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Studie zu Industrie 4.0 : Roboter und Computer verdrängen 60.000 Hilfsarbeiter

  • Aktualisiert am

Mit dem Tablet in der Fabrikhalle - was macht Industrie 4.0 mit den Arbeitsplätzen? Bild: dpa

Hochqualifizierte könnten von der Industrie 4.0 profitieren. Doch für Fabrikarbeiter wird es eng, prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. Denn Roboter und Computer könnten ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen.

          Die bevorstehende Digitalisierung in deutschen Fabrikhallen, die sogenannte Industrie 4.0, könnte nach Prognosen von Arbeitsmarktforschern bis zu 60.000 Stellen kosten. Zwar dürften mit dem digitalen Wandel in der Produktion in den kommenden Jahren in Deutschland rund 430.000 neue Arbeitsplätze entstehen. In derselben Zeit gingen aber voraussichtlich 490.000 meist einfachere Stellen verloren, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht.

          Nach der Definition des Bundeswirtschaftsministeriums zeichnet sich Industrie 4.0 durch eine enge Verzahnung der Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik aus. Dabei koordinieren intelligente Maschinen selbstständig Fertigungsprozesse, Service-Roboter kooperieren in der Montage mit Menschen. Roboter sollen auch eigenständig Energie sparen, den Materialausschuss minimieren, Abläufe organisieren, Mängel melden und Nachschub organisieren - und das alles vernetzt mit den Kunden. Fachleute geben aber auch zu bedenken: Die digitale Fabrik ist teuer und wirft Sicherheitsfragen auf.

          „Es kommt zu einer deutlichen Umschichtung von Arbeitsplätzen. Dabei werden vor allem Beschäftigte, die heute Maschinen und Anlagen bedienen, betroffen sein“, prognostiziert Arbeitsmarktforscher und Mitautor der Studie, Enzo Weber. Um die Veränderungen abzufedern, müssten Unternehmen frühzeitig gegensteuern. Gerade Facharbeiter, die bisher an den Produktionsstraßen mit Routinearbeiten beschäftigt sind, müssten rechtzeitig auf anspruchsvollere Aufgaben  vorbereitet werden.

          Noch stärkere Akademisierung könnte die Folge sein

          Insgesamt beschleunige die Industrie 4.0 den Strukturwandel hin zu mehr Dienstleistungen. Die Anzahl der Erwerbstätigen verändere sich dabei gar nicht so stark; bedeutender seien die Arbeitskräftebewegungen zwischen Branchen und Berufen, schreiben die Autoren.

          Es werde eine höhere Wertschöpfung geben und dadurch höhere volkswirtschaftliche Gewinne. Den Arbeitskräften wird der Studie zufolge in Zukunft mehr abverlangt, was auch zu höheren Lohnsummen führe. Die ökonomische Gesamtentwicklung durch Industrie 4.0 werde positiv sein. Das bedeute aber auch, dass bei einer verzögerten oder gar verschleppten Umsetzung der Wirtschaftsstandort Deutschland leiden könne. Wir würden dann weniger exportieren und mehr „neue“ Güter im Ausland nachfragen.

          Gewinner von Industrie 4.0 werden nach der IAB-Studie vor allem gut ausgebildete IT-Fachkräfte, Ingenieure und Naturwissenschaftler sein. Chancen biete die vierte industrielle Revolution auch Lehrkräften. Denn die werden künftig verstärkt gefragt sein, um Mitarbeiter auf ihre neuen Aufgaben in der digitalen Fabrik vorbereiten, so die IAB-Einschätzung. „Wir werden eine noch stärkere Entwicklung hin zur Akademisierung haben“, sagt Weber. Aber auch für  Beschäftigte auf Facharbeiter-Niveau könne Industrie 4.0 Chancen bieten; dazu müssten die betrieblichen Ausbildungen aber weiterentwickelt werden. „Industrie 4.0 führt dazu, dass Produktions-, Wissens- und Entwicklungsarbeit stärker zusammenwachsen.“

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