennoch herunter, federt der Ring den Aufprall ab. Die Mehrzahl der Hersteller widmet sich aber älteren Kindern. Doch Debatten, ab wann Kinder berührungsempfindliche Bildschirme nutzen sollten, führt auf der Messe kaum jemand. In der Branche gilt als ausgemacht, dass das Vordringen der Telefone und Flachcomputer in die Spielzimmer nicht aufzuhalten ist. „In einigen Jahren wird jeder Grundschüler ein Smartphone besitzen - und sei es das ausrangierte Gerät des Vaters“, sagt ein Händler.

          Aus Sicht der Hersteller wächst eine Generation heran, für die der Umgang mit iPhone und Ähnlichem früh selbstverständlich wird. „Kinder können oft noch nicht auf den Tisch gucken, aber schon eine App bedienen“, berichtet Marcel Dévény. Der Deutschlandchef des Herstellers Spin Master gesteht, er habe sich vor der Präsentation der eigenen Produkte schnell von zwei Jungen eine Nachhilfelektion geben lassen. Mit seinen Appmates - kleinen Modellfahrzeugen im Design der sprechenden Autos aus dem Disney-Film „Cars“ - geht Dévény auf Kundenfang. Die Mini-Wagen fahren Rennen auf dem Tablet, die Strecke mit Hindernissen erscheint auf dem Flachbildschirm.

          Die Fachleute sind unsicher

          Der Fachhandel bekomme durch die Verbindung von klassischen Spielwaren und Smartphones die Chance, Rückgänge aus dem Videobereich auszugleichen, sagt Spin-Master-Manager Dévény. Anders als herkömmliche Apps seien die neuen Anwendungen erst nutzbar, wenn im Geschäft ein handfestes Produkt gekauft werde. Konkurrenten setzen zusätzlich darauf, dass Kinder, die mit dem Smartphone spielen, nicht faul sitzen bleiben. So liefert Wow Wee ein Pappflugzeug, das mit einem Saugnapf unterhalb der Kameralinse am Telefon befestigt wird. Die kleine Maschine lässt sich im Gehen durchs Zimmer und in eine Phantasiewelt navigieren. Ravensburger reichert Puzzles virtuell an. Wer hunderte Teile zu einer Paris-Aufnahme zusammengefügt hat, bekommt nach dem Scannen des Motivs Panorama-Ansichten von Plätzen zu sehen, während französische Musik erklingt.

          Noch sind sich Fachleute unsicher, welche Chancen das Spielzeug-Smartphone-Bündnis der Branche beschert. Willy Fischel, Geschäftsführer des Spielwarenhandelsverbands BVS, sieht eine Gelegenheit, verloren geglaubte Kundengruppen wie Jugendliche zurückzuholen. „Die Produkte sind trendy, damit können wir unsere Zielgruppe ausweiten“, sagt er. Auch Achim Weniger, IT-Vorstand des Händlerverbunds Vedes, ist überzeugt: „Das wird Umsatzvolumen bringen.“ Weil die Spielzeuge meist nur niedrige zweistellige Euro-Beträge kosten, sei für ihn aber offen, wie margenrelevant die Produkte sind.

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