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Software : Microsoft sieht sich als Opfer der Justiz

  • Aktualisiert am

Genervt: Steve Ballmer, CEO Microsoft Bild: dpa

Muss Microsoft dichtmachen? Das behauptet CEO Steve Ballmer, falls das Gericht gegen den Konzern entscheidet.

          „Wenn unser Vergleichsangebot abgelehnt wird, müssen wir die Firma zumachen,“ drohte Microsoft-Chef Steve Ballmer am Montag während einer Befragung. Microsoft würde gezwungen, all seine Software hundert Prozent kostenlos abzugeben und müsste dann sein Betriebssystem Windows XP komplett vom Markt nehmen.

          Ballmers Drohungen waren der Auftakt zu neuen Anhörungen im Microsoft-Fall, die am 11. März beginnen sollen. Auf der Klägerseite stehen neun US-Bundesstaaten, die zuvor eine außergerichtliche Einigung mit dem Software-Konzern abgelehnt hatten. Sie sind der Meinung, dass die im November vom Justizministerium genehmigten Auflagen zu lasch sind und nichts an Microsofts Monopolstellung ändern würden.

          Microsoft solle stattdessen eine schlanke Windows-Version ohne den Internet Explorer und andere eigene Multimedia-Anwendungen anbieten. Computerhersteller sollen so mehr Freiheiten bei der Auswahl der vorinstallierten Software auf ihren Rechnern bekommen.

          Microsoft behauptet: „Windows XP funktioniert ohne den Internet Explorer nicht!“

          Microsoft behauptet, dass Windows XP ohne diese Anwendungen nicht funktionieren würde und deshalb im Falle einer Trennung vom Markt genommen werden müsste. Um dieses Argument zu überprüfen, hatte die zuständige Bundesrichterin Colleen Kollar-Kotelly im Februar angeordnet, dass den Klägern der Quellcode des Betriebssystems offengelegt werden müsste. Der Quellcode ist die grundlegende Programmstruktur von Windows und eines von Microsofts bestgehütetsten Geheimnissen.

          Dementsprechend dramatisch fielen die Reaktionen des Unternehmens auf die Entscheidung aus. Ob die Trennung des Betriebssystems von den umstrittenen Anwendungen nun möglich wäre oder nicht, ist aber immer noch nicht klar, da die Berufung eines Experten aus Zeitgründen abgelehnt wurde.

          Wenn das Gericht nach den neuen Anhörungen dem außergerichtlichen Vergleich vom November zustimmt, wäre der Rechtsstreit um Microsoft nach fast vier Jahren beendet. Sollten die neun Bundesstaaten aber mit ihren Einwänden gewinnen, wäre ein Ende der Prozesse völlig offen. Microsoft-Chef Steve Ballmer versucht im Vorfeld offenbar, mit einer Mischung aus dramatischen Drohungen und verbesserten Vergleichsvorschlägen das Gericht auf seine Seite zu ziehen.

          Neun US-Bundesstaaten fordern härtere Strafen für Monopol-Verstöße

          Neun der ursprünglich 18 Klägerstaaten waren bereits zuvor auf die Linie des Justizministeriums umgeschwenkt und hatten dem Vergleich zugestimmt. Der Software-Konzern wirft den übrigen neun Staaten vor, dass sie lediglich die Interessen von Microsoft-Konkurrenten verfolgen würden, die auf ihrem Gebiet angesiedelt sind.

          Microsoft wurde 2000 schuldig gesprochen, sein Monopol auf dem Software-Markt bei Betriebssystemen illegal auszunutzen. Das Unternehmen soll aber nicht mehr - wie ursprünglich beschlossen - zerschlagen werden, es geht im aktuellen Prozess lediglich um die Unterbindung der illegalen Praktiken.

          Darüber hinaus muss sich Microsoft mit zahlreichen Einzelklägern auseinandersetzen, die sich durch die wettbewerbsschädigende Geschäftspraxis betroffen fühlen. Prominentes Beispiel ist AOL TimeWarner, die den Netscape Navigator gekauft hatten, einen durch Microsofts Internet Explorer in Bedrängnis geratenen Konkurrenz-Browser.

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