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Gehaltsentwicklung : Vorsicht, Nerd-Alarm

Kaley Cuoco-Sweeting und Johnny Galecki in der nächsten Staffel der „Big Bang Theory“. Bild: Picture-Alliance

Wer sich mit Technik auskennt, kann viel Geld verdienen. Doch das bleibt nicht unbedingt so. Bald könnten Technik-Kenner von Computern ersetzt werden. Andere Fähigkeiten werden wichtiger.

          Die Nerds sind die Stars dieser Jahre. Computerfreaks, denen nachgesagt wird, dass sie mit Menschen nicht richtig umgehen können, sind von Computern und vom Internet in die Mitte der Gesellschaft gespült worden.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Computer-Fachleute werden von den Unternehmen gesucht. Informatiker und Naturwissenschaftler verdienen oft hervorragend. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird zum jüngsten Milliardär. Und die bestbezahlten Fernsehschauspieler dieser Jahre spielen in der Serie „Big Bang Theory“ – richtig: Nerds. In den neunziger Jahren waren die jungen New Yorker von „Friends“ die Serienstars, heute sind es Physiker aus Kalifornien.

          Doch während sich die Nerds über ihr großes Ansehen freuen, gibt es erste Zeichen, dass sich die Lage ändern könnte. Das liegt gerade an den Computern. Komplizierte Probleme lösen, schwere Gleichungen ausrechnen – das können die Computer immer besser. Ein Bildungsforscher der Universität Harvard hat amerikanische Gehaltsdaten untersucht und festgestellt: Das größere Gehaltswachstum gibt es inzwischen für die Leute, die mit Menschen umgehen können. Denn das können Computer noch nicht.

          Wer will, kann die Zeichen in der Praxis erkennen. Eine moderne Handy-App zu programmieren, ist ein gutes Stück leichter als die frühen Computerprogramme – selbst bei der eigenen Programmierung übernehmen nämlich inzwischen die Computer einen großen Teil der Arbeit. Gleichzeitig streiken die Erzieher für mehr Gehalt – in vollem Bewusstsein dessen, wie begehrt ihre Arbeit ist.

          Soziale Fähigkeiten werden immer wichtiger

          Der Trend wird immer deutlicher. Im vergangenen Jahr war eine Untersuchung von Gehaltsdaten aus den achtziger und neunziger Jahren veröffentlicht worden, die schon damals zeigte: Intellektuelle Fähigkeiten allein reichen nicht, nur wer zusätzlich soziale Fähigkeiten hat, wird von den Arbeitgebern richtig gut bezahlt.

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          In der neuen Untersuchung hat Harvard-Forscher David Deming zudem ausgerechnet, was seit 2000 geschehen ist. Dazu hatte er Daten von mehr als 12.000 Amerikanern. Sie wurden in ihrer Jugend gefragt, ob sie eher schüchtern oder eher extrovertiert waren und ob sie an vielen Schul-AGs teilnahmen, die in Amerika eine viel größere Rolle spielen als in Deutschland. In den Jahren danach gaben die Befragten immer wieder ihr Gehalt an. Zudem analysierte Deming die Häufigkeiten unterschiedlicher Berufe am amerikanischen Arbeitsmarkt.

          Dabei wurde klar: Nach 2000 sind die sozialen Fähigkeiten für das Gehaltswachstum immer wichtiger geworden. Wer gut mit Menschen kann, dessen Gehalt wächst. Zudem gibt es mehr Arbeitsplätze, auf denen soziale Kompetenzen gefordert werden. Wer zudem die Technik beherrscht, verdient zwar heute noch mehr als andere, für das weitere Gehaltswachstum ist die Technik aber unwichtiger geworden.

          Das muss nicht bedeuten, dass es künftig keine Arbeitsplätze für Techniker mehr gibt – doch die Untersuchung legt nahe, dass die Nachfrage allmählich geringer wird.

          Computer übernehmen immer schwierigere Denkaufgaben

          Gerade erst hat der amerikanische Militär-Roboterforscher Gill Pratt angesichts des Entwicklungsstands von Computern und Robotern davor gewarnt, dass die Denkleistung der Menschen angesichts des schnellen Fortschritts in der Computertechnik an Wert verlieren werde.

          Dagegen eignen sich Computer momentan kaum dafür, menschliche Gefühlsregungen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Oder: Teams von Menschen zu organisieren und zu leiten. Dafür braucht es immer noch den Menschen selbst.

          Werden die Nerds die Könige der Arbeitswelt bleiben? Wer bekommt mit der Digitalisierung der Arbeitswelt Probleme – und wem bietet sie neue Chancen? Debattieren Sie mit uns.

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