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Kommt ein Vogel geflogen : So helfen Sie heimischen Vogelarten im Garten

  • -Aktualisiert am

Selbst Allerweltsvögel wie dieser Feldsperling machen sich mittlerweile rar. Bild: Picture-Alliance

Goldammer, Meise und Co. fühlen sich im Garten immer weniger zu Hause. Dagegen kann man einiges tun.

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          Psychopathenrasen. So nennt Peter Berthold jene heruntergehobelten Grünflächen, die vielen Gärten das Aussehen mickriger Golfplätze verleihen. Kein Löwenzahn, keine Gänseblümchen, kein Klee. Von Laubhaufen und Wildstauden ganz zu schweigen. Dafür Schotterinseln, Terrakottafigürchen und Pseudobonsais fürs Gewissen. Sobald ein Unkraut seinen zarten Stiel durch den Boden reckt, wird ihm mit der Herbizidkeule der Garaus gemacht. Vögel? Fliegen über solche Einöden hinweg, denken nicht daran, dort zu landen. Dabei ließen sie sich so einfach einladen. Die Haus- und Schrebergärten Deutschlands haben eine Größe von ungefähr 15.000 Quadratkilometern. Das entspricht vier Prozent der Landesfläche und damit dem Umfang aller hiesigen Naturschutzgebiete. Wäre nur ein Zehntel davon naturnah bepflanzt, könnten Berthold zufolge rund dreißig Millionen Singvogel-Paare darin ihre Jungen aufziehen.

          Peter Berthold, Jahrgang 1939 und ehemaliger Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, arbeitet heute als Naturschützer. Gerade baut er einen Biotopverbund auf, um dem allenthalben beklagten Artenschwund entgegenzuwirken. Seit Anfang des neunzehnten Jahrhunderts hat der Vogelbestand in Deutschland um achtzig Prozent abgenommen. Am schwersten betroffen sind die Vertreter der offenen Landschaft wie Kiebitz, Braunkehlchen oder Rebhuhn. Das heißt jedoch nicht, dass es den Vögeln, die unsere Gärten besuchen, gutgeht. Gebäudebrüter wie Rauch- und Mehlschwalbe weisen genauso negative Entwicklungen auf wie die ehemaligen Allerweltsvögel dörflicher Gegenden, zu denen die Goldammer oder der Feldsperling zählen. Sogar die unempfindliche Kohlmeise gerät während der Jungenaufzucht immer häufiger in Schwierigkeiten. Momentan steht gut die Hälfte aller 248 Brutvogelarten Deutschlands auf der Roten Liste. Der stumme Frühling, vor dem die Biologin Rachel Carson schon 1962 gewarnt hatte, ist längst kein theoretisches Szenario mehr.

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