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Neuer Sipri-Bericht : Waffenverkäufe weltweit um fast fünf Prozent gestiegen

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Made in Germany: Ein Leopard 2A4 der türkischen Armee im Januar 2018 auf dem Weg nach Afrin in Syrien Bild: dpa

Die größten Rüstungsproduzenten der Welt haben 2018 noch mehr Waffen verkauft als im Vorjahr. Besonders in Amerika sind die Zahlen stark gestiegen – auch wegen einer Ankündigung von Präsident Trump. Deutsche Waffenverkäufe gingen dagegen zurück.

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          Die Waffenverkäufe weltweit sind einem neuen Bericht zufolge im vergangenen Jahr um fast fünf Prozent angestiegen. Die hundert größten Waffenproduzenten machten 2018 einen Umsatz von 420 Milliarden Dollar (381 Milliarden Euro) und damit 4,6 Prozent mehr, wie das schwedische Friedensforschungsinstituts Sipri am Montag in Stockholm bekanntgab. An der Spitze standen amerikanische Unternehmen, die einen Anteil von 59 Prozent des Marktes ausmachten. Ihr Umsatz stieg um 7,2 Prozent im Vorjahresvergleich.

          „Bezogen auf ein Jahr ist das ein bedeutender Anstieg, wenn man bedenkt, dass die amerikanischen Waffenverkäufe schon auf einem sehr hohen Niveau waren“, sagte Aude Fleurant von Sipri. Erstmals seit 2002 – seit dem Jahr verfügt Sipri über vergleichbare Daten inklusive Material aus Russland – nehmen Konzerne mit Sitz in den Vereinigten Staaten gleich alle fünf Toppositionen unter den führenden Rüstungsunternehmen ein. Diese fünf – Lockheed Martin, Boeing, Northrop Grumman, Raytheon und General Dynamics – verkauften zusammen Rüstungsgüter im Wert von insgesamt 148 Milliarden Dollar. Insgesamt machten amerikanischen Unternehmen 246 Milliarden Dollar aus, was 59 Prozent aller Verkäufe der Top 100 und einem Zuwachs von 7,2 Prozent im Vergleich zu 2017 entspricht.

          Einen wichtigen Trend in den Vereinigten Staaten sehen die Friedensforscher darin, dass größere Rüstungskonzerne kleinere Unternehmen übernehmen. Die Firmen in den Vereinigten Staaten profitieren von dem Kurs von Präsident Donald Trump, der die amerikanische Armee gegenüber Russland und China stärken will. „Die amerikanischen Unternehmen bereiten sich auf das neue Waffenmodernisierungsprogramm vor, das Präsident Trump 2017 angekündigt hat“, sagte Sipri-Waffenexpertin Aude Fleurant. „Große Firmen fusionieren, um in der Lage zu sein, die neue Generation von Waffensystemen produzieren zu können und damit in einer besseren Position zu sein, um Verträge von der amerikanischen Regierung zu gewinnen.“

          Ein Viertel weltweiter Waffenverkäufe kommen aus Europa

          Europa macht ein gutes Viertel der weltweiten Waffenverkäufe aus (24 Prozent). Die 27 in der Liste vertretenen europäischen Waffenproduzenten verkauften Güter im Wert von 102 Milliarden Dollar, was einen leichten Zuwachs um 0,7 Prozent bedeutete. Die Zahlen der vier gelisteten deutschen Konzerne nahmen dagegen insgesamt um 3,8 Prozent ab. Wachsenden Lieferungen militärischer Fahrzeuge von Rheinmetall an die Bundeswehr stehe ein Rückgang der Verkaufszahlen beim Schiffbauer ThyssenKrupp entgegen, sagte Sipri-Experte Pieter D. Wezeman. Damit hat Deutschland einen Anteil von 2,0 Prozent an den weltweiten Waffenverkäufen und rangiert somit hinter Italien, Japan und Israel, aber vor Indien und Südkorea. Airbus wird bei der Sipri-Auswertung als „transeuropäischer“ Konzern gelistet, weil das Unternehmen seinen Sitz in mehr als nur einem Land hat.

          Die Verkäufe britischer Rüstungskonzerne sanken unter anderem wegen Verzögerungen beim Waffenmodernisierungsprogramm ihres Landes um 4,8 Prozent, die französischer Unternehmen stiegen um 2,4 Prozent. Großbritannien bleibt dennoch Europas Waffenverkäufer Nummer eins, gefolgt von Frankreich. Fast unverändert blieben die Rüstungsverkäufe aus Russland: Die zehn in den Top 100 gelisteten russischen Konzerne verkauften Güter und Dienste im Gesamtwert von 36,2 Milliarden Dollar, was einem minimalen Rückgang von 0,4 Prozent entsprach. Fünf der Unternehmen verzeichneten demnach Zuwächse, fünf Einbußen.

          Als Waffenverkäufe bezeichnet Sipri jeglichen Verkauf militärischer Güter und Dienstleistungen an militärische Abnehmer im In- wie im Ausland. Seit 2002 haben die Verkäufe laut den Friedensforschern insgesamt um knapp 47 Prozent zugenommen.

          Kirchliche Hilfswerke monieren Mitverantwortung Deutschlands

          Kirchliche Hilfswerke forderten angesichts der Zahlen eine restriktivere Rüstungspolitik. Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Waffen und Gewalt drohen die Erfolge, die verschiedene Akteure der Entwicklungszusammenarbeit weltweit über Jahre zum Wohle der Menschen aufgebaut haben, zu zerstören."

          Ähnlich urteilte Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von „Brot für die Welt“: „Der weltweite Waffenhandel steigt seit Jahren kontinuierlich an, und Deutschland kann sich als einer der fünf größten Rüstungsexporteure der Welt einer Mitverantwortung an diesem Trend nicht entziehen. Staaten, in denen seit Jahren Gewaltkonflikte toben, gehören auch deshalb zu den ärmsten der Welt. Sie verzeichnen eher Rückschritte als Entwicklungsfortschritte.“

          Füllkrug-Weitzel forderte, Deutschland müsse sich „endlich an seine eigenen Grundsätze halten und Rüstungsexporte in Krisenregionen, unter anderem an Staaten der von Saudi-Arabien geführten Jemen-Kriegskoalition, ausnahmslos verbieten“. Misereor-Chef Spiegel betonte: „Wir brauchen mehr Mittel für Krisenprävention und zivile Konfliktbearbeitung zum Schutz der Menschenrechte weltweit.“

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