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Sommerurlaub : Was ist in den Ferien möglich?

Auf Abstand: Sonnenschirme an einem Strand südlich von Athen Bild: dpa

Für zunächst 29 Länder endet die deutsche Reisewarnung. Doch beginnt sofort der Reisebetrieb? Und welche Rechte haben Urlauber? Hier kommen Antworten auf die wichtigsten Fragen.

          3 Min.

          Für zunächst 29 Länder soll die Reisewarnung zum 14. Juni auslaufen. Beginnt am 15. Juni das große Reisen?

          Der Urlaubsbetrieb wird stufenweise anlaufen. Aufgehoben werden soll die Reisewarnung für die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union, Großbritannien sowie vier Staaten des Schengenraums, die nicht EU-Mitglied sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein. Mit dem Ende der universellen Warnung ist zunächst in Deutschland eine Hürde aufgeräumt, die Reiseveranstaltern das Anbieten von Urlaubsurlauben faktisch unmöglich machte. Nun müssen auch Zielländer Gäste willkommen heißen, vor allem müssen Hotels vor Ort öffnen und Flüge dorthin starten.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das wird nicht unmittelbar am 15. Juni in vollem Umfang passieren. Wer direkt am Beginn der Sommerferienzeit gebucht hat, muss weiterhin bangen. Ferienhausurlaube beispielsweise in Kroatien und den Niederlanden sind schon möglich, auch Italien hat seine Grenzen für Touristen geöffnet. Nach Griechenland sind vom 15. Juni an Urlaubsreisen nach Athen und Thessaloniki möglich, der Verkehr zu den Inseln dürfte zwei Wochen später anlaufen.

          Was ist mit Urlaub in Spanien?

          Spanien ist das beliebteste Flugreiseziel der Deutschen, die Reisewarnung fällt aber nach aktuellem Stand noch nicht zum 14. Juni. Die Regierung in Madrid hat zuletzt Einreisesperren verlängert, wer aus dem Ausland ankommt, müsste sich zunächst in Quarantäne begeben. Außenminister Heiko Maas sagte am Mittwoch aber, dass er eine Aufhebung der Beschränkungen zum 21. Juni erwarte. Reisekonzerne stellen sich ohnehin darauf ein, dass zuerst Urlaube auf den Balearen mit Mallorca und den Kanarischen Inseln stattfinden können.

          Ab wann finden Pauschalreisen wieder statt?

          Das Geschäft der Reiseveranstalter läuft schrittweise wieder an. Vorgaben von Behörden an Reisezielen, Vorbereitungen von Hotels und Fluggesellschaften spielen eine Rolle dabei. So haben Alltours und Schauinsland-Reisen noch alle Buchungen bis zum 25. beziehungsweise 26. Juni abgesagt. Bei FTI gelten Absagen für mehrere Länder bis zu unterschiedlichen Daten in der letzten Juni-Woche. Bei TUI steht für Juni noch Bulgarien auf der Streichliste. Alle Anbieter werden in den nächsten Tagen ihre Angaben konkretisieren. Für Juli stehen die Chancen für gebuchte Urlaube aber sehr gut.

          Ist nun ein ganz gewöhnlicher Urlaub möglich?

          Die Sonne wird am Mittelmeer wohl wie in jedem Jahr scheinen. Aber Abstand zu halten, gilt nicht nur daheim, sondern auch im Urlaub. In Hotels wird es Änderungen geben. Das beginnt schon mit dem Essen. Üppige Selbstbedienungs-Büffets werden Urlauber mitunter vergeblich suchen. Bedienungen bringen dann Teller an die Tische, von denen weniger gleichzeitig verfügbar sind. Die Verpflegung aller Gäste wird sich dann in Etappen über eine längere Zeit erstrecken. Entertainment-Shows in großen Ressorts oder die Disko-Zeit am Abend wird es auch eher nicht in gewohnter Weise geben. Das Angebot für Gruppensport oder Wellness dürfte eingeschränkt sein.

          Kann Geld zurück verlangt werden, wenn das Hotel weniger bietet?

          Urlauber können grundsätzlich für Reisemängel Teilrückzahlungen verlangen. Hat ein Reiseveranstalter aber schon bei der Buchung auf mögliche Einschränkungen hingewiesen, kann der Urlauber vor Ort nicht mehr behaupten, davon überrascht zu sein. Dass Gäste sich weniger wohl fühlen, weil Hotelpersonal mit Mundschutz umher eilt, ist kein Reisemangel – und auch nicht, wenn die Zahl der gleichzeitigen Restaurantbesucher oder Pool-Benutzer begrenzt wird.

          Fallen Gruppenanimationen oder die Disko wegen Schutzauflagen aus, werden Gäste auch das als allgemeines Risiko hinnehmen müssen. Wird die Disko ins Freie verlegt und bringt Gäste weit nach Mitternacht um den Schlaf, könnte der Lärm ein Mangel sein. Gewöhnlich können auch ein komplett geschlossener Spa-Bereich oder weniger geöffnete Restaurants in einem Großressort zu Preisreduktionen von bis zu 20 Prozent berechtigen. Allerdings dürfte auch gelten, dass Urlauber in Corona-Zeiten mehr Unannehmlichkeiten hinnehmen müssen als sonst.

          Was gilt, wenn Sehenswürdigkeiten nur eingeschränkt besucht werden können?

          Wenn die historische Kirche in der Altstadt kaum oder gar nicht öffnet oder das Spaßbad weniger Gäste auf die Wasserrutsche lässt, dürfen Urlauber nicht kostenfrei ihre Reise stornieren. Bei einer Pauschalreise haben sie Flug, Transfer und Unterkunft gebucht. Was sie privat vor Ort unternehmen, ist nicht Teil dieser Buchung – ein geschlossenes Museum ist somit kein Grund, das Hotelzimmer nicht zu beziehen. Anders ist es nur, wenn eine Besichtigung  ausdrücklich zum vereinbarten Reiseprogramm zählt. Die Kurzpauschalreise mit Musical-Besuch hätte ihr zentrales Element verloren, wenn das Musical gar nicht aufgeführt wird.

          Darf noch storniert werden, wenn die Reise nun doch stattfindet?

          Angst vor einer möglichen Infektion oder allgemeine Sorgen wegen eventueller Einschränkungen rechtfertigen keine kostenfreie Stornierung. Mit dem Ende der Reisewarnung des Auswärtigen Amts und der Wiederaufnahme des Reisebetriebs gilt zu Stornierungen wieder, was die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter vorschreiben. Die räumen einem Kunden ein, jederzeit den Reisevertrag zu kündigen – bloß kostenfrei ist das nicht. Stornogebühren fallen umso höher aus, je näher der Reisebeginn rückt.

          Allerdings haben zahlreiche Reiseveranstalter Kulanzregeln. Wer ohne Gebühr umbuchen oder absagen darf, ist von Anbieter zu Anbieter verschieden. So gestattet TUI für viele Reisen, die bis zum 31. August beginnen sollen, eine kostenfreie Umbuchung. Kunden, die nach dem 14. Mai gebucht haben, können bis 14 Tage vor Reisebeginn auch entscheiden, nicht aufzubrechen und Geld zurückzuverlangen.

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