https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/share-deals-sind-keine-steuerflucht-15283728.html

Share Deals-Kommentar : Unfairer Vorwurf

Steuerflucht oder legale Vorgehensweise? Die Praxis der Share Deals ist umstritten. Bild: dpa

Die „Paradise Papers“ rücken das Thema Steuerflucht wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Auch bei den Share Deals hält sich die Interpretation, dass Unternehmen trickreich den Fiskus umgehen – zu Unrecht.

          1 Min.

          Hartnäckig hält sich die Interpretation, dass Unternehmen trickreich die Steuern umgehen, wenn sie die Ausnahmeregelung der Share Deals nutzen. Sie sieht vor, dass bei einem Kauf von Immobilien dann keine Grunderwerbsteuer anfällt, wenn ein anderes Unternehmen gleichzeitig mindestens 5 Prozent plus eine Aktie erwirbt. Über den Sinn dieser Regelung kann man durchaus streiten. Für sie spricht, dass sie Immobilientransaktionen verbilligt – so manche Kommune hat vor Jahren durch die spezielle Konstruktion der Share Deals leichter Käufer für ihre großen Wohnungspakete gefunden und damit ihre Kassenlage entspannen können.

          Zudem gibt es steuersystematische Gründe für die Share Deals: Sie passen zu der Regelung von Unternehmensbeteiligungen, dass ein Großeigentümer mit mehr als 95 Prozent der Anteile die Kleinaktionäre abfinden kann, andererseits also bei weniger als 95 Prozent kein uneingeschränktes Eigentumsrecht besitzt. Gegen Share Deals spricht, dass sie von normalen Bürgern etwa beim Wohnungskauf nicht nutzbar ist, weil extra eine Gesellschaft gegründet und ein Partner gesucht werden muss.

          Das wiederum erweckt den Eindruck, dass Share Deals ein Schlupfloch für große Unternehmen sind. Politiker von Union und SPD wollen Share Deals ausdrücklich abschaffen. Das können sie im Rahmen ihrer politischen Mandate natürlich auch tun. Doch bei aller grundsätzlichen Einigkeit scheint das seine Tücken zu haben, sei es aus formaljuristischen oder steuersystematischen Gründen. Solange die Share-Deal-Konstruktion aber noch steht, ist es geradezu unfair, den Investoren Vorwürfe in der Nähe der Steuerflucht zu machen, die diese legale Form der Steuervermeidung nutzen.

          Michael Psotta
          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Weiß, wo es langgehen soll: Wahlsiegerin Giorgia Meloni

          Wegen Gaspreisdeckel : Deutschland steht am Pranger

          Etliche EU-Regierungen sind irritiert über den „Doppelwumms“ aus Berlin. Darf Deutschland sich solche Ausgaben leisten?
          Der russische Präsident Putin am Freitag im Kreml bei der Zeremonie zur Annexion von vier besetzten Gebieten in der Ukraine

          Annexionen in der Ukraine : Putins Kolonialismus

          In seiner Annexionsrede wirft Putin dem Westen Kolonialismus vor. Den praktiziert er in der Ukraine aber selbst. Und die Werte der Freiheit verteidigt nicht er.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.