https://www.faz.net/-gqe-36ik

Software : Linux erobert Berlin

  • -Aktualisiert am

Linux zieht in den Reichstag ein Bild: Presse- und Informationsamt des Landes Berlin & mib GmbH

Die Server des Deutschen Bundestags werden künftig wohl auf Linux laufen - das Open-Source-System bietet einige Vorteile gegenüber Windows.

          Glaubt man „gut unterrichteten Kreisen“, wird das freie Betriebssystem Linux in Zukunft auf den rund 150 Servern des deutschen Bundestags eingesetzt - die über 5.000 Bürorechner der Abgeordneten werden allerdings mit Windows XP laufen. Für PC-Anwendungen gilt Linux noch als zu komplex. Mit diesem Kompromiss würden die Volksvertreter tatsächlich das Verhalten der Bürger widerspiegeln: Während Linux immer öfter auf Server installiert wird, bleiben PC-User Windows treu.

          Linux wurde 1991 von dem finnischen Programmierer Linus Torvalds als „Open-Source-System“ geschrieben: Die Software kann nicht nur kostenlos aus dem Internet runtergeladen werden, es kann auch jeder mit dem frei zugänglichen Quellcode arbeiten und ihn weiterentwickeln. Schnell wurde Linux zum Liebling der Technikfreaks - besonders im Kampf gegen den Klassenfeind Microsoft. Doch nicht nur ideologische Gründe sprechen für das System mit dem Pinguin-Logo.

          Safer Linux

          Ein für politische Institutionen entscheidender Aspekt ist das Thema Sicherheit - und da hat Linux nicht nur bei weltfremden Computernerds die Nase vorn. So arbeiten beispielsweise das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder der technische Geheimdienst der USA (NSA) nicht zufällig mit Linux als Betriebssystem. „Offene Quelltexte bieten grundsätzlich einen Sicherheitsgewinn“, sagt Wirtschaftminister Werner Müller.

          Eigene Fachleute können den Quellcode prüfen und bei Bedarf anpassen. Bei Microsoft-Produkten mit ihrem geschützten Code liefert sich der Kunde den Programmierern aus Redmond aus und kann nicht kontrollieren, was das Programm macht. Außerdem verbreiten sich Viren vorwiegend über Microsoft-Programme: Outlook war Zielscheibe von „I love you“ und Co., Word und Excel stecken voller gefährlicher Makro-Funktionen.

          Erfolg am Server-Markt

          Und obwohl das kostenlose Linux auch als sehr stabil und zuverlässig gilt, greifen Privatanwender lieber zum teuren und nicht immer „absturzsicheren“ Windows. Denn gegenüber der seit Jahren intuitiv vertrauten Umgebung der Microsoft-Produkte empfindet der User Linux beim ersten Test komplizierter. Auch vermisst er (zu Recht) das üppige Software-Angebot, auf das er mit einem Windows-Rechner zugreifen kann.

          EDV-Manager haben den Pinguin dagegen schon lange zu ihrem neuen Lieblingstier auserkoren: Als Betriebssystem für Server konkurriert Linux erfolgreich mit kommerziellen Microsoft- und Unix-Produkten. Der Ärger mit - trotz teurer Lizenz- und Supportkosten - abstürzenden NT-Servern von Microsoft ließ den Verantwortlichen oft gar keine andere Wahl als auf Linux zu migrieren.

          Open Source als Geldquelle

          Bald wird Linux noch stärker verbreitet sein, und das nicht nur dank der Vorlage durch den Bundestag: Die großen IT-Konzerne haben Open Source als Geldquelle entdeckt. Sun will eine Reihe kleinerer Server-Computer mit Linux auf den Markt bringen, Sony hat eine Linux-Playstation angekündigt und bei IBM hat sich bereits eine Milliarden-Investition in eine neue Großrechnergeneration für Linux amortisiert. Auch Hewlett Packard und Compaq wollen auf der Cebit Produkte auf Linux-Basis präsentieren.

          Linux fördert also den Hardware-Verkauf, aber auch mit der Software lässt sich Geld verdienen: Distributoren wie Suse oder Red Hat bieten für verschiedene Anwendungsbereiche optimierte Linux-Versionen an und haben damit besonders bei Servern und so genannten Embedded Systems (z.B. für Handys, PDAs, Spielecomputer) großen Erfolg. Und auch für den Desktop-PC gibt es inzwischen Versionen mit allen gängigen Büroanwendungen und einfach zu bedienender Oberfläche.

          Der Endpreis solcher Software ist natürlich günstig: Die Entwicklungskosten sind extrem niedrig, da man ja auf einem bestehendem Softwarekern aufbaut. Und am meisten Geld lässt sich ohnehin mit Service- und Beratungsleistungen verdienen. Für die Cebit hat Suse nun ein komplettes Betriebssystem für Privatanwender angekündigt, das in nur drei Schritten installiert werden kann. Das könnte dann so mancher Bundestagsabgeordnete sogar selbst meistern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gefährliche Hitzewelle : Amerikas Sommer der Extreme

          In vielen Gegenden Amerikas herrschen derzeit gefährlich hohe Temperaturen. Städte wie New York müssen sich in Zukunft auf noch extremere Sommer einstellen, warnen Klimaforscher.

          Attacke von Tony Blair : „Johnson ist kein Dummkopf“

          Der frühere britische Premierminister Tony Blair sieht einer möglichen Regierung von Boris Johnson kritisch entgegen. Die CDU wiederum könnte sich vorstellen, dass Johnson positiv überrascht.
          Weiß, was uns fehlt: ARD-Hauptstadtkorrespondentin Kristin Joachim.

          Klimahysterie im Ersten : Wir müssen gezwungen werden!

          Von der ARD lernen heißt, gehorchen lernen. Den Eindruck bekommt man, wenn man abends die „Tagesthemen“ einschaltet oder morgens das Radio. Da werden Vorschriften gemacht, dass es nur so kracht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.