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Chancen der Digitalisierung : Facebook verkauft sich als Jobmotor

Facebook-Managerin Sheryl Sandberg sieht das Soziale Netzwerk als Jobmaschine. Bild: Reuters

Vernichtet die Digitalisierung Arbeitsplätze? Von wegen, sagt Facebook-Managerin Sheryl Sandberg und lässt Deloitte für sich nachrechnen: Durch das Soziale Netzwerk seien schon 4,5 Millionen Arbeitsplätze entstanden.

          Das soziale Netzwerk Facebook ist mehr als eine Plattform zum Teilen von Neuigkeiten, Fotos oder sogenannten Status-Updates. Sheryl Sandberg, als Chief Operating Officer im Vorstand von Facebook für das Tagesgeschäft zuständig, hat zum Weltwirtschaftsforum in Davos Zahlen mitgebracht, die belegen sollen, dass im vergangenen Jahr alle Unternehmen auf der Welt mit der Hilfe von Facebook 227 Milliarden Dollar Umsatz gemacht haben – und aus diesem Grund direkt und indirekt 4,5 Millionen Arbeitsplätze entstanden sind.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Ausgerechnet hat das die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte, und die Zahlen schließen den Umsatz und die Arbeitsplätze, die Facebook als Unternehmen selbst schafft, ausdrücklich nicht ein. Auch die Facebook-Tochtergesellschaft Whatsapp bleibt in der Analyse mit ihren Zahlen unberücksichtigt.

          Sandberg weiß um die Diskussionen darüber, dass die Digitalisierung der Wirtschaft Arbeitsplätze vernichtet – diese Zahlen belegen für sie das Gegenteil, beziehungsweise zeugen von den neuen Möglichkeiten durch Plattformen wie Facebook mit seinen 1,35 Milliarden Mitgliedern: „Es ist gut, dass wir diese Zahlen zum Weltwirtschaftsforum veröffentlichen können. Den Sorgen um Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen können wir entgegenhalten, dass Facebook neue Chancen schafft“, sagte Sandberg im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, kurz vor der offiziellen Eröffnung des Forums in Davos: „Facebook hilft gerade kleinen und mittelgroßen Betrieben dabei, die Chancen der Digitalisierung und des Internets für sich zu nutzen.“

          Vom Reisebüro bis zum Cupcake-Laden

          „Es ist viel einfacher, eine Geschäftspräsenz im Internet mit der Hilfe von Facebook aufzubauen, als eine eigene Website zu betreiben“, sagt Sandberg – und nennt aus dem Stegreif einige Beispiele für entsprechende Betriebe, die sie auf ihren Reisen rund um die Welt kennengelernt hat.

          Immer und überall am Puls der Zeit: dieser Trend hilft auch kleinen Unternehmen.

          In Deutschland lassen sich hier zum Beispiel die Unternehmen Fincallorca, ein auf Mallorca und die Balearen konzentriertes Online-Reisebüro mit 25 Angestellten in Berlin und Bielefeld, und der „Cupcakeladen“ in Berlin-Schöneberg mit inzwischen fünf Mitarbeitern nennen. Beide Unternehmen bestätigen, dass ihnen Facebook erheblich beim Umsatzwachstum hilft. Fincallorca zum Beispiel freut sich auf Facebook schon über mehr als 200 000 sogenannte „Likes“.

          30 Millionen kleine Betriebe mit Facebook-Präsenz

          Aus den Zahlen von Facebook wiederum ist bekannt, dass zur Mitte des vergangenen Jahres mehr als 30 Millionen kleine und mittlere Betriebe eine entsprechende Seite auf Facebook betrieben haben. „Facebook schafft deshalb auch nicht nur Stellen in technischen Berufen, wie man vielleicht annehmen könnte“, sagt Sandberg. Vielmehr sei die Bandbreite viel größer, vom Landwirt, über Menschen, die einfach nur etwas verkaufen wollten, bis hin zu Juristen.

          Deloitte hat die Zahlen nicht nur für die ganze Welt aufbereitet, sondern auch für einzelne Regionen. Dabei zeigt sich, dass der wirtschaftliche Einfluss von Facebook in den Vereinigten Staaten (104 Milliarden Dollar) und Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (70 Milliarden Dollar) besonders groß ist. Hier wurden mit 1,2 Millionen beziehungsweise 1,5 Millionen Arbeitsplätzen auch jeweils die meisten Stellen durch Facebook geschaffen.

          Europäer sind besonders geschäftstüchtig

          „Die Zahlen in Europa sind auch deshalb so hoch, weil in der Region sehr viele Menschen sehr unternehmerisch denken“, sagt Sandberg. Der Vermutung, dass die wirtschaftliche Lage und der Tatendrang der Europäer oft negativer dargestellt wird als nötig und richtig, will sie nicht widersprechen.

          Da Facebook in China noch nicht vertreten ist, fällt der in der Region Asien/Pazifik generierte Umsatz mit 35 Milliarden Dollar noch vergleichsweise bescheiden aus. Allerdings sind, relativ betrachtet, auch hier die Auswirkungen auf neu geschaffene Stellen mit 1,3 Millionen Arbeitsplätzen erheblich. Auf Zentral- und Südamerika wiederum entfallen 21 Milliarden Dollar Umsatz und 600 000 Stellen. Die Werte fließen in die jeweiligen Bruttoinlandsprodukte der Länder ein.

          Gespeist werden die Umsätze aus drei Quellen: Der Löwenanteil von 148 Milliarden Euro wurde auf der ganzen Welt durch Werbung und ihre Umsatzauswirkungen erzielt. Facebook-Apps und darauf aufbauende Angebote und Kontakte auf der Plattform sorgten für weitere 29 Milliarden Euro Umsatz – auch mit der Programmierung dieser Anwendungen werden nach den Worten von Sandberg sehr viele Stellen in kleineren Unternehmen geschaffen. Hinzu kommen 50 Milliarden Dollar, die umgesetzt werden, weil Facebook eine erhöhte Nachfrage nach Smartphones, Tablets oder Breitband-Internetanschlüssen ausgelöst hat.

          Allein auf Deutschland bezogen, ergibt sich laut Deloitte eine Umsatzsteigerung von 7 Milliarden Dollar und 84 000 Stellen – in Europa ist der Einfluss nur in Großbritannien höher (10 Milliarden Dollar und 154 000 Stellen). Um dem Vorwurf zu begegnen, die Effekte seien möglicherweise zu optimistisch berechnet, verweist Sandberg auf die unabhängige Erhebung durch Deloitte. In der entsprechenden Studie wiederum nehmen die Erläuterungen zur Herleitung der Zahlen mehrere Seiten ein, die zumindest von einem ernsthaften Bemühen zeugen, mit den Werten der Wahrheit möglichst nahe zu kommen.

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