https://www.faz.net/-gqe-71ayp

Spaniens Wirtschaftsminister de Guindos : „Wir nehmen uns an den Deutschen ein Beispiel“

  • Aktualisiert am

Luis de Guindos Bild: dpa

Spanien will mit harten Reformen sein Wachstumsmodell ändern, kündigt der Wirtschaftsminister im Interview mit der F.A.Z. an. Und verspricht: Alle Hilfen werden zurückgezahlt.

          5 Min.

          Herr Minister, das war eine dramatische Woche. Erst der Kredithilfepakt in Brüssel und nun noch ein hartes Sparprogramm in Madrid. Fühlt sich der spanische Patient schon etwas besser?

          Die spanische Wirtschaft braucht die Medizin, die Deutschland vor zehn Jahren nehmen musste. Wir brauchen eine Budgetanpassung. Wir müssen die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Wir müssen die wirtschaftlichen Ungleichgewichte beseitigen, die öffentlichen Haushalte und die Banken sanieren. Die deutschen Reformen auf dem Arbeitsmarkt und bei der Sozialversicherung, sowie die große Mäßigung bei den Löhnen sind Beispiele. Spanien macht das nun noch schneller und intensiver. Deutschland konnte sich damals auch auf die europäische Solidarität stützen. Man akzeptierte eine Modifikation des Stabilitätspaktes und die Europäische Zentralbank machte eine sehr zurückhaltende Zinspolitik. Die Maßnahmen, die wir ergreifen, sind hart. Wir nehmen uns hier an den Deutschen ein Beispiel.

          Ist es nicht korrekt zu sagen, dass Spanien jetzt der vierte Rettungsfall in der Eurozone ist?

          Der spanische Fall ist anders. Unser Problem ist, dass wir Hilfe für den Bankensektor erbitten mussten. Hier geht es nicht um eine generelle Unterstützung. Das ist nicht ein komplettes Programm wie in den früheren Fällen (Griechenland, Irland, Portugal). Wir müssen jetzt bei den Banken etwas unternehmen, weil man das nicht schon vor drei oder vier Jahren tat, so wie in anderen europäischen Ländern. Daher haben wir unsere Partner um einen Kredit von bis zu 100 Milliarden Euro gebeten.

          Also tatsächlich ein Unterschied?

          Ja. Sie müssen wissen, dass die spanische Wirtschaft wirklich wettbewerbsfähig ist. Spanien hat mit der Eurozone einen Handelsüberschuss. Spanien ist eines der wenigen Länder, das seine internationale Exportquote gehalten hat. Die Maßnahmen, die wir nun ergreifen, werden die Wettbewerbsfähigkeit noch erhöhen.

          Die erste Kreditrate von 30 Milliarden kommt noch in diesem Juli. Wie viel mehr Geld werden Sie brauchen?

          Die 30 Milliarden sind Ende des Monats disponibel. Der Prozess, der angewendet wird, ist ganz einfach. Wir machen jetzt eine Neubewertung der Aktiva der Banken, die noch detaillierter ist, als die Gutachten von Oliver Wyman und Roland Berger. Dann werden wir wissen, welches der genaue Kapitalbedarf ist. Viele Banken, vor allem die großen, werden gar nichts bekommen. Der Kernbedarf, praktisch 70 Prozent, wird sich auf die vier schon verstaatlichten konzentrieren, also Bankia und drei Sparkassen aus Katalonien, Valencia und Galicien. Wymans und Bergers negativste Schätzung war, dass man rund 60 Milliarden benötigen werde. Ich glaube, dass die Schlussziffer davon nicht viel abweichen wird. Die 100 Milliarden geben uns daher ein Sicherheitspolster.

          Klären Sie ein Detail: Spanien bekommt einen Kredit, muss aber nicht für mögliche Verluste haften. Der Kredit zählt auch nicht als Staatsschuld und das Risiko tragen die Länder der Eurozone gemeinsam. Ist das so richtig?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mick Mulvaney am Donnerstag bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte

          Ukraine-Affäre : Stabschef Mulvaney bringt Trump in Erklärungsnot

          Der geschäftsführende Stabschef des Weißen Hauses sagt vor der Presse etwas, das er später zurücknimmt: Die amerikanische Regierung habe 400 Millionen Dollar Militärhilfe für die Ukraine zurückgehalten. Damit liefert Mulvaney den Demokraten eine Steilvorlage.
          „Erdogans Krieg – wie machtlos ist Europa?“ war das Thema der Sendung von Maybrit Illner.

          TV-Kritik zu „Maybrit Illner“ : Die Härten der Realpolitik

          Der Einmarsch der Türkei in Syrien beherrscht die öffentliche und politische Debatte auch in Deutschland. „Wie machtlos ist Europa?“ fragte Maybrit Illner ihre Gäste und erhielt eine nüchterne Bestandsaufnahme der deutschen Außenpolitik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.