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Sozial und rentabel (5) : Der gute Schuh

Für fair produzierte Turnschuhe muss der Kunde mehr bezahlen Bild: ddp

Nicht nur die Kunden, auch immer mehr Hersteller legen Wert darauf, dass ihre Produkte unter fairen Bedingungen hergestellt werden. Adidas und Puma haben bereits Kontrollsysteme für ihre Zulieferer, die Turnschuhe werden dadurch teurer.

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          Als die Gazelle 1971 aus Franken aufbrach, um die Sport- und Modewelt zu erobern, war ihr Lebenslauf noch überschaubar. Ihre charakteristischen drei Streifen bekam sie in Herzogenaurach aufgenäht, um dann in Europa getragen zu werden. Ihr Käufer war zufrieden, wenn Preis und Design stimmten. Das Vorleben der Gazelle interessierte ihn nicht.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Drei Streifen zieren das Adidas-Kultmodell „Gazelle“ noch immer. Ansonsten ist jedoch nichts mehr so, wie es 1971 noch war. Die Gummisohle wird anderswo produziert als die textile Oberfläche, und zu einem Teil gefügt werden sie an einem dritten Ort in Asien, von wo aus sie dann in alle Welt verschickt werden. Auch die Interessen des Konsumenten haben sich verändert.

          Unter welchen Bedingungen wird produziert

          Aufgeschreckt und sensibilisiert durch Kampagnen, die auf die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben der Textilindustrie- und Sportartikelhersteller hinweisen, will er wissen, woher Gazelle, Samba und Roma stammen und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Für sein Geld verlangt er nicht mehr nur Qualität und gutes Aussehen, sondern auch ein reines Gewissen.

          Seitdem es 1989 in den Niederlanden zu Konsumentenprotesten gegen die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben von C&A kam und die „Kampagne für saubere Kleidung“ gegründet wurde, spielt der Aspekt der Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle bei der Kaufentscheidung des Konsumenten. Der riesige Erfolg des T-Shirt-Herstellers „American Apparel“ liegt vor allem in der antiglobalen Ausrichtung des Unternehmens. „Made in Downtown L.A.“ (und eben nicht in Bangladesch oder Indonesien) lautet der Werbeslogan, der für die „ethisch korrekte“ Herstellung der Mode steht.

          Kampagne für saubere Kleidung

          „Der Druck der Öffentlichkeit hat Wirkung gezeigt“, sagt Stefanie Hiß vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. „Unternehmen, die an der Börse notiert sind, haben erkannt, dass Kampagnen auch negative Auswirkungen auf den Börsenwert haben können.“ Als die Diskussion um Produktionsbedingungen in den Entwicklungsländern aufgekommen sei, habe es sich bei den Zugeständnissen der Unternehmen zunächst um reine Lippenbekenntnisse gehandelt. „Mittlerweile haben die Unternehmen jedoch eingesehen, dass sie auch Verantwortung für die Zustände in ihren Zulieferbetrieben tragen“, ist Hiß überzeugt.

          Maik Pflaum von der Kampagne für saubere Kleidung hat beobachtet, dass sich die Textil- und Sportartikelhersteller mittlerweile für ihre Zulieferer verantwortlich fühlten. Als sie erstmals mit Vorwürfen wie Kinderarbeit oder Umweltverschmutzung konfrontiert wurden, hätten Unternehmen wie Adidas oder C&A zunächst argumentiert, weder Einfluss noch Verantwortung zu haben, da es sich bei ihren Zulieferern um Privatunternehmer handle. „Das ist Aufgabe des Staates“, habe er immer wieder gesagt bekommen. „Diese Einstellung ist jetzt passé“, sagt Pflaum.

          Etablierung eines zweistufigen Kontrollsystems

          Aufgrund des öffentlichen Drucks wurden Richtlinien verabschiedet, in denen globale Unternehmen festlegen, was sie von ihren Zulieferern erwarten. Diese Verhaltenscodices basieren zumeist auf den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation. Sie standardisieren den Arbeiterschutz, setzen Minimallöhne fest, verurteilen Diskriminierung und Kinderarbeit.

          Um diese Richtlinien zu überprüfen, haben viele Unternehmen ein zweistufiges Kontrollsystem etabliert. Oft gibt es interne Überprüfungen der Zulieferer durch Mitarbeiter des Auftraggebers sowie externe Kontrollen, die zumeist von einer unabhängigen Nichtregierungsorganisation durchgeführt werden, mit der der Auftraggeber zusammenarbeitet.

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