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Sozialstaat : Wettbewerb braucht Sicherheit

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Ausgezeichneter Querkopf: Joseph Stiglitz (l) Bild:

Sind Sozialstaaten wettbewerbsfähig? Ja, sagt der bekannte Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

          Hohe soziale Sicherheit und gleichzeitig hohe Wettbewerbsfähigkeit - kann das gutgehen? Ja, erklärte der bekannte Ökonom Joseph Stiglitz auf einer Konferenz zum Thema „Wettbewerb und Wettbewerbsfähigkeit in der New Economy“ in Wien.

          Der Wirtschafts-Nobelpreisträger begründete dies folgendermaßen: Staaten, die ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen wollen, müssen Unternehmern auch für den Fall des Scheiterns gewisse Sicherheiten anbieten. Denn große Konkurrenz bedeute ein hohes Risiko für den einzelnen Unternehmer. Intensiver Wettbewerb bedingt daher eine hohe Anzahl an Pleiten. In den USA stellt ein flexibler Arbeitsmarkt und die niedrige Arbeitslosigkeit sicher, dass erfolglose Unternehmer wieder Beschäftigung finden. Das sei Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.

          Musterschüler Schweden

          Diese soziale Gerechtigkeit, die Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes sei, könne jedoch auch anders erreicht werden: „Das erfolgreichste Land der New Economy waren nicht die USA, sondern Schweden. Seine aktive Arbeitsmarktpolitik erleichtert den Jobwechsel und sorgt für niedrige Arbeitslosigkeit“, sagte Stiglitz. Schweden verfüge heute nicht nur über eine Menge neuer Firmen, sondern besitze ein breites Angebot neuer Technologien.

          Mehr Vorschriften für die New Economy

          Auch andere Vorstellungen des früheren Weltbank-Chefvolkswirtes werden eingefleischten Neoliberalen wenig genehm sein. Denn obwohl Stiglitz in seinem Vortrag vehement für mehr Wettbewerb im staatlichen Bereich eintrat, sprach er sich für stärkere Regulierung im Bereich der New Economy aus. Der Grund dafür: Viele Software- und Telekommunikationsprodukte werden um so wertvoller, je mehr Menschen auf sie zurückgreifen. Davon kann sich jeder Microsoft Windows Benutzer täglich überzeugen. Solche Standards bieten jedoch starke Anreize, den Wettbewerb zu unterdrücken, also monopolistisch zu agieren. Dieses Verhalten dürfte Windows-Usern ebenfalls bekannt sein.

          Eine Regulierung durch unabhängige Behörden ermöglicht nach Ansicht des Nobelpreisträgers mehr Wettbewerb und somit mehr Innovationen. Dabei wandte sich Stiglitz gegen das Konzept einer weltweiten Wettbewerbsbehörde - denn Zentralismus widerspreche dem Prinzip der Marktwirtschaft. Konkurrenz zwischen nationalen und internationalen Wettbewerbsbehörden würde seiner Ansicht nach zu einem „Wettlauf um die Spitze“ führen.

          Globalisierung durch kleine Unternehmen

          In seinem Vortrag bezeichnete Stiglitz eine weitere populäre Annahme als „schlichtweg falsch“: Und zwar die Argumentation, dass Globalisierung nur für große Firmen möglich ist. Entscheidend sei laut Stiglitz nicht die Kosteneinsparung bei der Produktion, die aufgrund der Größe erzielt werde, sondern die Innovationen, die das Unternehmen biete.

          Politische Umsetzung schwierig

          Dem mehrfach ausgezeichneten Wissenschaftler war aus eigener Erfahrung durchaus bewusst, wie schwer die Vorstellungen der Ökonomen in die politische Praxis umzusetzen sind. Als Berater des Weißen Hauses habe es unter Politikern Übereinstimmung zu folgenden Prinzipien geherrscht, erzählte Stiglitz: „Keine Subventionen - außer für uns selbst. Wettbewerb ist wichtig - außer im eigenen Bereich. Und transparente Informationen sind notwendig - außer bei den eigenen Entscheidungen.“

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