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Grüner Strom : So will Singapur Solarenergie auf dem Wasser gewinnen

Schwimmende Photovoltaik-Systeme haben Potential

Doch natürlich blicken die Behörden der Stadt auch in die andere Richtung: Welchen Einfluss hat eine großflächige Abdeckung von Seen auf die Natur? „Schwimmende Photovoltaik-Systeme, die über unseren Wasserflächen installiert sind, helfen nicht nur, Landfläche zu sparen, sondern sie besitzen auch das Potential, die Verdunstungsverluste unserer Wasserspeicher zu mindern“, sagt Singapurs Minister für Wasser, Umwelt und Rohstoffe, Masagos Zulkifli. „Derzeit wird untersucht, welchen Einfluss die Abdeckung auf das Wachstum von Algen hat. Weniger Bestrahlung dürfte ihren Wuchs einschränken“, berichtet Lu. Jeder Bolzen, jede Planke der Flöße wurde von der Wasserbehörde auf ihre Verträglichkeit getestet, erzählt der junge Wissenschaftler. China hat sich unterdessen schon für ein System entschieden: Die dortige Sungrow Power Supply hat Mitte Mai in der Provinz Anhui eine schwimmende Sonnenfarm angefahren, die 40 Megawatt Kapazität besitzt. Sie ist in einer gefluteten Mine verankert und gilt als die bislang größte der Welt.

In greifbarer Nähe: Lu Zhao stellt das innovative Projekt vor.

Singapur ist nicht nur an den Versuchen interessiert, weil sich die Stadt als Forschungsstandort profiliert. Sie bemüht sich auf lange Sicht auch, ihre Abhängigkeit von den Nachbarländern zu verringern. Die Arbeit der Seris-Forscher an ihrem Solarfloss wird deshalb auf anderer Ebene auf einer künstlichen Insel im Meer ergänzt: Die 350 Hektar große Insel Semakau ist durch das Lagern der Asche der Müllverbrennung Singapurs entstanden. Inzwischen werden auf ihr optimale Energienetze erprobt – es geht um die richtige Mischung aus Sonnen-, Wind- und Dieselenergie. Semakau könnte damit die Antwort auf den jeweils besten Energiemix für Asiens entlegene Orte geben und Singapur einen weiteren Schritt auf dem Weg in die Unabhängigkeit vom Gas Indonesiens führen.

„Plattformen auf dem Meer zu bauen wird noch dauern“

Die Seris-Versuche auf dem Stausee sind denn auch nur ein Vorläufer für kompliziertere Verfahren, bei denen die Meeresoberfläche mit Solarpaneelen bedeckt werden könnte. Immerhin dürfte der Markt für erneuerbare Energie in den zehn Ländern Südostasiens bis 2025 um 50 Prozent wachsen. Dann soll ein knappes Viertel ihres Energieverbrauchs aus Sonne, Wind, Biogas oder Meereskraft gespeist werden. Diese enormen Geschäftsmöglichkeiten will Singapur für sich nutzen.

„Plattformen auf dem Meer zu bauen wird noch dauern, es ist wesentlich komplizierter“, sagt Lu. Doch wird der weit in die Zukunft planende, straff geführte Stadtstaat daran arbeiten, erneuerbare Energien zu stärken. Denn die Insel selbst bietet viel zu wenig Platz, um große Solarfarmen zu bauen – Wasser aber gibt es in Hülle und Fülle. Da der Energiegewinn auf dem Wasser aber immer noch rund 20 Prozent teurer ist als derjenige auf Dachflächen, suchen die Forscher auch nach dem preiswertesten, verlässlichen Verfahren. Die Hoffnungen sind groß: „Auf Dauer könnten wir einige hundert Megawatt auf den Stauseen gewinnen“, sagt Lu. Als Faustformel gelte, dass ein Hektar Wasserfläche mit Solarmodulen etwa ein Megawatt Strom erzeuge. Noch in diesem Jahr, so kündigte der Minister an, würden Fläche und Ausstoß des Solarfloßes verdoppelt werden.

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