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Misstrauensvotum : Wetten, dass May gewinnt?

Könnte Jeremy Corbyn Theresa May an der Spitze des Landes ablösen? Bild: Reuters

Die britische Regierungschefin kämpft ums politische Überleben. Bei den Buchmachern auf der Insel gibt es ein klares Meinungsbild, wie dieses Drama im Unterhaus ausgehen wird.

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          Wird Großbritanniens Premierministerin Theresa May den Putschversuch aus den Reihen ihrer eigenen Partei überstehen? Großbritanniens Buchmacher jedenfalls räumen der Regierungschefin gute Chancen ein, dass sie das Misstrauensvotum ihrer Fraktion am Mittwochabend gewinnt. Einer Übersicht des Wettinformationsdienstes Oddchecker zufolge bieten führende Wettanbieter Quoten an, die klar darauf hindeuten, dass May aus der brisanten Abstimmung als Siegerin hervorgehen wird.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Premierministerin hat sich mit ihrem Plan für den Brexit in der eigenen Partei zwar viele Feinde gemacht. Aber die Wettbörse Betfair stellte am Mittag eine Quote von 1/5: Wer also 5 Pfund darauf setzt, dass May das Rennen macht, bekommt im Erfolgsfall einen vergleichsweise bescheidenen Gewinn von 1 Pfund plus seinen Wetteinsatz zurück. Aus der Wettquote lässt sich eine Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent ableiten, dass May das Misstrauensvotum übersteht. Ähnliche Quoten nannten auch andere große Buchmacher wie Coral, Ladbrokes und Paddy Power.

          Geht May freiwillig?

          Wer dagegen hält und auf eine Niederlage Mays setzt, der kann hingegen mit höheren Gewinnen rechnen – falls die Regierungschefin tatsächlich unterliegen sollte. Betfair stellte um die Mittagszeit dafür eine Quote von 7/2: Mit einem Wetteinsatz von 2 Pfund kann man einen Gewinn von 7 Pfund einstreichen. Die implizite Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt, liegt allerdings auch nur bei 22 Prozent.

          Während sich bei den Buchmachern also ein recht klares Meinungsbild abzeichnet, scheinen am Devisenmarkt viele Händler den Atem anzuhalten: Bis zum Mittag hat das Pfund moderat aufgewertet und notierte in Relation zum Euro um 0,2 Prozent und gegenüber dem Dollar um 0,3 Prozent höher als am Vortag.

          „Wir rechnen damit, dass Theresa May die Abstimmung überleben wird“, sagte Jordan Rochester, Analyst der japanischen Großbank Nomura in London. Falls die Regierungschefin den Putschversuch tatsächlich überzeugend abwehren kann, würde dies ihre Position sogar stärken: Nach den Regeln ihrer konservativen Partei dürfte dann in den nächsten zwölf Monaten kein neues Misstrauensvotum in der Fraktion gegen sie abgehalten werden. May hätte also zumindest an dieser Front vorerst Ruhe.

          Beobachter halten es aber auch für denkbar, dass May im Falle eines nur knappen Sieges freiwillig ihren Posten räumt, weil ihr die Unterstützung durch die eigene Partei als nicht mehr ausreichend erscheint. Falls die Regierungschefin aus freien Stücken oder gezwungenermaßen abtritt, rechnet Nomura mit einer heftigen Abwertung des Pfunds: Die Währung könnte dann in den kommenden Tagen rund 3 Prozent an Wert verlieren, erwartet der der Analyst Rochester.

          Ein Führungswechsel würde für zusätzliche Ungewissheit sorgen – und damit den ohnehin schon schwierigen Brexit noch unberechenbarer machen. Um Zeit für die Wahl eines neuen Partei- und Regierungschefs zu schaffen, müsste womöglich der Termin für den Austritt des Landes aus der EU verschoben werden. Dafür wäre jedoch die Zustimmung der anderen Mitgliedstaaten notwendig. Unklar ist, welcher parteiinterne Rivale May im Falle einer Niederlage nachfolgen würde.

          Häufig genannt wird der frühere Außenminister Boris Johnson. Der Brexit-Hardliner ist der Favorit der britischen Buchmacher und an der Parteibasis beliebt. Fraglich ist aber, ob Johnson in der Unterhausfraktion ausreichend Rückhalt genießt. Denkbar ist auch, dass eine Führungskrise der britischen Konservativen nach einem möglichen Rücktritt Mays zu Neuwahlen des Parlaments führt. Dann wiederum hätte auch Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour Party gute Chancen, neuer Premierminister  zu werden.

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