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Busch soll auf Kaeser folgen : Siemens bereitet Führungswechsel vor

Joe Kaeser Bild: EPA

Vorstand Michael Sen soll die Sparte Energietechnik an die Börse führen. Damit kann sein Kollege Roland Busch Konzernlenker Joe Kaeser ablösen.

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          Michael Sen soll Vorstandvorsitzender der an die Börse gehenden Energiesparte Siemens Gas and Power werden. Der Siemens-Aufsichtsrat hat am Mittwochabend diese Personalentscheidung mit Reichweite getroffen. Sen, 50 Jahre alt, ist bislang im Technologiekonzern als Vorstand für die börsennotierten Gesellschaften Siemens Gamesa (Windenergie) und Siemens Healthineers (Medizintechnik) zuständig. Seine Kür zum Chef des absehbaren neuen Börsengewichts wurde erwartet. Sie ist zugleich ein Indiz für einen eingeengten Kandidatenkreis für die Nachfolge von Konzernchef Joe Kaeser. Sen galt bis dato als ein Favorit.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Der Aufsichtsrat hat aber auch in der Frage eine wichtige Weiche gestellt. Ebenso beschloss das Gremium nämlich, Technologievorstand Roland Busch, 54 Jahre, per 1. Oktober zum stellvertretenden Vorsitzenden zu ernennen; eine Position, die es bislang im Unternehmen nicht gegeben hat. Damit kommt Busch in die Kronprinzenrolle. Wann er Kaeser, 62 Jahre, folgt. Wird erst im Sommer nächsten Jahres entschieden. Busch ist nicht nur zum neuen Arbeitsdirektor ernannt worden und übernimmt die Aufgaben der im Januar 2020 ausscheidenden Personalvorständin Janina Kugel. Explizit ist der auch mit dem umsetzen der von Kaeser entworfenen Strategie „Vision 2020+“ beauftragt, die Siemens grundlegenden umbaut und zu einem Digitalunternehmen mit vernetzten Angeboten in der Produktion und Infrastruktur machen soll. Als Strategiechef ist Busch damit zwar vertraut. Doch hat er nun ein Dreivierteljahr, sich zu beweisen. Unterschwellig ist zu vernehmen: Schafft er es nicht, würde Kaeser nicht – wie geplant – im Januar 2021 ausscheiden, sondern verlängern. Roland Busch hat bislang neben Sen immer als Favorit für die Nachfolge gegolten. Mit den Beschlüssen des Aufsichtsrates von Mittwoch sind zumindest einige Unklarheiten über die Zukunft des Konzerns beseitigt, die immer wieder bemängelt worden waren.

          Roland Busch

          Währenddessen wird nun der mit Börsenvorbereitungen erfahrene Michael Sen die Siemens-Energietechnik für den Aktienmarkt fit machen: organisatorisch wie auch in der – derzeit schwachen – Ertragskraft. Das „Siemens Powerhouse“ (Arbeitstitel) soll im ersten Halbjahr 2020 ausgegliedert und spätestens im September 2020 an die Börse gebracht werden. Siemens-Aktionäre erhalten Anteile an der neuen Gesellschaft, die mit 80000 Mitarbeitern 30 Milliarden Euro im Jahr erlöst. Der Technologiekonzern würde nach der Transaktion um ein Drittel verkleinert. Siemens Gas and Power besteht aus der angeschlagenen konventionellen Kraftwerkssparte, Anlagen für die Öl- und Gasindustrie sowie aus der Mehrheit von 59 Prozent am Gemeinschaftunternehmen Siemens Gamesa.

          Die Muttergesellschaft wird im ersten Schritt ihre Beteiligung an Siemens Power auf weniger als 50 Prozent reduzieren. Damit kann der Börsenneuling vom Wert her und auch wegen des relativ breiten Streubesitzes schnell zum Dax-Kandidaten werden. Siemens würde mit zwei Unternehmen im deutschen Börsenoberhaus vertreten sein, Sen sich nahezu auf Augenhöhe mit Kaeser befinden.

          Michael Sen

          Die aktuelle Chefin der Energietechnik, die 55 Jahre alte Amerikanerin Lisa Davis, wird somit ausscheiden. Sie übernahm im Frühjahr 2014 die Position und leitete das Geschäft von Houston aus. Die neue Einheit soll ihren Sitz wieder in Deutschland haben und womöglich von Berlin aus geführt werden. Erlangen, wo auch Healthineers sitzt, wird ebenso als Standort gehandelt.

          Wegen seiner Qualifikationen ist Sen der ideale Kandidat für den neuen Posten gewesen. Er gilt als Gewächs von Siemens, wo er nach dem Studium anfing. Neben den Schwerpunkten Finanzen und Akquisitionen übernahm er zudem strategische Aufgaben zunächst im früheren Unternehmensbereich Information und mobile Kommunikation. 2008 zog er nach Erlangen zur Medizintechnik, wo er Finanzvorstand wurde. Im Hintergrund hat er die durch große Zukäufe in Unordnung geratene Sparte neu aufgestellt und die Blaupausen einer Struktur erstellt, die im Grundsatz die heutige, börsennotierte Healthineers prägen. Der Aufstieg zum Vorstandschef der Medizintechnik war ihm indes verwehrt, weshalb er 2015 für zwei Jahre als Finanzchef zum Energiekonzern Eon wechselte. Dort fädelte er den Börsengang der Kraftwerkssparte Uniper ein.

          Im Jahr 2017 holte Kaeser ihn mit der Aufgabe zurück, in der neuen Sorgensparte Siemens Gamesa aufzuräumen und die Kulturkämpfe mit den spanischen Partnern zu überwinden. Außerdem kümmerte sich Sen um die ins Stocken geratenen Börsenvorbereitungen von Healthineers. In der Energietechnik kann er sich allen voran mit einem erfolgreichen Börsengang verwirklichen – zusammen mit dem bereits ernannten Finanzvorstand Klaus Patzak, 54 Jahre, der als Finanzchef von Osram über einen kurzen Zwischenstopp bei Bilfinger zurückkehrte.

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