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Geldmuseum : Bundesbank öffnet Tür zum Goldschatz – einen Spalt breit

Die Goldbestände der Bundesbank stammen aus dieser Bretton-Woods-Zeit. Damals, seit den frühen fünfziger Jahren, häufte die Bundesrepublik ihre Gold-Bestände von mehreren tausend Tonnen an, weil die Exportüberschüsse mit Goldübertragungen der Notenbanken beglichen wurden. Bis zum Ende des Kalten Krieges lagerten die Barren fast vollständig in den Tresoren der westlichen Alliierten – weil in New York und London die bedeutenden Goldhandelsplätze waren und weil die Lagerung dort als sicherer galt. Nach 1990 fiel dieser Grund aber weg.

Wo das Gold aufbewahrt wird, ist ein großes Geheimnis

Nach der Jahrtausendwende wurden erstmals größere Mengen Gold nach Deutschland geholt, ein paar Hundert Tonnen. Doch die Zweifler ließen sich damit nicht beruhigen. Der Vermögensverwalter und Publizist Peter Boehringer, heute AfD-Politiker und Vorsitzender des Haushaltsausschusses, gründete eine Bürgerinitiative mit dem Namen „Holt unser Gold heim“ – und durch gezielte Kampagnen wurde der Bundesbank-Vorstand waschkörbeweise mit Protestbriefen überschüttet. 2012 beschloss der Bundesbank-Vorstand unter dem öffentlichen Druck gut die Hälfte des Goldes nach Deutschland zu verlagern.

Irgendwo auf dem Gelände der Bundesbank im Frankfurter Stadtteil Bockenheim in einem großen unterirdischen Tresorraum liegt es nun. Wo genau, wird aus Sicherheitsgründen nicht verraten. In einem Bildband zur Ausstellung sieht man ein Foto vom damaligen Kanzler Helmut Kohl, der in den neunziger Jahren die glänzenden Barren in den Regalen befühlen durfte.

Das Bundesbank-Gold macht immerhin 1,8 Prozent des Welt-Goldbestandes aus. In Frankfurt lagern knapp 1 Prozent der Welt-Goldbestände, hebt Thiele hervor. Obwohl seit drei Jahrtausenden nach Gold gesucht wird, ist die Menge immer noch überschaubar. Das gesamte bislang geförderte Gold der Erde passt in einen Würfel von 21,3 Meter Kantenlänge und hat ein Gewicht von 187.200 Tonnen. Knapp die Hälfte des Edelmetalls ist zu Schmuck verarbeitet worden. Das „Gold der Deutschen“ im Bundesbank-Besitz würde in eine kleine Garage passen. Dicht gestapelt entspräche es einem Würfel von etwa 5,6 Meter Kantenlänge.

Gold ist eben ein unglaublich dichtes, schweres Material. Ein einziger Barren, den Besucher im Geldmuseum in einer Vitrine anfassen und hochheben dürfen, wiegt 12,5 Kilogramm, obwohl er noch nicht mal so groß wie eine Milchtüte ist.

In Deutschland wird kaum Gold in der Natur gefunden. Die Ausstellung informiert über die wichtigsten Fördergebiete in Europa seit der Antike, später kam viel Gold aus Mittel- und Südamerika. Im 19. Jahrhundert lösten Funde in Kalifornien einen Goldrausch aus, auch in Südafrika wurden große Mengen aus der Erde geholt. Der größte Goldproduzent ist heute übrigens China, mit etwas mehr als 450 Tonnen im Jahr, gefolgt von Australien, Russland, den Vereinigten Staaten, Kanada und Peru, während Südafrikas Förderung deutlich abnimmt.

Welche geldpolitische Bedeutung das Gold noch hat, ist umstritten. Die Bundesbank hebt hervor, dass es der Vertrauensbildung dient. Das Gold ist Teil der Währungsreserven. Die Euro-Scheine sind aber nicht in Gold umtauschbar.

Die Ausstellung läuft vom 11. April bis 3. September, geöffnet Montag bis Freitag und Sonntag, jeweils 9-17 Uhr. Geldmuseum der Bundesbank, Wilhelm-Epstein-Straße 14, Frankfurt.

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