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Finanzpolitik in der Krise : Spiel mit der Inflation

Die Diskussion um Hilfspakete gegen die Krise geht in eine neue Phase - auch in Amerika. Bild: Reuters

Eine überdimensionierte Finanzpolitik kann, wenn die Leute nach der Pandemie wieder mehr Geld ausgeben, schnell zu höheren Teuerungsraten führen. Das gilt auch für Deutschland.

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          Die Debatte über die Gefahr höherer Inflationsraten nach der Überwindung der Pandemie hat über das Wochenende neue und eher unerwartete Nahrung erhalten. Denn zwei prominente Ökonomen, Larry Summers und Olivier Blanchard, haben sich kritisch gegenüber dem 1,9 Billionen Dollar schweren Hilfspaket des neuen amerikanischen Präsidenten Joe Biden geäußert, von denen öffentlicher Widerspruch vielleicht nicht zu erwarten war.

          Denn Summers und Blanchard stehen politisch eher den Demokraten als den Republikanern nahe, und beide Ökonomen haben in der Vergangenheit Sympathie für eine durch Staatsverschuldung finanzierte Politik zur Unterstützung des Wirtschaftswachstums geäußert. Summers hatte vor fast zehn Jahren das Szenario einer säkularen Stagnation popularisiert, in der expansive Finanzpolitik ein dauerhaftes Abgleiten in eine Welt niedrigen Wachstums und tiefer Zinsen verhindern soll. Blanchard hatte Aufmerksamkeit mit der These erhalten, ein unter der Wachstumsrate der Wirtschaft liegender Zins für Anleihen gestatte eine großzügigere Staatsverschuldung als bisher gedacht.

          Summers und Blanchard haben eine alte Weisheit verinnerlicht, die, wie die Reaktionen über das Wochenende zeigen, den zahlreichen Nachbetern, Nachtretern und verblendeten Ideologen unter den Ökonomen ihr Leben lang unverständlich bleibt: Man kann des Guten auch zu viel tun.

          So wie expansive Geld- und Finanzpolitik in einer sehr schweren Krise nottun, so ist es kontraproduktiv, als Staat in einen beginnenden Konjunkturaufschwung hinein finanzpolitisch aus allen Rohren feuern zu wollen. Diese Botschaft findet sich schon bei John Maynard Keynes, auf den sich viele Anhänger enthemmter Schuldenpolitik gerne, aber völlig zu Unrecht berufen.

          Eine überdimensionierte Finanzpolitik kann, wenn die Leute nach der Pandemie wieder mehr Geld ausgeben, schnell zu höheren Inflationsraten führen, als den Zentralbanken lieb sein dürfte. Diese Debatte muss mit Blick auf die Bundestagswahl auch in Deutschland geführt werden.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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