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Neue F.A.Z.-Serie : Soziale Marktwirtschaft in der Zange

Für westliche Länder wie Deutschland und das Modell der Sozialen Marktwirtschaft ist außerdem eher beruhigend, dass China nicht in erster Linie mit den dirigistischen Elementen des Staatskapitalismus Erfolg hat, sondern mit den in der Sozialen Marktwirtschaft längst etablierten. Ifo-Chef Fuest sagt mit Blick auf verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen: „Innovationen entstehen in China vorwiegend im Privatsektor, nicht in den Staatsunternehmen.“ Das Land hat außerdem erkannt, dass es innerhalb seiner Grenzen mehr Wettbewerb ermöglichen sollte und die Monopole großer Staatskonzerne für die Entwicklung langfristig hinderlich sind, was die Gründerväter der Sozialen Marktwirtschaft schon kurz nach dem Krieg für elementar hielten. „Der Erfolg entsteht eben doch, wo weitere Spielräume geöffnet werden; das gilt auch für den Bildungsbereich und die Grundlagenforschung, wo kräftig investiert wird“, schlussfolgert Fuest.

Richtig umgehen mit China

Das alles heißt aber nicht, dass Deutschland einfach so weitermachen kann wie bisher, wenn es im Wettbewerb bestehen will. Im Umgang mit China raten die Forscher unter anderem dazu, darauf zu achten, dass auch die Volksrepublik abhängig von der deutschen Volkswirtschaft bleibt, indem die Verknüpfung ausgebaut wird, Unternehmen mit elementaren Technologien aber nicht an Peking verkauft werden. Ökonom Wrobel hält es darüber hinaus für sinnvoll, sich auf internationaler Ebene noch stärker mit gleichgesinnten Ländern zu verbünden und auf die stärkere Öffnung Chinas zu pochen. „Es kann nicht sein, dass dieses mächtige Land bei der Welthandelsorganisation noch immer als Entwicklungsland geführt wird und deshalb Privilegien genießt, die zu einem unfairen Wettbewerb führen“, sagt er.

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Und nicht zuletzt kommt es darauf an, dass sich Deutschland selbst weiterentwickelt. Der Wandel zu einer „sozial-ökologischen“ Marktwirtschaft hat längst begonnen. Wird er mit Technologieoffenheit und starker Grundlagenforschung vorangetrieben, könnte er Deutschlands Exportwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten goldene Zeiten ermöglichen. Für die kommenden zehn Jahre wird prognostiziert, dass der globale Milliardenmarkt für Umwelttechnik jährlich im Schnitt um 7 Prozent wächst. Damit Deutschland davon profitiert, dürfen Fehler der Energiewende nicht wiederholt und technologische Vorsprünge wie in der Solarindustrie nicht leichtfertig hergegeben werden.

Ifo-Präsident Fuest sieht zudem massiven Nachholbedarf darin, Deutschland in der Digitalisierung voranzubringen, was die Probleme während der Corona-Pandemie aufs Neue vor Augen geführt hätten. Daten müssten in Europa besser genutzt und geteilt, den amerikanischen Großkonzernen mehr entgegengehalten werden. Gegen die Marktmacht der Digitalkonzerne müsse man zudem mit neuen Rezepten in der Wettbewerbspolitik vorgehen. „Soziale Marktwirtschaft ,old style‘ können wir“, sagt Fuest, „jetzt müssen wir beweisen, dass wir auch Soziale Marktwirtschaft ,new style‘ können.“

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