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Spanien erwägt Gründung einer Staatsgroßbank : Bankia braucht bis zu 23 Milliarden Euro Hilfe

  • -Aktualisiert am

Bankia benötigt weitere Staatshilfen Bild: dapd

Die Sanierung der Großbank Bankia soll den Staat mehr als 23 Milliarden Euro kosten. Spanien steht damit vor der größten staatlichen Rettungsaktion in der Geschichte des Landes.

          Die spanische Bankenkrise hat am Freitag neue Wendungen genommen. Zum einen wurde bekannt, dass die Regierung eine Zusammenlegung mehrerer der schon ganz oder zumindest zum Teil verstaatlichten Kreditinstitute um Bankia als Mittelpunkt erwägt. Auf diese Weise könnte eine Staatsgroßbank entstehen, die an Kundschaft und Kreditvolumen alle übrigen privaten Banken, darunter die Schwergewichte Santander, BBVA und Caixa Bank, übertreffen und allein 20 Prozent des gesamten Finanzsektors ausmachen würde. Zum anderen wurde damit gerechnet, dass Bankia, dessen Verwaltungsrat für den späten Nachmittag zur Entscheidung über einen neuen Sanierungsplan zusammengerufen wurde, noch einmal 15 bis 19 Milliarden Euro Staatshilfe beantragen würde. Außerdem fordert die Region Katalonien Finanzgarantien der Zentralregierung.

          Nachdem der Börsenkurs von Bankia am Donnerstag abermals abrupt um mehr als 7 Prozent gefallen war, wurde der Handel der Anteile auf ausdrücklichen Wunsch der Bank am Freitag ausgesetzt. Die Unklarheiten über den tatsächlichen Zustand des spanischen Finanzsektors hatten zusammen mit einer Salamitaktik bei der inländischen Informationspolitik und gesteigertem Misstrauen im Ausland so zugenommen, dass sich Wirtschaftsminister Luis de Guindos im Parlament sogar genötigt sah, eine Pauschalgarantie abzugeben. Er versicherte, dass der Staat „alle notwendigen Mittel“ für eine Rekapitalisierung des insbesondere unter „faulen“ Immobilienkrediten leidenden Gewerbes bereitstellen werde.

          Katalanien ruft nach Finanzierungshilfe

          Das wertete der neue Bankia-Präsident José Ignacio Goirigolzarri offenbar als Aufforderung, eine Maximalforderung zu stellen, um die Risiken seines Instituts zusammen mit den erhöhten Rückstellungsvorgaben der Regierung abzudecken. Bankia hat für seine „Bad Bank“, die Banco Financiero y de Ahorros (BFA), aus dem spanischen Stützungsfonds (Frob) schon rund 4,5 Milliarden Euro erhalten. Der zusätzliche Bedarf für die BFA wurde zuletzt mit 7 Milliarden angegeben. Wenn sich Goirigolzarri, der sich offenbar ein weiteres Kapitalpolster für Bankia sichern will, mit seinen Wünschen durchsetzt, könnte sich die Staatshilfe für die Gruppe auf rund 23 Milliarden Euro erhöhen. De Guindos hatte erst vor zwei Wochen versichert, dass der Hilfsbedarf des ganzen gebeutelten Finanzsektors „deutlich unter 15 Milliarden“ liege. Nun würde Bankia allein mehr als diese Summe beanspruchen.

          Insgesamt sank das Volumen deutscher Bankenforderungen im Verlauf des letzten Jahres von 130,2 auf 111,8 Milliarden Euro

          Bei dem Fusionsplan geht es wiederum um eine eventuelle Zusammenlegung von Bankia mit der katalanischen Catalunya Caixa, der galicischen Novagalicia Banco und der Banco de Valencia. De Guindos hat schon angedeutet, dass die drei letztgenannten verstaatlichten Institute gegenwärtig mangels attraktiver Nachfrage nicht privatisiert werden können. Mit einem Ruf nach Finanzierungshilfe der spanischen Zentralregierung hat die katalanische Regionalregierung am Freitag den politischen Druck auf Madrid erhöht und zugleich zu verstärkter Nervosität an den Finanzmärkten beigetragen. Nach einem Appell von Ministerpräsident Artur Mas, wonach die reichste und wirtschaftliche kräftigste der großen Regionen des Landes Unterstützung brauche, stieg der Risikoaufschlag für spanische Staatsanleihen wieder merklich auf fast 500 Basispunkte an. 

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