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Sozialpsychologin Alice Eagly : „Die Zeit arbeitet für die Frauen“

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Frauenpower ohne Powerfrauen:Alice Eagly ist noch nicht zufrieden

Frauenpower ohne Powerfrauen:Alice Eagly ist noch nicht zufrieden Bild: privat

In Amerika sind bereits 24 Prozent der Spitzenpositionen in weiblicher Hand. Dennoch kein Grund für die Sozialpsychologin Alice Eagly, vollends mit der Entwicklung der Arbeitswelt zufrieden zu sein, wie sie im Gespräch betont.

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          Professor Eagly, die Berufswelt wird immer weiblicher. Haben die Männer ihre besten Zeiten hinter sich?

          Bestimmte Zahlen legen das jedenfalls für Amerika nahe. Die besser bezahlten Jobs im mittleren Management, in der Verwaltung, in der Dienstleistungsindustrie sind inzwischen zu 51 Prozent mit Frauen besetzt. Auch 24 Prozent aller Spitzenpositionen sind in weiblicher Hand. Und rund ein Viertel der Präsidenten amerikanischer Universitäten sind Frauen. Das ist wirklich eine neue Entwicklung.

          Dazu kommt der höhere Bildungsgrad der jüngeren Frauen. Es sieht richtig gut aus für uns.

          Die Zeit arbeitet zweifelsohne für die Frauen, nicht nur aufgrund ihrer besseren akademischen Abschlüsse. Auch die Arbeitskultur hat sich verändert, was den Frauen mit ihren etwas anderen Präferenzen entgegenkommt. Hierarchien werden flacher, der Teamgeist hat eine höhere Bedeutung. Die Arbeitsorganisation verändert sich, weil man festgestellt hat, dass frühere sehr maskuline Führungs- und Organisationsformen nicht mehr so effizient sind. Sagen wir es also so: Die Arbeitsplätze lassen heute mehr Raum für Frauen.

          Und die Frauen bauen an dieser neuen Welt kräftig mit?

          Sicher. Je mehr Frauen arbeiten, desto mehr werden sie ihrerseits zu Veränderungen beitragen. Wichtiger aber ist, dass sich Wirtschaftsstrukturen verändern. Wir befinden uns am Ende des Industriezeitalters, in dem Männer schon deshalb eine so bedeutende Rolle spielten, weil sie physisch einfach stärker waren. Heute gibt es das auch noch, doch handelt es sich dabei um Jobs für einfache Arbeiter. Straßen und Hochhäuser müssen eben gebaut werden.

          In den Mittelklasse-Berufen spielt Muskelkraft keine Rolle mehr.

          Richtig, hier zählt Köpfchen: Brainpower. Das kommt den Frauen zugute. Außerdem wächst der Dienstleistungssektor, wo viele Frauen arbeiten. Im Gesundheitswesen, in den großen Kanzleien, auch in Unternehmen im Rechnungswesen und Personalmanagement – überall sind sie präsent. Deshalb bilden sie heute in den Vereinigten Staaten die Mehrheit dieser Erwerbstätigen.

          Ich fange an, mir um die Männer Sorgen zu machen.

          Müssen Sie nicht. Die schlagen sich immer noch ziemlich gut, obwohl sie gerade jetzt in der Wirtschaftskrise schwer zu kämpfen haben. Den Anstieg der Arbeitslosigkeit haben hier deutlich mehr Männer als Frauen zu spüren bekommen. Das liegt daran, dass Männer vielfach in Branchen arbeiten, die von der Krise besonders hart getroffen wurden, in der Bau- und Automobilindustrie zum Beispiel. Bei etwa einem Drittel der amerikanischen Familien ist inzwischen die Frau in der Rolle des Haupternährers. Das sind enorme gesellschaftliche Veränderungen.

          Die männliche Dominanz in der Arbeitswelt steuert also ihrem Ende entgegen.

          Sie hat zumindest deutlich abgenommen. Ich würde aber nicht sagen, dass sie heute schon Vergangenheit ist. Nur zweieinhalb Prozent der Chefs der 500 größten amerikanischen Unternehmen sind Frauen. Das ist die andere Seite. Ich sage ja, die Männer schlagen sich noch immer sehr gut.

          Sind Unternehmen effizienter, wenn Frauen Entscheidungen treffen oder daran beteiligt sind?

          Das kann man in der Tat statistisch zeigen. Und das wissen auch die Männer. Allerdings ist nicht ganz klar, ob die Unternehmen mit einem hohen Anteil an weiblichen Führungskräften gerade deshalb erfolgreicher sind. Oder ob es vor allem die apriori erfolgreichen Unternehmen sind, die über genügend Ressourcen verfügen, um viele Frauen zu rekrutieren. Wie auch immer: Auch hier arbeitet die Zeit für die Frauen. Sie denken tendenziell anders, und das braucht die Wirtschaft. Die postindustrielle Arbeitswelt scheint wie für Frauen gemacht.

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