https://www.faz.net/-gqe-7z5zh

Smartphones : Welche fünf Hausaufgaben Samsung nun erledigen muss

Steht Apple wirklich über Samsung? Bild: Reuters

Apple verkauft mittlerweile so viele Telefone wie Samsung. Um nicht dauerhaft abgehängt zu werden, müssen die Südkoreaner nun einige Hausaufgaben erfüllen.

          Im Kampf um die Führung im Smartphone-Markt scheint Apple die Nase vorn zu haben: mit 74,5 Millionen verkauften iPhones im vierten Quartal 2014 kommen die Amerikaner auf die gleiche Stückzahl wie der Erzrivale Samsung – jedenfalls wenn man den Untersuchungen von Strategy Analytics glaubt: demnach kommen Apple und Samsung jeweils auf 19,6 Prozent Marktanteil, während die Verfolger Lenovo-Motorola und Huawei mit 6,5 und 6,3 Prozent weit abgeschlagen sind. Außerdem behauptet Tim Cook, die meisten iPhone-6-Käufer seien von Android-Telefonen umgestiegen. Andere Marktforscher wie etwa Gartner oder Trendforce sehen Samsung noch immer vorne, die Tendenz ist aber grundsätzlich die gleiche: während Apple kontinuierlich voran kommt, geht es bei Samsung stramm bergab. So zeigen die Zahlen von Strategy Analytics, dass der Marktanteil von Apple im vierten Quartal binnen Jahresfrist um 2 Prozent gestiegen ist, während der von Samsung um 10 Prozent zurückgegangen ist.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Es wäre allerdings verfrüht, jetzt einen Abgesang auf Samsung anzustimmen. Erstens sind die Zahlen des vierten Quartals insofern irreführend, als Apple zum Jahresende immer besonders stark ist: der Marktstart der neuen iPhones wird traditionell im Herbst zelebriert, dann wird die Welt mit den neuen Produkten geflutet. Dagegen kommt Samsung mit Produktneuheiten mehrmals im Jahr. So wird für dieses Frühjahr beispielsweise der Marktstart des neuen Spitzenmodells Samsung Galaxy S6 erwartet. Schon daher ist abzusehen, dass im Frühjahr und Sommer die Marktanteile von Apple wieder unter jenen von Samsung liegen könnten, wie in der Vergangenheit schon.

          Zweitens hat Samsung eine Reihe von Chancen, mit denen die Führungsposition verteidigt werden kann. Der Erfolg von Apple dürfte geradezu als Katalysator für die Weiterentwicklung von Samsung wirken – so wie in der Autoindustrie die Dauerkonkurrenz von BMW, Mercedes und Audi um die Vormacht im Luxussegment die Innovationsgeschwindigkeit ständig beschleunigt hat.


          Was Samsung jetzt zu erledigen hat:

          Den Wildwuchs im Sortiment reduzieren:
          Samsung hat eingeräumt, das Produktangebot sei aufgebläht und nicht auf Schlüsselprodukte fokussiert. Tatsächlich haben die Südkoreaner so ziemlich alles im Angebot – dieser Tage wurde sogar ein Billighandy namens Z1 in Indien eingeführt, das umgerechnet 77 Euro kostet. Eine Reihe weiterer günstiger Einsteigergeräte der Produktreihe Galaxy J sind in Arbeit. Die breite Produktpalette hat zwar den Vorteil, dass man anders als Apple nicht auf Gedeih und Verderb von einem Produkt und dessen Zielgruppe abhängig ist. Andererseits fehlt ein klares Profil und eine eindeutige Orientierungsmöglichkeit im Angebot. Dazu passt, dass Samsung die sinkenden Gewinne zuletzt auch mit erhöhtem Marketingaufwand begründet hat.  

          Ein eigenes Betriebssystem voranbringen:
          Bisher haben die Südkoreaner ihre Smartphones mit dem Android-Betriebssystem von Google ausgerüstet. Das bedeutet, dass Samsung von Google abhängig ist, sowohl was die Hardware angeht, für die Android bestimmte Anforderungen stellt, als auch was Innovationsmöglichkeiten angeht. Wie schwierig es ist, ein neues Betriebssystem durchzusetzen, lässt sich leicht beobachten: viele Apps werden nur für das iOS-Betriebssystem von Apple programmiert, aber nicht für Android und schon gar nicht für Windows, mit dem die Nokia-Smartphones betrieben werden. Als Marktführer oder auch Beinahe-Marktführer hätte Samsung aber wohl genug Power, um ein neues Betriebssystem in der Breite zu etablieren. Einen Namen hat die mit Intel aus Linux gemeinsam entwickelte Software übrigens schon: Tizen OS. Mehrfach angekündigt, wird das System nun offenbar erstmals mit dem Billig-Smartphone Z1 in Indien angeboten.  

          Mit Innovationen glänzen:
          Die Funktionalität der Smartphones wird bei Samsung offenbar künftig nicht nur durch herkömmliche Apps ausgebaut, sondern durch einen anderen Aufbau. Das für dieses Frühjahr erwartete Spitzenmodell Samsung Galaxy S 6 soll angeblich austauschbare Funktionscover auf der Rückseite haben – das wird jedenfalls unter Bezug auf die polnische Android-Webseite im Internet kolporitert. Diese Cover könnten dann beispielsweise Zusatzfunktionen im Gesundheitsbereich haben, etwa zur Blutzucker-Messung, oder mit Speziallinsen für die Kamera ausgestattet werden.

          Design verbessern:
          Lee Dontae ist der Mann, der künftig den Style von Samsung verantworten soll. Der Industriedesigner ist Mitte Januar als neue Leiter für das weltweite Design-Zentrum vorgestellt worden. Während das iPhone als Stilikone gilt, gibt es für die Smartphones von Samsung immer wieder allerlei Spott: die Oberfläche sei wie das Fließband von dem die Geräte kämen, oder wie ein Heftpflaster. 

          Neue regionale Märkte erschließen:  
          In China ist Samsung schon auf Platz drei zurückgefallen, hinter Apple und Xiaomi, einem erst seit fünf Jahren existierenden Hersteller, der auch weltweit schon Bedeutung hat. Laut den Marktforschern von Gartner hat Xiaomi allein im vergangenen Jahr seinen Marktanteil weltweit von 1,5 auf 5,2 Prozent erhöht Für Samsung bedeutet das: Märkte, die weder für Apple noch für Xiaomi im Fokus stehen, werden wichtiger.

          Ungeachtet des Erfolgs mit den eigenen Smartphones profitiert der Samsung-Konzern derzeit auch von Apples Rekordverkaufszahlen: Samsung ist nämlich ein wichtiger Zulieferer für Chips, Displays, Logikbausteinen und Akkus. Die Lieferquote für Samsung für das System-on-a-chip liegt offenbar bei rund 75 Prozent, angeblich auch für die kommende iPhone-Generation.

          Eine frühere Version des Artikels las sich, als sei Linux ein Unternehmen und kein Betriebssystem. Das haben wir korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis!

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Mit virtueller Realität direkt ins Herz der Immigranten – Iñárritus Sechseinhalb-Minuten-Installation in Cannes.

          Künstliches Herz : Organ aus dem 3D-Drucker

          Forscher konstruieren eine künstliche Herzkammer und Muskelzellen, die synchron schlagen. Noch fehlt Entscheidendes, damit Ersatzorgane aus dem 3D-Drucker entstehen können.
          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.