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Software : Der Neustart von SAP

SAP setzt auf eine neue Führung. Das ist richtig und wichtig. Während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender schien Leo Apotheker nie einen guten Draht zu den Kunden gefunden zu haben.

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          SAP setzt auf eine neue Führung. Das ist richtig und wichtig. Denn das Unternehmen braucht dringend frischen Schwung und eine bessere Motivation, will es den Wettbewerb mit den Konkurrenten aus Amerika mit Bravour bestehen; will es dem Aktienkurs wieder einen Impuls geben; will es seine Position als Primus auf dem 30 Milliarden Euro schweren Markt für Unternehmenssoftware ausbauen.

          Die neue Spitze muss die Möglichkeiten der tiefgreifenden Veränderungen der Branche entschiedener nutzen als bisher. Dafür braucht es motivierte Mitarbeiter, flexible Strukturen und gut gefüllte Kassen. Vor allem aber braucht es eine starke Produktpipeline und einen guten Draht zum Kunden. Den schien Leo Apotheker während seiner kaum zweijährigen Amtszeit als Vorstandsvorsitzender nie gefunden zu haben.

          Der wortgewandte Manager besaß weder die professorale Aura seines Vorgängers Henning Kagermann noch das hemdsärmlige Macher-Image des Mitgründers und Aufsichtsratschefs Hasso Plattner. Apotheker wirkte bei all seiner Weltgewandtheit und Professionalität immer etwas kantig und förmlich. Das kam nicht immer gut an. Mitarbeiter zeigten sich kaum noch inspiriert, Kunden sahen sich durch seine Preispolitik über den Tisch gezogen, Partner fühlten sich vernachlässigt. So lassen sich schlecht Geschäfte machen. Apotheker musste jetzt gehen, SAP wagt den Neustart.

          Branche im Wandel

          Das neue Führungsduo um den Amerikaner Bill McDermott und den Dänen Jim Hagemann Snabe hat einiges zu tun. Die Branche steckt selbst im Wandel, und der will bewältigt sein. Mehr denn je achten die Kunden auf die Kosten, wollen aber auch die neusten Produkte zur besten Qualität, um im Wettbewerb auf ihren Märkten mithalten zu können. Daher sind sie bereit, mehr Arbeiten außerhalb der eigenen Mauern erledigen zu lassen als früher. Das gibt dem Geschäft mit dem Outsourcing von IT-Leistungen kräftigen Schub.

          Da sich Computerprogramme heute global verteilt entwickeln und in Sekundenschnelle zu minimalen Kosten über das Internet vertreiben und nutzen lassen, werden sie zur Analyse, Verwaltung und Steuerung von Geschäftsprozessen in Unternehmen immer seltener verkauft und immer häufiger vermietet. Das verlangt seitens der Anbieter neue Geschäftsmodelle. Bislang verkauften Softwarehäuser wie SAP oder Oracle ihre Programme in Paketen, installierten sie auf den Rechnern der Kunden und kassierten über die Betreuung dieser Systeme ein zweites Mal ab. Damit verdienten sie viel Geld. Doch dieses sogenannte Lizenz-Wartungs-Modell wird bald der Vergangenheit angehören. Software wird sich künftig mehr als heute auf großen zentral und extern verwalteten Rechnern wiederfinden. Auf die kann die Kundschaft je nach Bedürfnis für ein vereinbartes Entgelt zugreifen. Somit wird Software kein handfestes Produkt mehr sein, sondern ein Service.

          Die ersten Schritte sind gemacht

          Das hat Folgen für die Einnahme- und Kostenblöcke der Anbieter. Zwar haben Computerprogramme als digitales Gut auch weiterhin niedrige Grenzkosten, doch wird aufgrund der fallenden Verkaufszahlen die Degression der Fixkosten nicht mehr eine ganz so große Rolle spielen wie bisher. Auf der anderen Seite werden durch die Zunahme an Vermietungen die variablen Kosten für die Betreuung der hochkomplexen Systeme steigen. Um in diesem Wandel nicht die notwendige unternehmerische Schlagkraft zu verlieren, hat sich die Softwareindustrie in einem ersten Schritt so rasch wie kaum eine zweite Branche konsolidiert. In einem zweiten Schritt gehen nun vor allem amerikanische Anbieter dazu über, auch Hersteller von Computern und Netzwerkrechnern eng an sich zu binden. So übernimmt Oracle nun Sun Microsystems, Microsoft vereinbarte gerade eine weitreichende Kooperation mit Hewlett-Packard, IBM hat Rechner und Software traditionell in einer Hand, verzahnt beide Geschäftsbereiche jetzt aber enger und rüstet sie mit milliardenhohen Aufwendungen auf.

          Hier muss SAP aufpassen, nicht zurückzufallen. Unter Leo Apotheker war das Unternehmen erste wichtige Schritte gegangen. Es hatte die Integration der fast 5 Milliarden Euro teuren Übernahme des Konkurrenten Business Objects schnell erfolgreich abgeschlossen, ein zeitgemäßes Kostenmanagement eingeführt und fing damit an, den Vertrieb entsprechend den Nutzergewohnheiten rund um Mietsoftware umzubauen. Diesen Weg muss die neue Vorstandsspitze weitergehen. Dabei muss sie sich auch nach weiteren Akquisitionen umschauen. Gegebenenfalls darf sie nicht zögern, dafür die gut gefüllten Konzernkassen anzuzapfen.

          Vor allem aber muss der neue Vorstand um McDermott und Snabe das Vertrauen der Kunden so schnell wie möglich wiedergewinnen und die Stimmung der Mitarbeiter ins Positive drehen. Mittelfristig hat er die seit nunmehr zwei Jahren angekündigte Mittelstandssoftware Business by Design erfolgreich auf den Märkten zu plazieren. Das dürfte SAP frischen Schwung bringen und dem Kurs der Aktie kräftige Impulse geben.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

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