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„Seven“-Jeans : Schöner Po für 200 Euro

„Hebt den Po”: „Seven”-Jeans Bild: 7 for all mankind

Es war im Jahr 2000, Jeans galten als absolut out. Da beschlossen zwei Designer und ein Textilfabrikant in Los Angeles, eine neue Edel-Jeans zu entwerfen. Inzwischen ist die „Seven“ weltweit begehrt.

          3 Min.

          Es war im Jahr 2000, Jeans galten als absolut out. Da beschlossen zwei Designer und ein Textilfabrikant in Los Angeles, eine neue Jeans-Marke zu entwerfen. Edel sollte sie sein, perfekt sitzen und um die 200 Dollar kosten. Teuer genug, damit die Hollywood-Stars zugreifen.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wochen später liegt die erste "Seven"-Jeans in den Boutiquen auf dem Sunset Boulevard. Ihr Markenzeichen: eine geschwungene Stickerei auf der Gesäßtasche und ihr guter Sitz. Sie "hebt den Po", werben die Erfinder. Sie mache lange Beine und lasse jede Frau fünf Pfund leichter erscheinen. Das Argument überzeugt die Zielgruppe. Gwyneth Paltrow, Nicole Kidman und Cameron Diaz greifen zur "Seven", Kylie Minogue und Jennifer Love Hewitt ebenfalls. Und plötzlich wollen alle Amerikanerinnen den "hottest shit aus L.A".

          „Seven“-Jeans in 64 Ländern, auch in Kuweit

          Nur zwei Jahre braucht die Marke, bis sich der Ruf weltweit herumgesprochen hat. Auf Werbung konnten die Modeunternehmer verzichten. Die Pos der Stars erledigten das. In Deutschland tauchten erst Claudia Schiffer und Cora Schumacher in einer "Seven" auf, dann Managerinnen, reiche Ehefrauen und ihre Töchter. Inzwischen zahlen auch modebewußte Erzieherinnen oder Sekretärinnen die 200 Euro für eine "Seven". Oder auch mehr. Das neue Modell mit Swarovski-Steinen kostet knapp 300 Euro "und geht weg wie nichts", heißt es in den Shops.

          „Seven” gibt es auch als Röckchen

          "Seven for all mankind" oder "7fam", wie das Unternehmen mit Sitz in L.A. heißt, wächst und wächst. Lag der Umsatz im ersten Jahr noch bei zwölf Millionen Dollar, betrug er im vierten bereits 200 Millionen Dollar. "Seven"-Jeans gibt es jetzt in 64 Ländern, in Kuweit ebenso wie in Japan oder England. 30 Millionen Dollar Umsatz erzielt das Unternehmen außerhalb Amerikas. Damit ist "Seven for all mankind" keine kalifornische Klitsche mehr. Der italienische Rivale Diesel, immerhin einer der bekanntesten Jeans-Hersteller weltweit, erzielte 2003 einen Umsatz von 750 Millionen Euro.

          Marktführer im „Premium“-Segment

          "Seven"-Miterfinder Peter Koral, der heute die Hälfte der Anteile an dem Unternehmen hält, ist ein Urgestein der Modebranche in Los Angeles. Seit 25 Jahren betreibt er eine der größten Textilfabriken in Vernon, mit verschiedenen anderen Modemarken. Aus dem Tagesgeschäft bei seinem jüngsten Label hat er sich herausgezogen. Neuer Chef ist seit Anfang April ein Deutscher: Andreas Kurz. Der war zuvor 13 Jahre bei Hugo Boss, dann vier Jahre bei Diesel und zuletzt bei Ralph Lauren. Bei "Seven" will er den Umsatz Jahr für Jahr um zweistellige Raten steigern, ein "moderates Ziel", wie er sagt.

          Das Label hat sich als Marktführer im sogenannten "Premium"-Segment durchgesetzt, dem Bereich zwischen der Massenware und den Designer-Jeans von Armani oder Gucci, das entgegen dem Branchentrend schnell wächst.

          „Ziel ist, eine globale Lifestylemarke zu werden“

          Das Erstaunliche an "Seven" ist das Tempo, das Gründer Koral seit dem Start vor fünf Jahren vorlegt. Neben der Damen-Linie hat er bereits eine Herren- und eine Kinder-Linie auf den Markt gebracht. Als nächstes folgen komplette Kollektionen mit T-Shirts, Wollpullover und Jacken. 2006 will er Lizenzen für Schuhe, Handtaschen und Schmuck vergeben.

          2007 ist dann die Premiere für eigene Geschäfte in L.A., New York, Paris, Mailand, Berlin, Tokyo, Osaka und London geplant. "Unser Ziel ist es, eine echte, globale Lifestylemarke zu werden", erklärt Koral.

          Levis bringt neue 501 auf den Markt - für 501 Euro

          Angst vor der Verwässerung der Marke hat er nicht. Über eine Limitierung will er das Image steuern. 100.000 Jeans verlassen die Fabriken monatlich. Nicht mehr. Und jede einzelne ist "made in USA" - abgesehen natürlich von den Plagiaten aus Südkorea und China, die bereits weltweit auf den Schwarzmärkten und auch über Ebay vertickt werden.

          Der Erfolg der 200-Euro-Jeans ist der Konkurrenz nicht entgangen. Diesel setzt auch auf höhere Preise. Levis brachte eine neue 501 auf den Markt - auf 501 Stück limitiert und für 501 Euro. Daneben sprießen zuhauf neue Labels aus dem Boden.

          „Citizen of Humanity“ macht Konkurrenz

          Der erfolgreichste Newcomer ist quasi hausgemachte Konkurrenz. Die beiden Designer, die "Seven" zusammen mit Koral gegründet haben, haben sich im Streit von ihrem Partner getrennt und ihre eigene Marke herausgebracht. "Citizen of Humanity" liegt in den Boutiquen neben der "Seven".

          Koral sieht das gelassen. "Der Markt ist so groß. Da haben beide Labels Platz."

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