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Servicefahrer für Dixi-Klos : Die Freiheit des Güllemanns

  • -Aktualisiert am

Absaugen ohne Abscheu Bild: F.A.Z. - Foto: Jesco Denzel

Manchmal hilft es, einen guten Riecher zu haben: Markus Euler muß die Dixi-Klos erstmal finden, wenn er mit seinem Fahrzeug kommt. Nach sechs Jahren kann ihn nichts mehr schocken, er ist abgehärtet.

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          Gebrauchte Dixi-Toiletten teilt Markus Euler in drei Kategorien ein: normal, mittelnormal und tausendprozentig. „Die Tausendprozentigen werden von oben bis unten benutzt.“

          Euler hat da so seine Erfahrungen. Seit sechs Jahren ist er Servicefahrer für die Firma „Toi Toi & Dixi“ in Gelnhausen. Heute ist er auf einer Baustelle an der Bockenheimer Landstraße. Ein Kran läßt die auf dem Hausdach plazierte Toilettenkabine herunter.

          Ein guter Riecher ist hilfreich

          Als der Sanitärarbeiter die Tür öffnet, verbreitet sich übler Gestank. Auf der Sitzfläche zeichnen sich braune Ränder ab, der Boden ist von einer undefinierbaren Flüssigkeit überzogen. „Eine Zweitausendprozentige“, urteilt Euler - die Männer vom Bau haben ganze Arbeit geleistet. Er bleibt ruhig. Nach sechs Jahren ist er abgehärtet. An die zehntausend Toiletten hat der Einunddreißigjährige schon auf Baustellen und Veranstaltungen ausgeliefert und wieder abgeholt - immer nach dem- selben Ablauf: Wenn er mit dem Servicefahrzeug ankommt, müssen die Klos erst mal geortet werden.

          „Manchmal muß man da einen guten Riecher haben“, sagt Euler und grinst. Dann schiebt er einen Schlauch in die Kloschüssel und saugt ab - der übelriechende Inhalt landet im 2.000 Liter fassenden Fäkalientank des Servicefahrzeugs. Mit einem Hochdruckreiniger säubert er das Klo und gießt einen großen Eimer mit blauem Sanitärkonzentrat in die Schüssel.

          Der Güllemann ist froh

          Inzwischen schätzt der gelernte Bürokaufmann das „Freiheitsgefühl“, wenn er allein mit seinem Servicefahrzeug unterwegs ist. Anders als im Büro, wo der Vorgesetzte einem ständig auf die Finger schaue, sei er dort sein eigener Chef. Gelegentliche abfällige Sprüche über seinen Beruf stören ihn nicht besonders - auch nicht, daß ein Bekannter ihn den „Güllemann“ nennt.

          Euler ist froh, daß er überhaupt wieder arbeiten kann, nachdem er seinen alten Job als Computerfachmann verloren hat. Ein bißchen hofft er zwar, irgendwann wieder im Büro zu sitzen. Das Wichtigste sei aber, daß er seine Frau und die zwei Kinder versorgen könne: „Da darf man sich nicht sträuben, auch so eine Arbeit anzunehmen.“

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