https://www.faz.net/-gqe-952w7

Geld für gemeinnützige Zwecke : So viel spenden die Deutschen

Eine Schülerin während des Unterrichts in einem Klassenzimmer auf dem Campus „Kukuo“, der Presbyterian Senior High School in Tamale Bild: Frank Röth

Jedes Jahr im Dezember schießen die Spenden hierzulande in die Höhe. Am freigiebigsten sind die Menschen in Bayern. Unsere Spendenbereitschaft hängt aber auch noch von etwas anderem ab.

          4 Min.

          Pünktlich zur Weihnachtszeit ist die Großzügigkeit der Deutschen besonders groß – denn in den Wochen vor Weihnachten spenden sie am meisten Geld für gemeinnützige Zwecke. Fast ein Viertel des privaten Spendenaufkommens fiel nach Angaben des Deutschen Spendenrats im vergangenen Jahr in den Dezember. Die Spendenbereitschaft jedes Einzelnen lässt sich nach einer aktuellen Studie des Instituts für Weltwirtschaftsforschung (IfW) in Kiel aktiv beeinflussen. Danach hänge die Großzügigkeit der Menschen stark davon ab, was sie innerhalb ihrer sozialen Gruppe als Norm annehmen. Informationen über die Großzügigkeit der anderen könnten demnach die Spendebereitschaft der Menschen erhöhen.

          Maja Brankovic

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          In einem Experiment am Kieler Hauptbahnhof wählten die Wissenschaftler per Zufallsprinzip Personen aus, die auf den öffentlichen Nahverkehr warteten, und schenkten ihnen kostenlose Rubbellose. Alle Testpersonen wurden auf den möglichen Hauptgewinn von 60.000 Euro hingewiesen und im Anschluss gefragt, ob sie ihr Los an eine örtliche Kinderhilfsorganisation spenden wollten.

          Um herauszufinden, ob die Menschen ihre Spendenbereitschaft den sozialen Gepflogenheiten anpassen, teilten die Forscher die Testpersonen in drei Gruppen auf. Die erste Personengruppe erhielt keine weiteren Informationen. Der zweiten Gruppe wurde mitgeteilt, dass laut einer Umfrage des Bundesfamilienministeriums jährlich etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung spenden. Die Personen der dritten Gruppe mussten zunächst eine Vermutung darüber abgeben, wie viel Prozent der deutschen Bevölkerung jährlich spenden, bevor sie die Informationen darüber erhielten.

          Das Ergebnis überraschte in seiner Deutlichkeit: In der ersten Gruppe war fast jeder zweite Studienteilnehmer bereit, sein Rubbellos zu spenden. Der genaue Anteil lag bei 48 Prozent. In der zweiten Gruppe stieg der Anteil auf 61 Prozent. In der dritten Gruppe waren sogar 77 Prozent der Probanden bereit, ihr Rubbellos an die Kinderhilfsorganisation zu spenden. Dabei war die Spendenbereitschaft am höchsten, wenn die Befragten das durchschnittliche Spendenverhalten der Deutschen als zu niedrig einschätzten.

          „Das durchschnittliche Spendenverhalten der deutschen Bevölkerung nicht nur zu nennen, sondern zunächst schätzen zu lassen, hatte einen enormen Effekt auf das Ergebnis“, sagt Felix Gelhaar, Verhaltensökonom am IfW und Mitautor der Studie. Personen, die die durchschnittliche Spendenbereitschaft unterschätzten, werteten dies offenbar als Hinweis darauf, dass ihr eigenes Spendenverhalten unter der sozialen Norm liegt. Daraufhin waren sie deutlich spendabler als Personen, die keine Informationen über die soziale Norm hatten oder nicht vor Augen geführt bekamen, dass ihre Annahmen darüber zu niedrig sind.

          Der Ansatz der Kieler Forscher verfolgt die verhaltensökonomische Grundidee, dass Menschen immer wieder Dinge tun, die ihrem eigenen oder den gesamtgesellschaftlichen Interessen längerfristig widersprechen – und dass man sie mit kleinen „Stupsern“ zu einem gesellschaftlich erwünschten Verhalten bringen kann. Der Erfinder des ökonomischen „Nudging“, wie das Stupsen auf Englisch heißt, wurde in diesem Herbst mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Kommunalwahlen in NRW sind für die SPD von existentieller Bedeutung: Die Partei kann sich nur stabilisieren, wenn ihnen ihre kommunale Basis nicht wegbricht.

          Verschuldete Kommunen : Werden die Altschulden zur tickenden Zeitbombe?

          Die Lösung des Altschulden-Problems hat sich die große Koalition fest vorgenommen. Gerade die von der SPD regierten Großstädte im Ruhrgebiet würden von Bundeshilfe profitieren – bisher verhält sich Nordrhein-Westfalen jedoch merkwürdig passiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.