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Share Economy : Vom Wert des Teilens

  • -Aktualisiert am

Hereinspaziert: Wer in einer Privatwohnung übernachtet, kann auch gleich sozialen Anschluss finden. Bild: dpa

Die Ökonomie des Teilens erscheint vielen als die bessere, die sauberere, die menschlichere Wirtschaft, gar als ein neues Bündnis von Moral und Effizienz. Doch nicht alle Verheißungen, die ihr aufgeladen werden, hält sie auch. Ein Gastbeitrag.

          Wissen Sie eigentlich schon, wie Sie nach der Party wieder nach Hause kommen? Werden Sie versuchen, ein Taxi zu ergattern? Oder haben Sie kein Interesse an Feiern und hätten lieber noch einen kleinen Nebenverdienst? In beiden Fällen kann die Share Economy, die Ökonomie des Teilens, helfen. Privatleute stellen zeitweilig Waren, die ihr Eigentum sind, und Dienstleistungen Dritten zur Verfügung. Im Idealfall koordinieren sich die Partner virtuell. Konkret: Ich gebe per Smartphone-App bekannt, wann und wo ich mit meinem privaten Auto zur Verfügung stehe, fahre die Fahrgäste zum gewünschten Ort und lasse mich dafür bezahlen.

          Die Idee, Dinge zu teilen, ist natürlich nicht neu. Schon archaische Stammesverbände nutzten Ressourcen gemeinsam, und auch in modernen Industriegesellschaften gibt es seit jeher Möglichkeiten, Güter zu pachten, zu mieten, zu leihen oder unentgeltlich anderen zu überlassen. Man denke nur an die Lesezirkel für Friseursalons und Arztpraxen, landwirtschaftliche Genossenschaften oder die Autovermietung. Neu hingegen ist die rasante Verbreitung der Ökonomie des Teilens: Durch digitale Technologien, insbesondere das Internet, bieten sich ganz neue Möglichkeiten. Suchte man vor zwanzig Jahren Mitfahrgelegenheiten noch per Aushang oder Annonce und musste sich aufwendig miteinander koordinieren, so erledigt dies heutzutage eine App in einem Bruchteil der Zeit.

          Die Transaktionskosten, die bei der Anbahnung von Geschäften entstehen, schmelzen dahin. Der amerikanische Ökonom Jeremy Rifkin sieht sogar eine „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ entstehen, da die Kosten für jeden weiteren Nutzer sehr gering sind und auf diese Weise Plattformen praktisch unendlich und weltweit ausgedehnt werden können. Es kommt noch ein Weiteres hinzu. Die Koordination im Internet macht es viel einfacher, Menschen zusammenzubringen. Dies ist die eigentliche Geschäftsidee einer modernen Share Economy: Internetdienstleister bieten virtuelle Räume, in denen sich Menschen per Klick oder Touch miteinander verbinden, um eine private, zeitweilige Geschäftsbeziehung einzugehen. Die Anbieter im Internet verdienen durch Vermittlungsgebühren oder Werbung.

          Ein besseres, nachhaltigeres Leben?

          Nun ist es alles andere als einfach, die Ökonomie des Teilens konkret zu fassen. Es gibt keine einheitliche Definition. Darunter fallen Dienste wie Airbnb (Vermittlung privater Unterkünfte) und Uber (Vermittlung von Fahrgästen und Fahrern mit Mietwagen), die das „Teilen statt Haben“ bekannt gemacht haben. Freilich ist in diesen Fällen die Share Economy schlicht ein Geschäftsmodell. Anbietern wie Airbnb oder Uber geht es nicht darum, die Welt besser zu machen, sondern sie bearbeiten eine unbesetzte Marktnische. Wie groß das Potential der Share Economy ist, zeigt eine repräsentative Umfrage von Pricewaterhouse Coopers vom Juni 2015. Danach planen 64 Prozent der Bundesbürger in den nächsten zwei Jahren Angebote der Share Economy zu nutzen und 50 Prozent wollen selbst ein entsprechendes Produkt anbieten. Aber es gibt auch Dienste wie foodsharing, die - ohne kommerzielle Interessen - Menschen zusammenbringen, um Lebensmittel vor dem Verfall an andere Personen oder soziale Einrichtungen weiterzuleiten. Je nach Ausgestaltung ergeben sich unterschiedliche Fragen: Wie sieht es mit den Gewinninteressen der Internetdienstleister aus, wie mit den Interessen der Privatleute, die miteinander in Kontakt gebracht werden?

          Foodsharing: Anstatt seine unverbrauchten Lebensmittel beispielsweise vor dem Urlaub wegzuwerfen, kann man sie über das Internet Fremden anbieten.

          Ökonomisch betrachtet, ermöglicht der geteilte Konsum, koordiniert durch entsprechende Plattformen, Kosten- und Zeitersparnisse. Ich finde schneller einen potentiellen Tauschpartner oder Anbieter, und im Zweifel bieten Privatleute die gewünschten Leistungen kostengünstiger an als kommerzielle Anbieter. Doch die derzeitige Faszination für die Share Economy hat tieferliegende, gesellschaftliche Gründe. Hinter der Idee des geteilten Konsums steht für viele auch der Wunsch nach einem besseren, nachhaltigeren Leben. Man will weniger besitzen, weniger wegwerfen und qualitativ bessere Produkte konsumieren. Das Bedürfnis, alternativ zu wirtschaften, ist seit Anbeginn moderner, kapitalistischer Gesellschaften immer wieder ein Thema. Und spätestens seit dem Ölpreisschock und der Diskussion um die Grenzen des Wachstums des Club of Rome findet das Anliegen eine breite gesellschaftliche Resonanz.

          Vertreter postmaterialistischer Werte sehen im zunehmenden Gütererwerb wenig Sinn, da eine „Gesellschaft im Überfluss“ (John Kenneth Galbraith) nicht zwingend die Lebenszufriedenheit befördert. Stattdessen berufen sie sich auf überwirtschaftliche Ziele und einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen. Die gegenwärtige Postwachstumsdebatte (degrowth) verdankt sich genau diesen Motiven. Ziel müsse die Rückführung von Wachstum sein, im Sinne eines Verzichts auf ökologisch schädliche Produktionsweisen und Konsumentscheidungen. Die Share Economy verspricht genau ein solches besseres Wirtschaftsmodell zu sein: mehr Lebensglück und Zufriedenheit durch weniger Besitztümer. Die Ökonomie des Teilens erscheint als die bessere, die sauberere, die menschlichere Wirtschaft. Zweifellos hat sie das Potential, um einen Beitrag für nachhaltiges Wirtschaften zu liefern. Insbesondere auf jüngere, gutausgebildete Menschen wirkt dieses Ideal anziehend, und gerade in Großstädten findet sich eine hohe Akzeptanz. Es ist einfach sinnvoll, in Großstädten Carsharing zu betreiben und sich so von der Last zu befreien, dauerhaft ein Auto unterhalten zu müssen und Stellplätze zu suchen, aber dennoch jederzeit die Vorteile der erhöhten Mobilität nutzen zu können.

          Vielleicht lässt sich hinter der Share Economy schon ein neuer Lebensstil, ein „collaborative lifestyle“ ausmachen. War es früher schick, durch teure Autos und goldene Armbanduhren in der Nachbarschaft zu glänzen, gilt es heute als hip, Güter zu teilen und dies auch nach außen zu zeigen. Dies kann als eine neue Form demonstrativen Konsums verstanden werden: Wer besonders umweltbewusst und nachhaltig lebt, wird sozial anerkannt und wertgeschätzt.

          Der aktuelle Boom der Ökonomie des Teilens ist vor diesem Hintergrund zu verstehen. Das anfangs noch als Randthema behandelte Phänomen ist in der gesellschaftlichen Mitte angekommen, die Cebit machte „Shareconomy“ 2013 zu ihrem Leitbegriff. Aber kann sie die Versprechungen halten, die ihr aufgeladen werden? Kann in der Ökonomie des Teilens ein neues Bündnis von Moral und Effizienz gesehen werden, also die Verbindung von besserem Konsum und wirksamerer Ressourcenauslastung?

          „Rebound-Effekt“ erhöht die Umweltbelastung

          Ohne Frage, die Share Economy ermöglicht es, Güter durch eine gemeinsame Nutzung (Ko-Konsum) besser und effizienter zu verwenden, und verspricht einen umweltschonenderen Umgang mit Ressourcen, da weniger produziert werden muss. Zugleich profitiert auch der Wettbewerb. Durch die höhere Anzahl an Anbietern als auch durch den erhöhten Innovationsdruck sind bessere Qualitäten und niedrigere Preise zu erwarten. Zudem erlauben die Bewertungssysteme der Online-Plattformen eine sofortige Einschätzung von Service und Freundlichkeit des Fahrers. Das derzeitige laute Murren der alteingesessenen Taxikartelle über MyTaxi und Uber belegt die Wirksamkeit dieses neuen Geschäftsmodells. Hier kann ein neuer digitaler Akteur verkrustete Strukturen aufbrechen und Schutzregelungen beseitigen, die der Besitzstandswahrung etablierter Anbieter dienen - wie die immer noch bestehende Ortskenntnisprüfung von Taxifahrern in Zeiten von Navigationsgeräten. Gesamtwirtschaftlich sind durch die Schaffung neuer Märkte zusätzliches Wachstum und Beschäftigung möglich. Aus individueller Sicht bewirkt dies größere Wahlfreiheit, verspricht Geldersparnis und - als Graswurzel- oder Nachbarschaftsökonomie - eine Verringerung des Stresslevels.

          Der Fahrdienst Uber vermittelt Taxifahrten zwischen Privatpersonen.

          Dennoch sind die zukünftigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Share Economy noch gar nicht so eindeutig abzuschätzen. Eine Studie des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat jüngst festgestellt, dass durch die tendenziell geringeren Preise Bevölkerungsschichten Güter in Anspruch nehmen können, die sie vorher wenig oder überhaupt nicht konsumiert haben. Die Zeitschrift „The Economist“ stellte in New York einen scheinbar paradoxen Effekt fest: Durch den Markteintritt von Uber in den Taximarkt stieg die Anzahl der Fahrten von 14,8 Millionen im Juni 2013 auf 17,5 Millionen im Juni 2015. Die neuen Anbieter ersetzen also nicht nur bisherige Taxifahrten, sondern bewirken eine größere Nachfrage, die wiederum vorwiegend den öffentlichen Personennahverkehr verdrängt. Dieser „Rebound-Effekt“ erhöht die Umweltbelastung, anstatt die Nachhaltigkeit der Ökonomie des Teilens zu untermauern.

          Kritiker sehen weitere erhebliche Gefahren. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, geißelt die Share Economy sogar als Ausbeutung, da er ein Anwachsen „prekärer Soloselbständigkeit“ befürchtet. Durch die Vermittlung von Reinigungskräften über Plattformen wie Helpling oder das kürzlich wieder geschlossene Start-up Homejoy sahen nicht wenige einen ruinösen Preiskampf in der Branche ausgelöst. Auch verschwimmt die Grenze zwischen Privatleben und Gewerbe. Zugleich werden Risiken wie Unfall und Krankheit auf die einzelnen, individuellen Anbieter abgewälzt, die Internetplattformen verstehen sich lediglich als Vermittler.

          Ein Mindestmaß an Regulierung ist erforderlich

          Wie soll nun mit dem Phänomen der Share Economy gesellschaftlich umgegangen werden? Verschärft wird die Debatte durch die unklare Rechtslage vieler Tausch- und Leihgeschäfte. Verleiht ein Großstädter seine Wohnung für ein Wochenende an ausländische Gäste und wird durch diese ein Wasserschaden im gesamten Haus verursacht, wer übernimmt die Haftung, welche Ansprüche entstehen und welche Versicherungsleistung besteht? Ebenso ergeben sich steuerliche Fragestellungen: Ist das gelegentliche und entgeltliche Teilen der eigenen Wohnung als eine gewerbliche Konkurrenz zu Hotels vor Ort oder vielmehr als ein Privatgeschäft zu werten? Nicht zuletzt werden auch Aspekte des Verbraucherschutzes berührt. Finden die strengen Hygiene- und Brandschutzvorschriften für Unterkünfte mit Gewinnerzielungsabsicht Anwendung?

          Aus ordnungspolitischer Sicht besteht staatlicher Handlungsbedarf, um stabile Rahmenbedingungen für die Internet-Vermittlungsdienste, aber auch für die Geschäftsbeziehungen der Privatleute, die zueinander vermittelt werden, zu schaffen. Die Politik schwankt derzeit zwischen den Extremen des totalen Verbots und des Nichtstuns. Laissez-faire im Bereich des kollaborativen Konsums erzeugt nicht selten eine ungerechtfertigte Bevorteilung gegenüber der etablierten Wirtschaft, da weniger gesetzliche Regeln und Standards zu beachten sind. Auf diese Weise entstehen Wettbewerbsverzerrungen, wie etwa bei Uber, dessen Dienst durch einen rechtlichen Kniff in Deutschland als Privatfahrten erscheinen sollte. Proteste in dieser Branche führten in Frankreich, den Niederlanden und Spanien bereits landesweit zu einem Verbot des Dienstes. Auch in Deutschland ist der Dienst mittlerweile weitgehend eingestellt.

          Statt einer solchen Überreaktion erscheint es sinnvoller, ein Mindestmaß an Regulierung zu fordern, das eine Gleichbehandlung zwischen klassischen Anbietern und den neuen Start-ups der Share Economy anstrebt. So sollten etwa Anforderungen an die Funktionsfähigkeit und Sicherheit des eingesetzten Fahrzeuges sowie der Fahrtüchtigkeit des Fahrers selbst bestehen. Es gibt kein logisches Argument für die ungleiche Behandlung von Unternehmen der Ökonomie des Teilens und der Standardökonomie. Denn werden Standards und Gesetze ungleich angewendet oder umgangen, so ist ein unfairer Wettbewerb zwischen gewerblichen und privaten Anbietern zu befürchten. Zugleich sollte verhindert werden, dass der Druck von etablierten Anbietern der Standardökonomie auf die Politik mittels scheinbar moralischer Argumente („Ausbeutung“, „ruinöse Standards“) zu einem vollständigen Verbot der - erwünschten - Konkurrenz der Share Economy führt. Es ist also eine differenzierte ordnungsökonomische Diskussion erforderlich.

          ,Höchst produktive Art von Glücksproduktion!’

          Für einen funktionsfähigen ordnungspolitischen Rahmen muss das Rad nicht neu erfunden werden. Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Konzept, an das die Share Economy anschlussfähig ist. Die Soziale Marktwirtschaft sieht im Wettbewerb seit jeher Möglichkeiten, Privilegien alteingesessener Marktteilnehmer in Frage zu stellen und wirtschaftlichen Vermachtungstendenzen, gerade durch Konzerne, entgegen zu wirken. Durch die Ökonomie des Teilens bekommen die hergebrachten Unternehmen Konkurrenz und die Nutzer eine größere Auswahl - sowohl an Produkten als auch an alternativen Wirtschaftsformen. Zugleich fordert die Soziale Marktwirtschaft mit dem Prinzip der Haftung, dass Privatleute wie Internetdienstleister sich für die Produkte, die sie vermitteln oder für einen kollaborativen Konsum bereitstellen, nicht aus der Verantwortung stehlen können.

          Gesellschaftspolitisch ist aber ein weiterer, über die rein ökonomische Sicht hinausgehender Aspekt bedeutsamer. Was sich beim Hype um die Ökonomie des Teilens deutlich zeigt, ist ein gewisses Maß an Unbehagen gegenüber einer anonymen Marktgesellschaft und den Prozessen der Globalisierung. Die Menschen fühlen sich sozial entwurzelt und den wirtschaftlichen Kräften ohnmächtig ausgeliefert. Das Leben beschleunigt sich, ohne dass sie darauf Einfluss nehmen können. Die Ökonomie des Teilens kann auch als Versuch verstanden werden, wieder zu überschaubaren Wirtschaftsbeziehungen und persönlichen Austauschprozessen zurückzukehren. Statt sich ein Zimmer bei einer seelenlosen Hotelkette zu mieten, nächtigt man mittels Couchsurfing (einem kommerziellen Netzwerk für die Vermittlung kostenloser Übernachtungsmöglichkeiten) in Privatwohnungen und findet dort sozialen Anschluss. Es entsteht das Gefühl von unmittelbaren Beziehungen, die sich in gewisser Weise den üblichen Marktprozessen entziehen.

          „Unproduktive Art von Gemüseproduktion“

          Dieser Wunsch nach kleinen Einheiten und persönlichen Beziehungen war auch den ordoliberalen Vordenkern der Sozialen Marktwirtschaft bewusst. Wilhelm Röpke stellte eine Sehnsucht „nach einfacheren und daher zugleich historisch früheren Formen des wirtschaftlichen Lebens“ fest, in der der Einzelne nicht Getriebener der Wirtschaft, sondern Zielpunkt der wirtschaftlichen Aktivität ist. Die Forderung von Alexander Rüstow, dass jede Familie einen eigenen Garten haben sollte, klingt aus heutiger Sicht anachronistisch und romantisch verklärt. Übertragbar ist jedoch der grundlegende Gedanke, dass der Mensch für sein Lebensglück ein Umfeld braucht, das anonyme Märkte nicht bieten. Eine kleine Anekdote, die Rüstow von Röpke erzählt hat, der mit dem marktliberalen Ökonomen Ludwig von Mises einst durch eine Schrebergartensiedlung ging, illustriert diesen Standpunkt. Rüstow schreibt: „Mein Freund Wilhelm Röpke ging einmal in Holland mit einem Kollegen, durch eine solche Schrebersiedlung, ich kann den Namen des Kollegen, den er verschwiegen hat, ruhig verraten, es war der bekannte und verdienstvolle paläoliberale Nationalökonom Ludwig von Mises, und Herr von Mises sagte: ,Unproduktive Art von Gemüseproduktion!’ - Röpke erwiderte: ,Höchst produktive Art von Glücksproduktion!’“

          Mit dieser Perspektive gewinnt der Trend zur Share Economy eine neue Lesart. Es müssen demnach nicht allein Fragen der wirtschaftlichen Bewertung und rechtlichen Einstufung einer Ökonomie des Teilens geklärt werden, sondern es ist gesellschaftlich zu diskutieren, welches Potential diese Form des alternativen Wirtschaftens besitzt. Verbote können nicht die Lösung sein, sondern es muss darum gehen, das Anliegen nach überschaubaren, menschlicheren und nachhaltigeren Wirtschaftsformen aufzugreifen. Effizienz ist wünschenswert - aber sie ist nur Mittel zum Zweck. Im Mittelpunkt muss die Lebenslage, muss das Lebensglück des Menschen stehen. Die Ökonomie des Teilens sollte dann auch als Wunsch nach mehr Solidarität, Souveränität und Sinnerfüllung verstanden werden.

          Die Autoren

          Nils Goldschmidt ist Wirtschaftsprofessor am Zentrum für ökonomische Bildung der Universität Siegen. Geboren 1970 in Ostwestfalen, hat er in Freiburg Ökonomie und katholische Theologie studiert. Die Frage, wie ein guter Ordnungsrahmen für die Marktwirtschaft aussieht, beschäftigt ihn seit langem. Das prädestiniert ihn für den Vorsitz der „Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft“ (ASM), den er Ende vergangenen Jahres übernommen hat. Dieser gemeinnützige Verein wurde 1953 vom Soziologen und Ökonomen Alexander Rüstow gegründet, einem der Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft.

          Julian Dörr ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von Goldschmidt in Siegen und einer der Geschäftsführer der ASM in Tübingen. Er hat Volkswirtschaft und Politikwissenschaft in Bamberg, Paris und Budapest studiert, sein Interesse gilt moderner Ordnungsökonomik und Theoriegeschichte.

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