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: Siemens hofft auf Staatsaufträge

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kön. MÜNCHEN, 22. Juni. Die erhofften Aufträge aus den weltweit aufgelegten staatlichen Konjunkturprogrammen können die Rückgänge im regulären Geschäft des Siemens-Konzerns bei weitem nicht kompensieren, sondern bestenfalls abfedern.

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          kön. MÜNCHEN, 22. Juni. Die erhofften Aufträge aus den weltweit aufgelegten staatlichen Korrekturprogrammen können die Rückgänge im regulären Geschäft des Siemens-Konzerns bei weitem nicht kompensieren, sondern bestenfalls abfedern. Vorstandsvorsitzender Peter Löscher kündigte am Montag an, dass der Münchener Elektronik- und Industriekonzern zwischen 2010 und 2012 rund 15 Milliarden Euro an Aufträgen aus staatlichen Hilfsprogrammen erwartet. Davon würden 40 Prozent oder rund 6 Milliarden Euro auf die Umwelttechnik wie Windkraftanlagen und Solartechnik entfallen. In einer Telefonkonferenz machte Löscher klar, dass die staatlichen Hilfsprogramme frühestens im nächsten Jahr greifen und an Dynamik gewinnen würden.

          Jährlich rechnet das Unternehmen also mit 5 Milliarden Euro Auftragseingängen für staatliche Projekte. Allein in der ersten Hälfte des aktuellen Geschäftsjahres 2008/2009 (30. September) gingen die Aufträge um 10 Prozent oder um 4,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr zurück. Dabei wird sich das dritte und vierte Quartal weiter abschwächen, wiederholte Löscher seine Aussage von Ende April. Während der Vorlage der Halbjahreszahlen hatte Siemens seine Gewinnprognose korrigiert, wonach das operative Ergebnis nur noch den Vorjahreswert von 6,6 Milliarden Euro erreichen werde, nicht die ursprünglich angepeilten 8 bis 8,5 Milliarden Euro. Immerhin gab Löscher aber zu verstehen, dass sich nach seiner Ansicht die Abwärtsentwicklung verlangsame. "Es besteht also die berechtigte Hoffnung, dass wir uns der Talsohle nähern", sagte er. Ende April betonte er noch: "Wir sehen keinerlei Bodenbildung." Dennoch sind die Prognosen nochmals vorsichtiger geworden. Finanzvorstand Joe Kaeser sagte am Montag zur Umsatzerwartung eher einsilbig, dass sich Siemens in diesem Jahr besser schlagen wolle als der Wettbewerb. Vor zwei Monaten hieß es hingegen noch, der Umsatz werde nicht nennenswert zulegen - wenn überhaupt. Er ging damals von einer Stagnation aus. Nun schließt Kaeser ein Umsatzminus nicht aus.

          Die staatlich gestützten Stabilitätsprogramme können da noch nicht aushelfen. Denn zunächst werden diese sich nur auf den Auftragseingang auswirken und erst deutlich später im Umsatz bemerkbar machen, da es sich oftmals um langfristige Infrastrukturprojekte handelt.

          Die Auftragsrückgänge aus dem normalen Geschäft der Sektoren Industrie, Energie und Medizintechnik könnten sich im nächsten Jahr noch weiter verschlechtern, da die Geschäfte in manchen Bereichen der konjunkturellen Entwicklung hinterherhinken.

          Umso wichtiger sind somit für Siemens die weltweiten Konjunkturprogramme, die abfedernd wirken sollen. Hinzu kommt, dass die Aufträge auch von anderen Wettbewerber wie General Electric oder die Schweizer ABB begehrt sein werden, weshalb sich Siemens auch einem gewissen Gegenwind ausgesetzt sehen wird. "Die Aufträge werden hart umkämpft sein", sagte Kaeser. Da es sich bei solchen Projekten aber auch um Hochtechnologie handele, würden diese bestimmt nicht zu schlechteren Umsatzrenditen gegenüber heutigen Projekten umsetzen.

          Die 15 Milliarden Euro Auftragspotential hat Siemens nach der simplen Methode des Marktanteils von durchschnittlich 10 Prozent ermittelt. Rund 700 Milliarden Euro würden für den Auf- und Ausbau von öffentlicher Infrastruktur aufgewendet werden. Davon wieder fließen 150 Milliarden Euro in Märkte in denen Siemens vertreten ist. Rund 6 Milliarden Euro erwartet Siemens aus Umweltaufträgen, womit der Konzern auf dem besten Weg sein wird, den Umsatz mit Umweltprodukten von zuletzt 19 Milliarden Euro auf 25 Milliarden Euro im Jahr 2011 zu steigern. Siemens verspricht sich vor allem Aufträge zum Bau von Windkraftanlagen, besonders auf dem Meer (Off Shore), Solar-Energietechnik und etwa energieeffiziente Stromübertragung. Allein in diesen Bereichen würde es in den nächsten Jahren Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent geben. Die Amerikaner etwa wollen konkret in die Infrastruktur für die Stromübertragung 4,5 Milliarden Euro investieren, wo Siemens mit ABB konkurriert. Für Hochgeschwindigkeitszüge sind Etats von mehr als 8 Milliarden Dollar vorgesehen. Ob Siemens da aber Chancen hat, bleibt fraglich, da die Konkurrenz unter anderem mit der französischen Alstom stark sein wird.

          Die größten Beiträge erhofft sich Löscher aus den bereits verabschiedeten Programmen in den Vereinigten Staaten und in China. Furcht vor protektionistischen Tendenzen in den einzelnen Ländern mit bevorzugter Auftragsvergabe an nationale Unternehmen hat er nicht. Zudem sei Siemens mit lokaler Fertigung in vielen Ländern bereits vertreten. Um lokale Wertschöpfung, sagte Löscher, komme Siemens nicht umhin.

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