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Solarbranche : First Solar schließt beide Werke in Frankfurt (Oder)

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Mitte 2007 war die Stimmung in Frankfurt an der Oder noch ausgezeichnet, zahlreiche Hände drückten für die Fabrik von First Solar in Ostdeutschland auf den symbolischen Startknopf. Nun gibt das Unternehmen den Standort auf. Bild: DAPD

Kürzen, Streichen, Schließen: In der Solarbranche jagt eine schlechte Nachricht die nächste. Nun hat das amerikanische Unternehmen First Solar angekündigt, seine Werke in Frankfurt an der Oder aufzugeben. Auch in Mainz sollen Stellen wegfallen.

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          Das amerikanische Unternehmen First Solar zieht infolge der globalen Krise der Solarindustrie die Reißleine und gibt seinen deutschen Standort in Frankfurt an der Oder mit 1200 Mitarbeitern auf. Wie der größte Solarmodulbauer der Vereinigten Staaten am Dienstag mitteilte, soll der Betrieb in Ostdeutschland im vierten Quartal eingestellt werden. Auch am Vertriebsstandort Mainz sollen zahlreiche Stellen wegfallen. Insgesamt will First Solar auf der ganzen Welt 2000 Stellen streichen, das entspricht rund einem Drittel der Beschäftigten. Der Konzern will so 100 bis 120 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

          „Größtenteils wirtschaftlich nicht überlebensfähig“

          „Der europäische Solarmarkt ist zum jetzigen Zeitpunkt ohne Förderung größtenteils wirtschaftlich nicht überlebensfähig“, sagte Christopher Burghardt, Geschäftsführer der First Solar GmbH, der für den Vertrieb in Europa zuständig ist. Die von der Bundesregierung beschlossene Kappung der Solarsubventionen träfe vor allem Photovoltaik-Großanlagen und damit das Kerngeschäft von First Solar. Diese Kürzungen hätten „dramatische Auswirkungen“ auf die Nachfrage. „Dadurch kann unsere Produktion in Europa langfristig nicht mehr wirtschaftlich arbeiten, sodass wir gezwungen sind, uns an die neuen Marktgegebenheiten anzupassen“, erklärte Burghardt. Die Werksschließungen würden für die Mitarbeiter „möglichst sozialverträglich“ gestaltet.

          Das deutsche Tochterunternehmen von First Solar hatte erst im vergangenen Herbst ihr zweites Werk in Frankfurt an der Oder in Betrieb genommen. Für die 1200 Mitarbeiter wurde allerdings bereits im Februar Kurzarbeit beantragt.

          First Solar leidet wie alle Firmen in der Branche nicht nur unter den jüngst beschlossenen Subventionskürzungen in Deutschland und anderen wichtigen europäischen Absatzmärkten sondern auch unter einem massiven Preisverfall infolge von Überkapazitäten. Verluste und Pleiten prägen daher nun die einst viel versprechende Branche.

          Niedergang einer gefeierten Branche

          Für Frankfurt/Oder - einst gefeiert als Solarstadt mit mehreren tausend Mitarbeitern - ist das Aus von First Solar am Standort ein weiterer Rückschlag. Ende März hatte bereits Odersun mit seinen rund 260 Mitarbeitern Insolvenz angemeldet. Die seit Längerem ums Überleben ringende Conergy hatte im vergangenen Jahr Teile der Produktion in der Grenzstadt eingestellt, damit rund 100 Arbeitsplätze gestrichen und sich von Leiharbeitern getrennt.

          Mit Frankfurt/Oder steht nun ein weiterer Solar-Standort in Deutschland vor dem Aus, nachdem vor zwei Wochen in Bitterfeld-Wolfen - gemeinhin Solar Valley genannt - der einst größte deutsche Solarkonzern Q-Cells Insolvenz eingereicht hatte.

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