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„Spanisches Datenleck“ : In Europa weitet sich der Kreditkartenrückruf aus

  • Aktualisiert am

Auch in anderen europäischen Ländern tauschen Banken Kreditkarten aus Bild: ddp

Auch in Schweden und Finnland tauschen Banken Kreditkarten aus, ebenso gibt es Rückrufe in Österreich und der Tschechischen Republik. Derweil hat Visa noch keine Anzeichen dafür, dass tatsächlich Daten gestohlen wurden. Aus Furcht vor einem Missbrauch der Kreditkartendaten haben Banken mehr als 100.000 Karten eingezogen und durch neue ersetzt.

          Nach der großangelegten Rückrufaktion von Kreditkarten in Deutschland weitet sich der Umtausch nun auch auf andere europäische Länder wie Schweden und Österreich aus. Trotzdem verteidigt sich der Vorstand der Karstadt-Quelle-Bank, Theodor Knepper, gegen den Vorwurf, die Kreditkarte sei ein unsicheres Zahlungsmittel. In einem Gespräch mit der F.A.Z. sagte Knepper: „Die Kreditkarte ist und bleibt das sicherste Zahlungsmittel.“ Wenn es zu betrügerischen Abbuchungen kommen sollte, gingen diese zu Lasten der Banken. „Der Kunde ist geschützt.“ Das Risiko eines Betrugfalles sei bei keinem anderen Zahlungsmittel „so gering wie bei der Kreditkarte“.

          Die Karstadt-Quelle-Bank hatte in Deutschland nach eigenen Angaben als erste Bank über Unregelmäßigkeiten beim Karteneinsatz in Spanien informiert. Hintergrund war der Verdachts auf einen Datendiebstahl bei einem Kreditkartendienstleister in Spanien. In den vergangenen Wochen war es daraufhin zur bisher größten Kreditkartenumtauschaktion in Deutschland gekommen.

          In anderen Ländern weniger Kunden betroffen

          Seitdem hat das Vertrauen der Kunden in das Bezahlsystem mit dem Plastikgeld deutlich gelitten. Betroffen von dem Umtausch sind Kunden aller deutschen Banken mit Kreditkarten der Marken Visa und Mastercard. Aus Furcht vor einem Missbrauch der Kreditkartendaten haben Banken mehr als 100.000 Kreditkarten eingezogen und durch neue Karten ersetzt. In Deutschland gibt es rund 25 Millionen Kreditkarten.

          Mittlerweile weitet sich die Aktion auch auf andere europäische Länder aus: So tauschen Banken nicht nur in Schweden und Finnland die Karten aus, ebenso gibt es Rückrufe in Österreich und der Tschechischen Republik. Dabei sollen aber deutlich weniger Karten betroffen sein, als in Deutschland. So werden in Tschechien Tausende Karten ersetzt. Der Kartenanbieter Visa bestätigte den Austausch der Karten in Österreich, Schweden und Finnland. Nach Angaben des Zentralen Kreditausschuss (ZKA) – in dem die Verbände von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und privaten Banken vertreten sind – sei davon auszugehen, dass alle Länder, wo Kreditzahlungen über das spanische Unternehmen liefen, betroffen sind. In Deutschland gebe es wohl so viele Fälle, weil Spanien als Reiseland für Deutsche besonders beliebt sei.

          Visa hat keine Hinweise auf Datenklau

          Derweil hat Visa noch keine Anzeichen dafür, dass tatsächlich Daten gestohlen wurden. Visa-Deutschland-Chef Ottmar Bloching sagte in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, dass man nicht festgestellt habe, dass tatsächlich Systeme geknackt wurden.

          Keine Angaben wollte Visa darüber machen, ob das Unternehmen sich an den Kosten beteiligt, die nach dem Austausch der Kreditkarten entstanden sind. Zuvor hatten Banken eine finanzielle Beteiligung gefordert. „Der Kartenumtausch kostet allein die Sparkassen mehr als eine Million Euro“, sagte der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Bernd Fieseler, der „Welt am Sonntag“. Rund 200.000 Kreditkarten haben die Sparkassen mittlerweile ausgetauscht.

          Fieseler forderte die Kreditkartenfirmen nicht nur auf, sich an den Kosten zu beteiligen. Zudem übte er Kritik an der Informationspolitik der Kartengesellschaften – sie sei „nicht hilfreich“ gewesen. Unklar sei geblieben, wie hoch das wirkliche Missbrauchspotential sei und welche Daten in Spanien überhaupt abgegriffen wurden.

          Kreditkartenbetrug nimmt zu

          Visa-Deutschland-Chef Bloching argumentiert hingegen, dass bei einem spanischen Kartendienstleister keine Sicherheitsprobleme festgestellt worden seien. Daher liege es in der Verantwortung der Banken, die Karten auszutauschen, nachdem es Warnungen über mögliche Sicherheitsprobleme gegeben habe. „Die Bank trifft die Entscheidung“, sagte Bloching. Er vermutete, dass vor allem die Karten ausgetauscht wurden, die lediglich den Magnetstreifen haben. „Wenn ich eine Magnetstreifenkarte draußen habe, die ich ohnehin in den nächsten ein bis zwei Jahren austauschen muss, dann ist es natürlich manchmal auch ein willkommener Anlass zu sagen: komm, lass es uns gleich machen.“

          Nach Angaben von Visa hat sich die Zahl des Kreditkartenbetrugs in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich erhöht. „Wir sehen seit zwei Jahren eine signifikant gestiegene Betrugszahl“, sagte Bloching. So gebe es nicht nur im Internet immer mehr Fällen von Kreditkartenbetrug. Die Magnetstreifentechnik sei veraltet, so dass Daten relativ einfach kopiert und für Duplikate genutzt werden könne. Der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, forderte von den Banken die Einführung von Karten , die statt eines Magnetstreifens über einen Chip verfügen. Andere europäische Länder hätten dies längst eingeführt und die Automaten entsprechend ausgetauscht, sagte er der „Bild“-Zeitung.

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