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Spekulationen über Staatshilfe : Ihre Größe wird die Deutsche Bank nicht schützen

Blick auf die Zukunft der Banken? Ein Modell des Diplodocus longus in der Eingangshalle der Commerzbank. Bild: Wonge Bergmann

Wie ernst steht es wirklich um die Deutsche Bank? Ein Rettungsplan geistert durch das Regierungsviertel. Und die Bundesbank kritisiert die Banken in ungewohnt harschen Worten.

          Kritik ist die Bankenbranche seit der großen Finanzkrise im Jahr 2008 gewohnt. Doch was Bundesbankvorstand Andreas Dombret über die europäischen Geldhäuser sagte, hatte es in sich. Die Banken erinnerten ihn in vielerlei Hinsicht an Dinosaurier. Die Rahmenbedingungen der Geldhäuser änderten sich aktuell ähnlich stark wie die Lebensbedingungen für Dinosaurier vor Jahrmillionen. In diesem Zusammenhang erinnerte er daran, dass Größe allein kein Wert an sich ist. „Weder ist die Größe einer einzelnen Bank ein Garant für ihr Überleben, noch kann die Größe des Sektors insgesamt vor Krisen schützen“, sagte Dombret. Außerdem forderte er, dass „die politische Stützung des Bankensektors endlich ein Ende haben muss“.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Wort von Dombret zählt, nicht umsonst fällt die Bankenaufsicht in sein Vorstandsressort. Inwiefern er damit auf der Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel liegt, ist aber schwer zu sagen. So äußerte sie sich zur Lage der Deutschen Bank im Ungefähren: Ihre Aussage, dass „die Deutsche Bank ein Teil des deutschen Banken- und Finanzsystems“ sei, kann alles und nichts heißen. Auch sonst ist die Deutsche Bank diese Woche eines der Topthemen im Regierungsviertel.

          Nachdem viel über mögliche Staatshilfe und diplomatische Hilfe im Streit mit dem amerikanischen Justizministerium geschrieben und gesagt wurde, sorgte am Mittwoch eine Meldung der „Zeit“ für Aufregung, wonach die Bundesregierung an einem Notfallplan für das größte deutsche Geldinstitut arbeite - was aber das Bundesfinanzministerium schnell dementierte. Wo Rauch ist, ist meistens aber auch Feuer. Und es wäre im Gegenteil auch verwunderlich, wenn die Beamten im Bundesfinanzministerium von Wolfgang Schäuble nicht an entsprechenden Notfallplänen arbeiten würden. Mutmaßlich wurde das aber schnell wieder dementiert, um das Geldinstitut, das keine einfachen Wochen hinter sich hat, in nicht noch größere Turbulenzen zu stürzen.

          Konkret gehe es in dem Notfallplan um den Fall, was passiert, falls das Institut zusätzliches Kapital benötige, um seine zahlreichen Rechtsstreitigkeiten beizulegen, und sich diese Mittel nicht selbst am Markt besorgen könne. Der Plan sehe unter anderem vor, dass die Deutsche Bank im Fall der Fälle Teile ihres Geschäfts an andere Finanzinstitute verkaufe. Im äußersten Notfall würde sich auch der Staat direkt an der Bank beteiligen.

          Eine Kapitalerhöhung wäre schmerzhaft

          Dass es so weit kommt, gilt aber als unwahrscheinlich. Der angesehene Bankenanalyst Kian Abouhossein von JP Morgan gab zuletzt zwar zu bedenken, dass eine Strafe die höher als 4 Milliarden Dollar ausfällt, die Deutsche Bank dazu zwingen würde, die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten zu erhöhen. Auf gut Deutsch: Eine Kapitalerhöhung wäre dann unvermeidlich, denn die Deutsche Bank hat lediglich 5,5 Milliarden Euro dafür zurückgestellt. Trotz der zahlreichen Herausforderungen, vor denen die Bank stehe, sei das Vertrauen der Marktteilnehmer aber ungebrochen, glaubt der Analyst.

          Der wesentliche Grund dafür sei, dass die Deutsche Bank dazu in der Lage sei, notfalls eine Kapitalerhöhung von 10 Milliarden Dollar zu stemmen - auch wenn dies für Aktionäre schmerzhaft sei. Schmerzhaft zum einen, weil die Bank unrentabel ist. Das Aufwand-Ertrag-Verhältnis, welches angibt, wie effizient eine Bank wirtschaftet, ist katastrophal. Es liegt dieses Jahr bei rund 90 Prozent. Je niedriger es ist, umso rentabler wirtschaftet die Bank. Bei den Banken der Eurozone, die international nur Mittelfeld sind, liegt dieser Schnitt zumindest bei 58,8 Prozent. Zugutehalten kann man der Deutschen Bank lediglich, dass der Wert im dritten Quartal 2015 mit 180 Prozent noch schlechter war.

          Zum anderen würde es weh tun, weil sie in den vergangenen Jahren schon eine Menge Kapital aufgenommen hat, welches dann aber fast augenblicklich wieder verbrannt wurde - seit 2010 schon mehr als 21 Milliarden Euro. Eine weitere Kapitalerhöhung in hohem Volumen könnte vor diesem Hintergrund zwar möglich sein, wenn der JP-Morgan-Analyst recht hat, ist aber eine echte Herausforderung: aktuell hat die Bank eine Marktkapitalisierung von weniger als 15 Milliarden Euro.

          Das Mantra wird gebetsmühlenartig wiederholt

          Trotzdem äußert sich Deutsche-Bank-Chef John Cryan in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung zuversichtlich. Das Mantra ist seit Montag das gleiche und wird gebetsmühlenartig wiederholt: dass eine Kapitalerhöhung nicht geplant sei, solange die regulatorischen Anforderungen erfüllt seien. Staatshilfe soll unter allen Umständen vermieden werden und man habe nie um diplomatische Hilfe bei der Bundeskanzlerin gebeten, wie diese Zeitung bereits am Dienstag berichtete.

          Die Deutsche Bank hat unterdessen ihre britische Lebensversicherungstochter Abbey Life für 1,1 Milliarden Euro veräußert. Der Preis liegt damit deutlich unter dem bisherigen Buchwert der Tochter und führt zu einem Vorsteuerverlust von 800 Millionen Euro. Das Geldhaus verbessert aber so seine Eigenkapitalquote um 0,1 Prozentpunkte. Der Verkauf ist schon längerfristig geplant und steht daher maximal indirekt im Zusammenhang mit der 14-Milliarden-Dollar-Forderung des amerikanischen Justizministeriums.

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