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Sinkende Energiepreise : Wechsel des Gaslieferanten lohnt sich

  • -Aktualisiert am

Zu viel bezahlt? Gaszähler eines Haushalts in Frankfurt Bild: Sonntag, Florian

Erdgas wird immer billiger – aber die Verbraucher spüren kaum etwas davon. Nach einer Studie zahlen sie 1,5 Milliarden Euro mehr als nötig.

          Die Gaspreise sind in diesem Jahr stark gefallen. Allerdings haben das die wenigsten Verbraucher gespürt. Statt die im Jahresmittel um 8 Prozent niedrigeren Einkaufspreise an die Kunden weiterzugeben, habe die Gaswirtschaft ihren Profit gesteigert, heißt es in einem Gutachten für die Bundestagsfraktion der Grünen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Dabei geht es nicht um Kleingeld. Laut der der FAZ vorliegenden Studie summiert sich der Zusatzertrag auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne), rät Kunden zu preisgünstigeren Anbietern.

          Nach zwei stabilen Jahren seien die Gaspreise im europäischen Großhandel dieses Jahr eingebrochen, schreibt der Autor der Studie, Steffen Bukold. Habe Gas im Großhandel 2013 noch 2,71 Cent je Kilowattstunde (kWh) gekostet, sei der Preis im ersten Halbjahr 2014 auf 2,29 Cent und dann weiter auf 2,14 Cent/kWh abgerutscht. Demgegenüber sei das Niveau der Verbraucherpreise nur um 0,05 Cent auf 6,52 Cent/kWh gesunken.

          Haushalte bezahlen 540 Millionen zu viel

          „Da andere Kostenelemente wie Netzentgelte, Steuern oder Abgaben unverändert waren, gab es offenbar eine beträchtliche Margenausweitung bei den Gasanbietern, also bei den überregionalen und regionalen Gasversorgern, den Gashändlern oder den Stadtwerken“, schlussfolgert Bukold.

          Gasanbieter hätten ihre Marge um 0,45 Cent je Kilowattstunde ausgeweitet. Das habe der Branche Zusatzeinnahmen von 1,04 Milliarden Euro beschert. Weil auf den höheren Betrag Umsatzsteuer fällig wird, sei die Belastung der Haushalte auf 1,24 Milliarden Euro gestiegen. 540 Millionen Euro seien „zu viel gezahlt“ worden, weil das Gewerbe nicht von den Einkaufspreisen profitiert habe.

          Regional fällt die „entgangene Ersparnis“ unterschiedlich aus. Bei einem Verbrauch von 20.000 kWh betrug sie für Haushalte in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein 139 Euro, in Berlin waren es nur 17 Euro.

          Wenn nicht Stadtwerke dann Gaslieferant

          Der Energie-Branchenverband BDEW hegt Zweifel an der Berechnung auf Basis der diesjährigen Großhandelspreise. „Bei der Erdgas-Beschaffung wählen die Versorger auch Lieferprodukte, bei denen Erdgas teilweise auch über mehrere Jahre im Voraus eingekauft werden kann, um die Versorgung der Kunden jederzeit sicherstellen zu können“, sagt ein Sprecher. Das und auch den Vorhalt, die Großhandelspreise spiegelten die echten Kosten – etwa für an den Preis von Warenkörben gebundenes Pipelinegas – nicht wider, lässt Bukold nicht gelten.

          Der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle veröffentlichte Importpreis, der stark von russischem Gas geprägt wird, sei „nicht mehr weit“ von denen an Großhandelsplätzen und Börsen entfernt. Es könne zwar sein, dass einzelne Lieferanten wie Stadtwerke sich 2013 eingedeckt hätten und nun von Preissenkungen nicht profitierten. Ihre Mehrkosten fielen allerdings beim Gaslieferanten als Gewinn an.

          Auch der These, Gasversorger hätten ihre Preissenkung nur verschoben, traut Bukold nicht. Seit Oktober hätten von bundesweit 780 Gasversorgern nur 97 eine Preissenkung angekündigt oder praktiziert. Im Schnitt seien das 4,8 Prozent. Acht Versorger würden die Preise um 4,2 Prozent anheben.

          Er könne nicht erkennen, dass die Kostensenkung zeitversetzt an die Verbraucher weitergegeben werde. „Wenn die Großhandelspreise 2015 zunächst auf ähnlichem Niveau bleiben wie im zweiten Halbjahr 2014, wäre eine Gaspreissenkung um etwa 10 Prozent angebracht.“ Höhn von den Grünen kommentiert das mit den Worten, es sei gut, dass einige Gasversorger ihre Preise reduziert hätten. Das steigere den Druck auf andere. „Wenn nicht im Laufe der nächsten Monate eine Preissenkung ankündigt ist, sollte man einen Wechsel seines Versorgers in Betracht ziehen“, sagt Höhn.

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