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Sinkender Ölpreis : Der niedrige Ölpreis treibt erste Fracker in die Insolvenz

Förderung schrumpft

In der hochregulierten Post-Krisen-Bankenwelt führen die Institute die Kreditvergabe zurück, sagt Hedgefonds-Manager Donald Luskin. Dies sei ein Rezept für eine Rezession. Es wäre die erste Krise Amerikas, die durch billiges Öl statt durch teures ausgelöst würde. Kolumnist Paul Krugman teilt die Sorge: Eine kleine Ölpreissenkung hätte die Wirtschaft beflügelt, doch ein Preisrutsch um 70 Prozent seit dem Höchststand habe für die Branche drastische Effekte. Sie setze einen Prozess des Entschuldens in Gang, der die Weltkonjunktur zu einem Zeitpunkt nach unten ziehen könnte, da diese noch verletzlich sei.

Vielleicht muss man es nicht so düster sehen. Die Ölpreise könnten bis zum Jahresende wieder anziehen. Fracker sind zäh. Im vergangenen Jahr widerstand die Branche dem unerwarteten Preissturz am Ölmarkt besser, als die meisten Beobachter erwartet hatten. Sie stoppte die Investitionen und die Exploration weitgehend. In der Folge schrumpft ihre Förderung kontinuierlich – und das werde sich fortsetzen, sagte Jeff Currie, der leitende Rohstoffanalyst der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, am Freitag voraus. „Die amerikanische Schieferölbranche wird den Großteil der Anpassungen im Ölmarkt schultern müssen“, erwartet Currie. Die Schieferölförderung, die in den vergangenen Jahren stark gestiegen war, ist seit März 2015 bereits von rund 5,8 Millionen Fass am Tag auf knapp 4,9 Millionen Fass gesunken.

Rechnen mit höheren Ölpreisen

Auf etwas längere Sicht sind Fachleute deshalb durchaus optimistisch – zumindest für diejenigen, die lange genug durchhalten können, um die derzeitigen Preise zu überleben. Denn je billiger das Öl ist, desto stärker wird das Angebot am Ölmarkt schrumpfen, weil schwache Anbieter ihre Förderung drosseln müssen. Das aber lässt auf eine Erholung der Preise hoffen, zumindest dann, wenn die Ölnachfrage der Weltwirtschaft nicht unerwartet schwächeln sollte.

Die staatliche Energy Information Administration erwartet eine steigende Nachfrage. Die amerikanische Autoindustrie hat 2015 ihr bestes Jahr seit langem erlebt. 60 Prozent der gekauften Autos sind SUV oder Pick-up-Trucks, die mehr Brennstoff verbrauchen als die normalen Autos. Seit August 2014 geht der Verbrauch der neuen Fahrzeuge nach oben, und spritsparende Autos büßen Marktanteile ein.

Bereits in der zweiten Jahreshälfte werde sich die derzeitige Ölschwemme ins Gegenteil verkehren, erwartet Jeff Currie von Goldman Sachs. Dann werde die Nachfrage am Ölmarkt wieder größer sein als das Angebot, sagt er voraus. Auch die Analysten von Deutscher Bank und Morgan Stanley rechnen bislang für das zweite Halbjahr mit höheren Preisen: Im Schnitt werde Brent-Rohöl dieses Jahr rund 49 Dollar je Fass kosten – also rund 20 Dollar mehr als heute. Noch höher wettet Harold Hamm, der Chef und Gründer des großen amerikanischen Ölproduzenten Continental Resources, eines der größten Fracker. Er erwarte 60 Dollar bis zum Jahresende, verkündete er in einer Medienoffensive. Ein bisschen Zweckoptimismus mag dabei gewesen sein.

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