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„Shutdown“ trifft Amerikaner : Wenn der Gefängniskoch kein Gehalt bekommt

  • Aktualisiert am

Eine leere Gefängnis-Kantine in Philadelphia. Bild: AP

Die Haushaltssperre in Amerika ist inzwischen die längste in der Geschichte des Landes. Bei Beamten sind nun die ersten Gehaltsschecks ausgefallen. Einige von ihnen können demnächst ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen – wie Clifton Buchanan aus Texas.

          Für Clifton Buchanan wird es jetzt eng. Der Mann aus Texas hat zum Ende der Woche wegen der Haushaltssperre in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal keinen Gehaltsscheck bekommen – wie Hunderttausende andere Amerikaner auch. Erspartes hat der 50-Jährige nicht, dafür aber eine Familie zu ernähren und ein Haus abzubezahlen. Buchanan ist Alleinverdiener, hat eine Frau und eine elfjährige Tochter. Er ist einer von rund 800.000 Bundesbediensteten, die seit kurz vor Weihnachten im unbezahlten Zwangsurlaub ausharren oder ohne Bezahlung weiterarbeiten müssen, weil ein politischer Streit Teile des Regierungsapparats in Amerika lahmlegt.

          Die vergangenen drei Wochen waren schon belastend für Buchanan. Aber durch die ausgefallene Gehaltszahlung ist er nun – wie viele andere auch – richtig in Schwierigkeiten. Seit Samstag ist es der längste „Shutdown“ in der amerikanischen Geschichte – und ein Ende nicht in Sicht.

          Seit zwei Wochen im Zwangsurlaub

          Buchanan arbeitet seit mehr als 20 Jahren für den Staat. Eigentlich ist er Gefängniskoch. Seit ein paar Jahren ist er abgestellt als Arbeitnehmervertreter für Gefängnismitarbeiter in Texas und Staaten nebenan. Seit drei Wochen ist er zwangsbeurlaubt, ohne Gehalt.

          Clifton Buchanan

          Buchanan ist ein großer, wuchtiger Mann mit Rauschebart und tiefer Stimme. Trotzdem wirkt er nun etwas hilflos. Er könne jetzt keine Rechnungen mehr bezahlen, sagt er. Und ab sofort auch nur noch das Nötigste kaufen: Essen, Sprit oder Schulsachen für seine Tochter. Der Zustand kratzt an seinem Stolz. „Ich habe immer meine Rechnungen bezahlt, ich war noch nie zu spät dran.“ Nun ist das anders. Er habe Angst, sein Haus und sein Auto zu verlieren, wenn er die Kreditraten dafür nicht mehr zahlen könne, erzählt Buchanan.

          „Ich habe kein Erspartes“

          Rücklagen hat er nicht. Bei einem einzelnen Einkommen für seine dreiköpfige Familie bleibe am Ende des Monats nichts übrig. „Ich habe kein Erspartes. Wir leben von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck.“

          Das geht vielen Amerikanern so. Die amerikanische Notenbank Fed berichtete im vergangenen Jahr, 40 Prozent der Amerikaner könnten eine unerwartete Ausgabe in Höhe von 400 Dollar (knapp 350 Euro) nicht stemmen, ohne sich Geld zu leihen oder Besitz verkaufen zu müssen.

          Und genau das tun nun einige in ihrer Not: Die ersten Bundesbediensteten durchstöbern ihr Zuhause und verhökern im Internet Habseligkeiten, um ein bisschen Geld hereinzubekommen. Etliche haben Anzeigen auf der Plattform GoFundMe geschaltet, veröffentlichen dort Bilder von ihrer Familie und erzählen von ihren finanziellen Schwierigkeiten – in der Hoffnung auf Spenden. Sie habe nie im Leben gedacht, dass sie mal auf der Plattform um Spenden bitten müsste, schreibt eine alleinerziehende Mutter aus Arizona dort. Aber wegen des ausgefallenen Gehalts wisse sie sich nicht anders zu helfen.

          Manche Beamte schauen nach anderen Jobs

          Manche halten auch schon nach anderen Jobs Ausschau – für den Fall, dass der Regierungsstillstand noch lange anhält. Präsident Donald Trump hat damit gedroht, der Zustand könne Monate oder sogar Jahre andauern. Damit wollte er Druck auf die Demokraten machen, mit denen er seit Wochen um Milliarden für eine Grenzmauer zu Mexiko streitet. Verängstigt hat er aber vor allem jene, die zu Hause sitzen und nicht wissen, wie sie die nächste Miete zahlen sollen.

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