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Wagniskapitalgeber : Silicon Valley macht Druck auf seine Investoren

Anne Wojcicki, Gründerin des Gentechnikunternehmens 23 and Me. Bild: Reuters

Die Wagniskapitalszene gilt als „Boys‘ Club“. Jetzt drohen Start-Ups wie Airbnb, künftig Geldgeber zu meiden, bei denen nur weiße Männer das Sagen haben. Freilich kann nicht jeder wählerisch sein.

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          Wenn nach Gründen gesucht wird, warum Frauen und ethnische Minderheiten in der amerikanischen Technologiebranche unterrepräsentiert sind, wird oft mit dem Finger auf die Wagniskapitalgeber gezeigt. Diese Investoren sind für Unternehmensgründer im Silicon Valley eine unverzichtbare Geldquelle und daher eine sehr mächtige Gruppe. Sie gelten aber als ein von weißen Männern dominierter „Boys‘ Club“, noch in viel größerem Maße als Technologieunternehmen selbst. Bei den Internetkonzernen Google und Facebook zum Beispiel sind etwas mehr als 30 Prozent der Belegschaft weiblich, in Führungspositionen sind es 25 und 28 Prozent. In Wagniskapitalgesellschaften sind nach einer Umfrage des Branchenverbandes National Venture Capital Association nur 11 Prozent der für Investitionsentscheidungen zuständigen Partner weiblich. Und unter den insgesamt 2500 Befragten gab es keinen einzigen schwarzen Partner.

          „Man investiert in das, was man kennt“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auf der Digitalkonferenz „South by Southwest“ in Austin beschrieb kürzlich Melinda Gates diesen Mangel an Vielfalt („Diversity“) als einen wesentlichen Grund, warum der mit Abstand größte Teil des Wagniskapitals heute an weiße männlicher Gründer geht. „Man investiert einfach in das, was man kennt,“ sagte die Frau von Bill Gates, dem Mitgründer des Softwarekonzerns Microsoft. Im vergangenen Jahr entfielen nur zwei Prozent des gesamten in den Vereinigten Staaten vergebenen Risikokapitals auf weibliche Gründer. Um das zu ändern, hat Melinda Gates kürzlich in eine Wagniskapitalgesellschaft investiert, die von zwei Frauen gegründet worden ist und die überdurchschnittlich viele Unternehmen mit Frauen oder Angehörigen ethnischer Minderheiten finanziert.

          Jetzt gibt es einen weiteren Vorstoß mit prominenten Namen, der darauf abzielt, Frauen und andere unterrepräsentierte Gruppen in der Wagniskapitalszene und damit auch in der Technologiebranche allgemein voranzubringen. Die jetzt von mehr als 600 Gründern und Vorstandsvorsitzenden ins Leben gerufene Initiative „Founders for Change“ will dies auf etwas ungewöhnliche Weise schaffen. Die Mitglieder drohen damit, Investoren zu meiden, bei denen nur weiße Männer das Sagen haben. Ihr Leitsatz lautet: „Wenn ich künftig die Wahl von Investmentpartnern habe, wird die Vielfalt ihrer Firmen eine wichtige Rolle spielen.“ Viele Gründer seien „enttäuscht“, wie wenig Vielfalt es derzeit in den Wagniskapitalgesellschaften gebe, heißt es auf der Internetseite der Initiative.

          Die prominentesten Unternehmensgründer

          Die prominentesten Unternehmensgründer in Gruppe gehören nicht etwa den unterrepräsentierten Personenkreisen an, sondern sind weiße Männer. Beispielsweise Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk vom Zimmervermittler Airbnb, Kevin Systrom und Mike Krieger von der Fotoplattform Instagram, John Zimmer und Logan Green vom Fahrdienst Lyft oder Drew Houston von Dropbox, dem gerade an die Börse gegangenen Spezialisten für Online-Speicherung von Daten. Eine der bekanntesten weiblichen Gründerinnen unter den „Founders for Change“ ist Anne Wojcicki vom Gentechnikunternehmen 23 and Me.

          Die Initiative hat freilich einen Haken: Airbnb dürfte es als eines der am höchsten bewerteten amerikanischen Start-Up-Unternehmen vergleichsweise leicht fallen, Bedingungen zu stellen, Instagram gehört zum sozialen Netzwerk Facebook und ist damit – ebensowenig wie der Börsendebütant Dropbox – nicht mehr auf Wagniskapital angewiesen.

          Viele andere Gründer werden es sich dagegen womöglich nicht leisten können, bei der Suche nach Investoren allzu wählerisch zu sein. Steve Blank, ein Dozent an der Stanford-Universität im Silicon Valley, sagte der Zeitung „San Jose Mercury News“, gerade Gründer, deren Unternehmen noch in der Startphase sei, hätten diesen Luxus nicht. „Du nimmst jeden Scheck, den Du einlösen kannst.“

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