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Software / Computer : Der Knalleffekt des Larry Ellison

Oracle-Chef Ellison mischt die Branche auf Bild: AP

Steht die Computer- und Softwarebranche vor einer Konsolidierung? Mit seinem Übernahmeangebot für den Wettbewerber Peoplesoft hat Oracle-Chef Ellison die Branche aufgeschreckt.

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          Larry Ellison hat wieder einmal für einen Knalleffekt gesorgt: Mit seinem feindlichen Übernahmeangebot für den Wettbewerber Peoplesoft hat der Vorstandsvorsitzende des kalifornischen Softwarekonzerns Oracle die Branche aufgeschreckt. Zwar halten sich Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Offerte von Ellison. Gleichwohl rückt durch das Angebot die Diskussion nach einer weiteren Konsolidierung in der Branche wieder in den Mittelpunkt - nicht nur auf dem Markt für Unternehmenssoftware, sondern auch in der gesamten Computerbranche.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Oracle hatte Ende der vergangenen Woche überraschend angekündigt, Peoplesoft, ein Softwareunternehmen, dessen Zentrale auf der anderen Seite der San Francisco Bay liegt, für insgesamt 5,1 Milliarden Dollar in bar kaufen zu wollen. Nur vier Tage zuvor hatte Peoplesoft selbst die Übernahme des Wettbewerbers J.D. Edwards vermeldet. Peoplesoft hat das Angebot von Oracle inzwischen in ungewöhnlich scharfen Worten zurückgewiesen.

          Großkonzerne versus Nischenanbieter

          Die jüngsten Ereignisse bestärken manche Fachleute in ihrer Behauptung, daß viele der kleinen Nischenanbieter in der Informationstechnologie langfristig nicht überlebensfähig sind und daß statt dessen die Märkte von Großkonzernen wie Microsoft oder IBM dominiert werden, die viele verschiedene Segmente unter einem Dach vereinen. Gerade im Bereich der Unternehmenssoftware werden einige Anbieter schon seit geraumer Zeit als Übernahmekandidaten gehandelt. Dieser Markt wird im Moment von der deutschen SAP AG dominiert, die einen Weltmarktanteil von 54 Prozent hat. Dahinter folgen Oracle mit 14 Prozent, Siebel mit 13 Prozent, Peoplesoft mit 11 Prozent und J.D. Edwards mit 5 Prozent.

          Insbesondere die Zukunftsperspektiven von Siebel als unabhängigem Unternehmen werden wegen seiner starken Spezialisierung schon seit längerem in Frage gestellt. Siebel beschäftigt sich mit Software zur Steuerung von Vertriebs- und Kundenbeziehungen.

          Die Schwierigkeiten der kleineren Unternehmen wurden in den jüngsten Quartalsberichten bestätigt: Siebel mußte im ersten Quartal dieses Jahres einen Umsatzeinbruch um 30 Prozent und einen ebenfalls dramatischen Gewinnrückgang hinnehmen. Auch bei Peoplesoft waren Umsatz und Gewinn rückläufig, J.D. Edwards hat sogar Verlust gemacht. Das über seine Datenbanksoftware breiter aufgestellte Unternehmen Oracle hat dagegen weitaus besser abgeschnitten. Auch Microsoft, dem größten Softwarekonzern der Welt, wird im Bereich der Unternehmenssoftware künftig eine größere Rolle zugetraut. Microsoft hat erst in den vergangenen Jahren die beiden in diesem Markt tätigen Unternehmen Navision und Great Plains übernommen.

          Microsoft als „weißer Ritter“?

          Bislang ist diese Sparte für Microsoft allerdings noch recht klein, der Konzern ist vor allem auf Software für kleinere und mittelständische Unternehmen spezialisiert. Auch im Zuge des Übernahmewettbewerbs um Oracle, Peoplesoft und J.D. Edwards taucht der Name Microsoft immer wieder auf. So können sich manche Beobachter vorstellen, daß Microsoft als sogenannter "Weißer Ritter" in das Rennen um Peoplesoft mit einem eigenen Angebot eingreifen könnte. Als weitere Möglichkeit gilt, daß Microsoft das Unternehmen J.D. Edwards kauft, sollte dessen ursprünglich geplanter Zusammenschluß mit Peoplesoft nicht zustande kommen.

          Der Anfang einer Konsolidierungswelle

          Die Kette spektakulärer Übernahmeankündigungen und -spekulationen im Silicon Valley ist nach Ansicht vieler Marktbeobachter erst der Anfang einer Konsolidierungswelle, die nach Jahren des Abschwungs über die Computer- und Softwarebranche hinwegrollen wird. Zwar hatte Carly Fiorina, die Vorstandsvorsitzende des in Palo Alto ansässigen Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), schon am Tag der Ankündigung des Kaufs des damaligen Wettbewerbers Compaq im September 2001 gesagt, eine Kette vergleichbarer Zusammenschlüsse stehe unmittelbar bevor. Doch hatte es in den Monaten danach für die Investmentbanken in dieser Hinsicht nur wenig Arbeit gegeben, und Fiorina schien mit ihrer Behauptung schon unrecht zu behalten.

          Inzwischen müssen aber immer mehr Unternehmen einsehen, daß die Zeiten zweistelliger Wachstumsraten des Umsatzes auch bei Computern und Software endgültig vorbei sind. Den Aufschwung verschiebt die Branche seit drei Jahren regelmäßig auf die kommenden sechs Monate. Zahlreiche Soft- und Hardwareanbieter wie etwa Oracle, Apple oder auch Intel verfügen unterdessen über vergleichsweise hohe liquide Mittel, während sich für kleinere Gesellschaften Möglichkeiten für einen Börsengang oder weitere Finanzierungen durch Risikokapitalgeber verschließen.

          Wachstum durch Zukauf

          „Die Tatsache, daß die Wende weiter auf sich warten läßt, verstehen manche Unternehmen erst jetzt", sagte Bill Tulin, Partner bei der Beratungsgesellschaft Ernst & Young der Silicon-Valley-Zeitung "San Jose Mercury News". Auch die Investmentbank Broadview hat beobachtet, daß sich Software-Unternehmen nicht mehr darauf verlassen können, neue Kunden im laufenden Geschäft zu gewinnen. Deshalb müßten sie jetzt eben Unternehmen mitsamt ihrer Kunden kaufen.

          In Zeiten des Booms hatte unter den Hardwareherstellern der Netzwerkausrüster Cisco Systems als Paradebeispiel für ein Technologieunternehmen gegolten, das einen Zukauf nach dem anderen tätigt. Allein im Jahr 2000 hatte Cisco 23 Unternehmen gekauft. Seitdem ist es erheblich ruhiger geworden. Doch im vergangenen halben Jahr ist auch Cisco auf den Markt für Unternehmenskäufe zurückgekehrt und hat schon viermal zugegriffen.

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