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Sinkende Preise : Die Stromrechnung wird günstiger

Hier steckt immer mehr Öko drin. Bild: AP

Die sinkenden Ölpreise bringen sinkende Gaspreise mit sich. Privatkunden und Unternehmen können sich freuen, denn nun dürfte auch die Stromrechnung 2015 günstiger ausfallen als im Vorjahr.

          3 Min.

          Weil die Öl- und in deren Folge die Gaspreise nach unten weisen, dürfte die Stromrechnung im neuen Jahr für Wirtschaft und Verbraucher günstiger ausfallen als im alten. Das erwartet die Agora Energiewende, eine Berliner Denkfabrik für Energiepolitik. Es gebe „Spielraum für Strompreissenkungen im Jahr 2015“, heißt es in einer, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegenden Analyse der Non-Profit-Gesellschaft, die an diesem Mittwoch veröffentlicht werden soll.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          „Sowohl die Vorab-Kontrakte an der Börse für 2015er-Strom als auch die EEG-Umlage 2015 fallen niedriger aus als 2014. Viele Stromvertriebe geben diese Vorteile ihren Kunden entsprechend weiter“, sagt Agora-Direktor Patrick Graichen. Die Erwartung wird von Preisvergleichsportalen gestützt, die fallende Preise beobachtet haben. 2014 waren die Strompreise an der Börse um mehr als 10 Prozent auf ein Rekordtief von 33 Euro je Megawattstunde gefallen.

          „Sowohl Großkunden, die unmittelbar von den sinkenden Börsenpreisen profitieren, aber auch Privathaushalte können 2015 mit leicht sinkenden Strompreisen rechnen“, schreibt Agora. Selbst wenn man davon ausgehe, dass nicht alle Preisvorteile bei den Kunden ankämen, „so müsste doch der Haushaltsstrompreis im Durchschnitt sinken“. Mit 29,4 Cent je Kilowattstunde (kWh) sollte er das Vorjahresniveau um 0,2 Cent unterbieten und auf den Stand von 2013 kommen. Das wären aber immer noch 10 Prozent mehr als 2012. Damals mussten Haushaltskunden im Schnitt nur 26,6 Cent je kWh zahlen.

          Energiewende auf einem guten Weg

          In seinem Jahresrückblick sieht Graichen die Energiewende „auf einem guten Weg“. Er begründet das mit einer Reihe von Faktoren. So sei die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen erstmals wichtigste Quelle im Strommix gewesen. Mit einem Anteil von 27,3 Prozent am deutschen Stromverbrauch hätten sie „dauerhaft die Braunkohle von Platz 1“ verdrängt (F.A.Z. vom 30. Dezember). Gleichzeitig sei der Stromverbrauch um 3,8 Prozent zurückgegangen.

          Graichen wertet das als Beleg dafür, dass sich Investitionen in stromsparende Geräte und Anlagen auszahlten. Denn die Wirtschaft sei mit etwa 1,4 Prozent 2014 vergleichsweise kräftig gewachsen. Zwar sei das deutsche Bruttoinlandsprodukt seit 1990 um 40 Prozent gestiegen, der Stromverbrauch aber nur um 5 Prozent. Damit stünden auch die Chancen nicht schlecht, dass die Regierung ihr Stromeinsparziel bis zum Jahr 2020 erreichen werde.

          Beide Faktoren – mehr Ökostrom und weniger Nachfrage – hätten dazu beigetragen, „die klimaschädliche Verstromung von Steinkohle 2014 auf das zweitniedrigste Niveau seit 1990“ zu drücken. Nur im Krisenjahr 2009 war der Verbrauch noch geringer. Das habe neben dem milden Winter 2013/14 zu einem deutlichen Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen im Strombereich geführt. Die Emissionen aus dem Stromsektor hätten voriges Jahr 301 Millionen Tonnen erreicht, ebenfalls der zweitniedrigste Wert seit 1990.

          Damit sei das „Paradoxon“ steigender CO2-Emissionen bei wachsendem Ökostromangebot aufgehoben, sagt Graichen. „Heute können wir feststellen, dass der Trend gebrochen ist – die erneuerbaren Energien wachsen weiter, die Treibhausgasemissionen sinken wieder.“

          Windkraft wird Zubau unter den erneuerbaren Energien dominieren

          Im Mix der Stromerzeugung seien Steinkohle und Erdgas die Verlierer, was auch die Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen und des Branchenverbands BDEW gezeigt hätten. Braunkohlekraftwerke, die besonders viel CO2 emittieren, produzierten hingegen weiterhin auf hohem Niveau. Daran dürfte sich laut Agora auch im neuen Jahr wenig ändern. Vor allem der Ausbau der Offshore-Windenergie werde in diesem Jahr einen Sprung machen und rechnerisch die Stromerzeugung des im Mai abzuschaltenden Kernkraftwerks Grafenrheinfeld kompensieren. Windkraft werde auch den Zubau unter den erneuerbaren Energien dominieren. Wie sich deren Anteil an Stromerzeugung und -verbrauch entwickele, hänge letztlich von der Elektrizitätsnachfrage und der Witterung ab.

          Niedrige Strompreise in Deutschland hätten für eine Steigerung der Exporte auf einen neuen Rekordwert gesorgt. Nachbarländer hätten unter dem Strich 34,1 Terawattstunden aus Deutschland eingeführt. Das seien 5,6 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms. Beim Stromexport dürfte damit das Maximum erreicht sein, meint Graichen.

          Positiv bewertet er, dass das Stromsystem flexibler geworden sei und das mit der Witterung schwankende Angebot von Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen besser verarbeiten könne. Als Beleg nimmt er die Zahl der Stunden, in denen so viel Strom im Netz war, dass ausländischen Kunden Geld dafür gezahlt wurde, dass sie den deutschen Strom abnahmen.

          Fachleute nennen das „negative Preise“. Solche wurden 2014 in 64 Stunden gezahlt, so viele wie im Vorjahr, obwohl damals erheblich weniger Grünstrom im Netz gewesen sei. Das zeige, „dass auch ein System mit viel Wind- und Solarstrom technisch beherrschbar ist“. Allerdings müsse in Sachen Flexibilität auf der technischen und der regulatorischen Seite noch einiges geschehen, denn der Wind- und Solarstromantrieb werde weiter wachsen. Dabei geht es nicht nur um bessere Wettervorhersagen, damit die Betreiber von Kohlekraftwerken und Netzen sich besser vorbereiten können, sondern auch darum, die Ökostromerzeuger dazu zu bringen, ihren Strom dann einzuspeisen, wenn er gebraucht wird.

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