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Solarunternehmen Schott : Der Herr der Sonne

Der Vorstandsvorsitzende der Schott AG, Udo Ungeheuer (links) mit Kurt Beck (SPD) Bild: ddp

Udo Ungeheuer hat im Schott-Konzern stets auf die Solarenergie gesetzt. Nun steht der Börsengang bevor. Klappt alles, kommt Schott Solar von Mitte September an auf einen Börsenwert von 1,5 Milliarden Euro und dürfte bereits im Dezember in den Tec-Dax aufsteigen.

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          Wer nichts wagt, der darf nichts hoffen. Dieses Schiller-Zitat gefällt Udo Ungeheuer, Vorstandsvorsitzendem der Mainzer Schott AG, besonders gut. Er hat einiges gewagt, musste lange hoffen und darf sich nun bestätigt fühlen. Am Montag konnte der 57 Jahre alte Konzernlenker auf einer Pressekonferenz die Börsenpläne für Schott Solar erläutern. Klappt alles, kommt Schott Solar von Mitte September an auf einen Börsenwert von 1,5 Milliarden Euro und dürfte bereits im Dezember in den Tec-Dax aufsteigen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Als Ungeheuer 1994 von BMW zu Schott kam, spielte das Geschäftsfeld Solar noch keine Rolle. Und ohne Ungeheuer hätte es das womöglich auch nie gespielt. Der promovierte Maschinenbauingenieur entwickelte ein Faible für die Technologie, sorgte 2001 mit dem Kauf der amerikanischen Applied Energy Systems für den ersten Zugang zur Solartechnologie und überführte die Neuerwerbung im Frühjahr 2002 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Energiekonzern RWE. Doch der Durchbruch gelang nicht. Viel Geld sei in dieser Zeit verbrannt worden, urteilten Analysten. RWE verlor die Lust an dem Projekt. Der ehemalige Rennkajakfahrer Ungeheuer - erprobt beim Fahren gegen den Strom - jedoch nicht. Er glaubte an die Kraft der Sonne und die Energie, die sich daraus gewinnen lässt. Mittlerweile Vorstandsvorsitzender von Schott, übernahm er im Herbst 2005 die Anteile von RWE.

          Herzstück der solarthermischen Kraftwerke

          Es war keine einfache Entscheidung und auch keine leichte Zeit für den Schott-Konzern. Ungeheuer beschloss, die Fernsehglasfertigung in Mainz zu schließen. Auch die Trinkglasfertigung Schott Zwiesel wurde abgestoßen. Der Traditionskonzern - gegründet 1884 in Jena - erfuhr einen seiner größten Einschnitte in der Geschichte. Doch die Marschroute für Ungeheuer war klar: Gesucht und gestärkt wurden Arbeitsgebiete, die zukunftsfähig sind und auch in einigen Jahren noch hohe Umsätze und Renditen versprechen würden. Dazu zählte für den Vater von vier Kindern eindeutig die Solartechnik.

          Konkrete Zahlen wurden für diesen Geschäftszweig nicht ausgewiesen, Beobachter sprechen aber von dreistelligen Millionenbeträgen, die der Konzern in die Entwicklung der Technik investiert hat. Ein besonderes Augenmerk hat Ungeheuer dabei auf die solarthermischen Kraftwerke gelegt. Hier fangen große Spiegel das Sonnenlicht ein, fokussieren es mit einem Faktor von derzeit 60 bis 70 auf Receiver-Rohre, in denen dadurch Thermo-Öl auf 400 Grad erhitzt wird. In einem Generator entsteht so Strom.

          Bereits 1983 hat Schott Rohrglas für die Receiver eines solarthermischen Kraftwerks in der Mojave-Wüste in Kalifornien geliefert. „Die Technik funktioniert bis heute einwandfrei“, sagt Ungeheuer. 2002 forcierte er Entwicklung, Test und Produktion eigener solcher Receiver- Rohre. „Die sind das Herzstück der solarthermischen Kraftwerke“, sagt Ungeheuer. Mittlerweile ist Schott Solar das größere von nur zwei Unternehmen in diesem Bereich und erwirtschaftet mit dieser Hochtechnologie Gewinnmargen von mehr als 20 Prozent.

          Gute Geschäfte im Ausland

          Von dem großen Potential überzeugte sich der bodenständige Unternehmer, der gerne kocht, Klavier spielt und Vereinsvorsitzender des Mainzer Breitensportvereins TSV Schott Mainz ist, auf zahlreichen Reisen in die sonnenreichen Regionen dieser Erde. Im Juli war er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Algerien. Sie vereinbarte eine umfassende Kooperation in Energiefragen mit dem Land. Strom aus solarthermischen Kraftwerken soll über eine 3000 Kilometer lange Fernleitung über Sardinien, das italienische Festland und die Schweiz bis nach Deutschland gelangen. Der Reiz für Schott: „Für 12 bis 18 Milliarden Euro sollen im Süden Algeriens solarthermische Kraftwerke mit einer Leistung von 6000 Megawatt entstehen“, sagt Ungeheuer.

          Dass sein Konzern dabei gute Geschäfte machen wird, dürfte keine Frage sein. Geradezu putzig wirken im Vergleich dazu das nun in Betrieb gegangene Nevada Solar One bei Las Vegas mit 64 Megawatt Leistung und das Andasol 1 in Andalusien mit 50 Megawatt Leistung. Aber alleine mit dem spanischen Kraftwerk sollen schon 200.000 Menschen zuverlässig mit Strom versorgt werden. Der Vorteil der Kraftwerke: Die Wärme lässt sich bis zu 7,5 Stunden speichern. Die Kraftwerke liefern damit auch Strom, wenn die Sonne nicht scheint.

          Obama begeistert von der Technik

          Besonders stolz konnte Ungeheuer zudem von einem prominenten Besucher berichten: Am Freitag besichtigte der amerikanische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama das Werk von Schott in Duryea, Pennsylvania. „Er hat sich fünf Stunden Zeit genommen und eine Stunde unter anderem über erneuerbare Energien gesprochen“, berichtet Ungeheuer. „Obama war begeistert von der Technik. Die Amerikaner sind sehr daran interessiert, von Energieimporten unabhängig zu werden. Obama will im Fall seiner Wahl künftig jedes Jahr 15 Milliarden Dollar in die Förderung erneuerbarer Energien investieren.“

          Ungeheuer kann behaupten, alles richtig gemacht zu haben. Das Auftragsbuch für die Receiver-Rohre ist voll, es gibt nur ein Konkurrenzunternehmen aus Israel und die Markteintrittsbarrieren sind wegen der komplizierten Technologie hoch. Die Abhängigkeit von staatlicher Förderung ist in diesem Geschäftsbereich wegen der Fokussierung auf die sonnenreichen Regionen der Erde gering und dürfte in absehbarer Zeit auf null zurückgehen. Gelingt der Börsengang von Schott Solar, deren Aufsichtsratsvorsitzender Ungeheuer nun wird - die operativen Geschäfte leitet Martin Heming -, könnte sich der Familienmensch wieder etwas mehr seiner Frau und den vier Kindern widmen. Oder er besucht mal wieder das Isis-Heiligtum in der Mainzer Römerpassage. Für den Erhalt des ägyptischen Tempels hat sich Ungeheuer einst stark eingesetzt. Kein Wunder: Isis galt den Ägyptern als Sonnenmutter.

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