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Kampf gegen die Pandemie : Spahn: Der Ausbruch ist beherrschbar geworden

Jens Spahn äußert sich zuversichtlicher. Bild: Reuters

Nach den ersten verkündeten Lockerungen für kleine Geschäfte strebt die Bundesregierung an, auch die Krankenhäuser wieder mehr zu öffnen. Das Gesundheitssystem sei zu keiner Zeit überfordert gewesen.

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          Die Krankenhäuser in Deutschland könnten nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von Anfang Mai an schrittweise „in einen Regelbetrieb“ zurückkehren. Der CDU-Politiker machte in einer Pressekonferenz in Berlin deutlich, dass dabei „25, 30 Prozent“ der Intensivbeatmungsbetten für Corona-Patienten freigehalten werden sollten. Der Rest der Betten solle dann wieder für andere Erkrankungen zur Verfügung gestellt werden.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Es habe sich gezeigt, dass sechs von sieben Patienten mit Corona-Infektion ambulant behandelt werden konnten. „Die Krankenhäuser können sich auf die schweren Fälle konzentrieren“, sagte Spahn. Das Zusammenspiel zwischen ambulanter und stationärer Versorgung in Deutschland habe sich als hilfreich erwiesen. Gleichzeitig sei es gelungen, die Zahl der Intensivbetten in Richtung 40.000 auszubauen. Es sei aber nicht dauerhaft nötig, 10.000 ungenutzte Betten als Reserve vorzuhalten. „Das Gesundheitssystem war zu keiner Zeit überfordert“, sagte Spahn.

          Vor vier Wochen hätten Bund und Länder entschieden, schon terminierte Rücken- und Hüftoperationen zu verschieben, um Kapazitäten für Corona-infizierte Patienten freizuhalten. Damit sei Druck und eine psychische Belastung verbunden. „Wir müssen im Alltag zu einer neuen Normalität kommen“, sagte Spahn.  Jeder mit einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder einer Knieoperation brauche seine Behandlung. Für eine bessere Übersicht über die Krankenhaus-Kapazitäten helfe das Register über Intensivbetten, in das Kliniken seit diesem Donnerstag verpflichtend ihre Daten zuliefern müssen.

          In Deutschland seien inzwischen mehr als 1,7 Millionen Corona-Tests durchgeführt worden, die wöchentliche Kapazität in den Laboren sei auf 700.000 gestiegen. „Insofern verstehe ich manche Kritik an den Tests, die ich in den vergangenen Tagen gelesen habe, auch nur bedingt.“ Spahn verwies darauf, dass es Mitte März eine sehr starke Dynamik bei der Zahl der Coronavirus-Infektionen gab. „Wir haben uns für eine Vollbremsung entschieden“, sagte er. Durch die Maßnahmen seither sei es gelungen, die Verbreitung in den Griff zu bekommen. Ein exponentielles Wachstum sei auf ein lineares Wachstum zurückgeführt worden.

          Der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler sagte, „dass wir ein wirklich gutes Zwischenergebnis erreicht haben“. Ziel der gesundheitspolitischen Anstrengungen sei es, die Reproduktionszahl des Virus unter 1 zu halten, also dass ein Infizierter durchschnittlich weniger als eine andere Person anstecke. Im März, bevor die Ausgangsbeschränkungen verfügt wurden, lag diese Ziffer noch zwischen 3 und 4 und führte zu dem exponentiellen Anstieg der Infektionszahl. Auf die Frage, auf welche Zahl die Öffentlichkeit schauen sollte, um den Erfolg im Kampf gegen das Virus zu messen, sagte Spahn: „Es gibt nicht die eine Zahl, die Aussagekraft darüber hat, wo wir stehen.“

          Klaus Cichutek, der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, stellte in Aussicht, dass bald in Deutschland eine erste klinische Prüfung eines Wirkstoffs gegen das Coronavirus anlaufen werde. Auf der ganzen Welt gebe es derzeit 50 bis 60 Impfstoffprojekte, vier seien in klinischen Prüfungen: in Amerika, in Großbritannien und in China. „Nicht die Zulassung dauert so lange, sondern die Entwicklung“, betonte er. Sie müssten verträglich und sicher sein.

          Spahn erinnerte daran, dass die Kurzarbeit etwa in der Autoindustrie keine Folge politischer Entscheidungen war, sondern eine Folge der Nachfrageschwäche überall auf der Welt. „Diesen Unterschied müssen wir in der Debatte machen“, sagte er. Deutschland habe aber mit der Hilfe von Industriekonzernen mit etablierten Beziehungen nach Asien in dieser Woche 80 Millionen Schutzmasken für Kliniken eingeführt. Diese Schutzausrüstungen seien für Mitarbeiter in Kliniken unverzichtbar. Eine Übersicht, wie viele Masken in Privathaushalten verbreitet seien, gebe es naturgemäß nicht.

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